Hoffen – Helfen – Heilen
27. Mai 2021

Der genetische Zwilling und sein Blutsbruder

Markus und Vincent feiern fünfjährige Blutsbrüderschaft nach Stammzelltransplantation über die Stefan-Morsch-Stiftung

Gleicher Humor, gleiche Interessen – und sogar die gleichen genetischen Gewebemerkmale: Vincent aus dem niederbayerischen Thonhausen und Markus aus Soest sind nicht nur Freunde, sondern Blutsbrüder. Sie kannten sich noch nicht, als der heute 33-jährige Nordrhein-Westfale über die Stefan-Morsch-Stiftung Stammzellen für den leukämiekranken Vincent spendete. Klar war nur, ohne Markus kann Vincent nicht weiterleben. Jetzt, fünf Jahre nach ihrem ersten Treffen sind sie echte Freunde fürs Leben.

Markus (rechts) hat für Vincent Stammzellen gespendet, um ihm gegen Leukämie zu helfen. Foto: Vincent Kammerloher

„Ohne ihn wäre ich nicht mehr hier“

„Wir sind wie Max und Moritz oder Ernie und Bert“, beschreibt Markus lachend die Freundschaft zu seinem Blutsbruder. Der 30-jährige Vincent ergänzt: „Ohne ihn wäre ich heute nicht der, der ich bin und vor allem nicht mehr hier. Er ist als Freund so wichtig in meinem Leben geworden, dass ich es mir ohne ihn nicht mehr vorstellen kann.“ Obwohl sie rund 600 Kilometer trennen, treffen sie sich so oft wie möglich, teilweise sogar zwei bis dreimal im Jahr – manchmal sind auch ihre Eltern dabei. „Jetzt Im April hat das endlich wieder geklappt und wir haben zusammen einen Vorgipfel der Kampenwand bestiegen. Bergsteigen habe ich nach meiner Erkrankung unglaublich für mich entdeckt und wollte das unbedingt mal mit Markus machen“, sagt Vincent. Trotz Nervenschädigungen in den Füßen und Gelenkproblemen – Nebenwirkungen der Chemotherapien – möchte der Bauleiter sportlich aktiv bleiben. Fester Bestandteil ihrer Treffen ist es, bei jedem Wetter schwimmen zu gehen: „Nach dem Bergsteigen haben wir uns einen kleinen Badesee ausgesucht, in dem wir bei acht Grad Wassertemperatur reingesprungen sind“, erzählt Markus lachend.

Vincent (links) und Markus sind Blutsbrüder. Foto: Vincent Kammerloher

Als Vincent 2013 an chronisch myeloischer Leukämie erkrankt, hat er Glück: Es gibt einen genetisch passenden Spender und damit die Chance zu überleben. Markus erinnert sich noch genau: „Als mich die Stefan-Morsch-Stiftung kontaktierte, habe ich keine Sekunde gezögert. Genau dafür hatte ich mich registriert.“ Die gemeinnützige Organisation mit Sitz im rheinland-pfälzischen Birkenfeld feiert in diesem Jahr ihr 35-jähriges Jubiläum und ist Pionier in der Vermittlung von Stammzellspendern für Betroffene weltweit. Gleichzeitig begleitet sie als Ansprechpartner Leukämie- und Tumorkranke durch die Behandlung und leistet auch finanzielle Unterstützung, wenn Betroffene durch die Erkrankung in finanzielle Not geraten.

Treffen zwei Jahre nach der Stammzellspende

Für die Stammzellentnahme hat Markus als Student extra eine Klausur verschoben. Heute arbeitet er als Coach in der Erwachsenenbildung. Als Spender ausgewählt zu werden und helfen zu können, war für ihn etwas Besonderes. Ganz anders war es bei Vincent: „Ich wusste, die neuen Stammzellen waren keine Garantie dafür, dass ich geheilt werde. Für mich war es einfach ein weiterer Infusionsbeutel, nachdem ich wie so oft warten musste, was mein Körper damit macht. Heute bedeutet mir das viel mehr als damals“, erklärt er. Lange und mühsam kämpft sich Vincent danach ins Leben zurück, muss sogar das Laufen neu lernen. „Es verging eine ganze Weile, bis ich den Kopf so frei hatte, dass ich überhaupt mal an den Spender gedacht habe“, erzählt der gebürtige Freisinger. Ein Jahr nach der Transplantation hat die Stefan-Morsch-Stiftung einen anonymisierten Brief von Vincent weitergeleitet. „Das war ein superschönes Gefühl, als ich ihn in den Händen hielt. Danach haben wir uns ständig geschrieben und schnell gemerkt, wir ticken gleich“, erzählt Markus. Ein direkter Kontakt zwischen Empfänger und Spender ist aus Datenschutzgründen erst zwei Jahre nach der Transplantation erlaubt. Zum ersten Mal standen sie sich bei einem Spender-Empfänger-Treffen der Stiftung gegenüber: „Vincent hat mich so fest umarmt, dass ich keine Luft mehr bekam“, erinnert sich der Nordrhein-Westfale lachend. „Seitdem haben wir uns durch verschiedene Lebensphasen, Umzüge und Jobwechsel begleitet. Für mich ist Vincent heute wie ein Bruder.“

Vor fünf Jahren lernen sich Vincent und Markus persönlich kennen. Foto: Stefan-Morsch-Stifung

Vincent und Markus engagieren sich gegen Leukämie

Beiden ist es wichtig, sich für Menschen mit Leukämie einzusetzen, indem sie Betroffenen Mut und auf das Thema Stammzellspende aufmerksam machen. So kämpften sie sich bei einem Traillauf gemeinsam durch den Schlamm, um andere zur Typisierung aufzurufen. Beim nächsten Lauf, mit dem Markus die Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke unterstützt, ist Vincent allerdings nicht dabei. Mit Laufpartnerin Lisa startet Markus im September beim Transalpine Run, bei dem sie in acht Tagen eine Strecke von 264 Kilometer zurücklegen und die Alpen überqueren. „Das ist für uns vermutlich die bisher größte sportliche Herausforderung“, verrät der geübte Läufer. Parallel rufen sie zu Geldspenden und zur Online-Registrierung als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung auf. „Warum wir das tun? Weil wir glauben, dass die Arbeit der Stiftung unbedingt gefördert werden muss. Je mehr Menschen sich typisieren lassen, desto höher sind die Chancen, für jeden Betroffenen einen passenden Spender zu finden. Denn eine Stammzellspende ist einfach, unkompliziert, kostet nur ein bisschen Zeit und man kann so viel damit bewirken!“

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Wenn du dich für die Leukämie- und Tumorhilfe stark machen möchtest, erfährst du hier mehr darüber.