Übersicht CMV
Das Cytomegalievirus (kurz: CMV) gehört zur Familie der Herpesviren und ist weltweit stark verbreitet. Man geht davon aus, dass, abhängig vom Alter und sozioökonomischen Faktoren, circa die Hälfte der Menschen bereits in Kontakt mit dem Virus gekommen ist. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus lebenslang im Körper und kann durch bestimmte Umstände reaktiviert werden. Eine Übertragung kann durch den Austausch verschiedener Körperflüssigkeiten (z.B. Speichel, Urin, Muttermilch, Blut…) erfolgen. Auf diese Weise kann das Virus unbemerkt von Person zu Person gelangen und sich weiter ausbreiten.
Warum ist der CMV-Status relevant?
Eine Infektion mit dem CMV hat für die meisten Menschen keine Auswirkungen und bleibt, aufgrund des oft asymptomatischen Verlaufs, unentdeckt. Gefährlich ist die Infektion allerdings für Schwangere bzw. Neu- oder Frühgeborene sowie immungeschwächte Personen, so auch Blutkrebspatient:innen. Für diese Risikogruppen kann eine Infektion mit dem CMV lebensbedrohlich sein. Da das Virus bei einer Stammzelltransplantation mitübertragen wird, gilt der CMV-Status neben den HLA-Merkmalen sowie dem Alter als wichtigstes Auswahlkriterium für die Auswahl von Stammzellspender:innen. Spender:in und Empfänger:in sollten nach Möglichkeit den gleichen CMV-Status haben. Ein unterschiedlicher CMV-Status könnte zu schwerwiegenden Komplikationen für die Empfänger:innen führen.
CMV-Statusmatrix

Für Empfänger:innen mit positivem CMV-Status sollte der Spender/die Spenderin ebenfalls CMV-positiv sein. Transplantiert man mit den Stammzellen das Immunsystem einer CMV-negativen Person, welches keine Antikörper gegen das Virus besitzt, in eine:n CMV-positive:n Empfänger:in, kann sich das Virus nach der Transplantation ungehindert im Körper ausbreiten. Ist die empfangende Person CMV-negativ, muss verhindert werden, dass das Virus mit dem Transplantat übertragen wird. Daher muss die Spende in diesem Fall auch von einer CMV-negativen Person stammen.
Neue Methode für CMV-Testung
Bisher wurde der CMV-Status jeder registrierten Person während der Bestätigungstypisierung (kurz: CT für Confirmatory Typing) mittels einer Blutprobe festgestellt. Die Bestätigungstypisierung erfolgt, sobald jemand als potenzielle:r Spender:in infrage kommt. Das HLA-Labor der Stefan-Morsch-Stiftung hat jetzt eine Methode etabliert, bei der dieser Status auch über einen Wangenabstrich feststellbar ist. Hierzu bitten wir seit März 2026 um die Abgabe einer zusätzlichen Abstrichprobe, die für die Bestimmung zentral ist. Diese wird zeitgleich mit der HLA-Typisierung analysiert. Somit steht der CMV-Status des Spenders/der Spenderin schon lange vor dem CT zur Verfügung.

Für viele Patient:innen ist eine Stammzelltransplantation oft die letzte Hoffnung. Zeit ist dabei ein kritischer Faktor. Durch die frühere Ermittlung des CMV-Status kann eine effizientere Auswahl der potenziellen Spender:innen erfolgen. Dadurch kann die Versorgung von Patient:innen nachhaltig verbessert werden.