08. Februar 2016

In der Schule typisiert, jetzt ein Leben gerettet

11 000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr neu an Leukämie. Oft bedeutet eine Stammzellspende für sie die letzte Hoffnung. Menschen, die ihre Stammzellen für einen anderen spenden, sind dabei die stillen Helden – nicht nur für den Erkrankten. Einer dieser Lebensretter ist Stefan Fuchs aus Oberthal im Kreis St. Wendel. Eine „interessante Erfahrung“ nennt er seinen Einsatz zu Beginn dieses Jahres.
Fuchs ist von Berufs wegen ein unerschrockener Mensch, liegt sein Arbeitsplatz doch in rund 140 Meter Höhe. Als Servicetechniker für Windenergieanlagen steigt er Tag für Tag hoch hinaus, um die Windräder am Laufen zu halten. Als Berufsschüler hatte er sich bei einer Typisierungsaktion der Stefan-Morsch-Stiftung im April 2011 in Idar-Oberstein an der Harald-Fissler-Schule Berufsbildende Schule Technik registrieren lassen. Der heute 26-jährige gebürtige Kirner ist ein regelmäßiger Blutspender und ließ sich damals überzeugen, auch für die Spenderdatei einige Tropfen seines Blutes zu geben. Fast 100 weitere Schüler ließen sich damals registrieren.

Ende Oktober 2015 kam dann die Nachricht, dass seine Daten für einen Empfänger passen könnten. „Überrascht war ich schon ein wenig. Mir war nicht richtig klar, was da jetzt auf mich zukommen würde“, erinnert sich Fuchs. Erst einmal kam eine weitere Voruntersuchung auf ihn zu. Es folgten Aufklärungsgespräche durch die Birkenfelder Spenderdatei und schließlich – nach drei Monaten – kam endlich der Termin für die Entnahme. „Ich habe mir in der Zeit schon einige Gedanken gemacht.“

Doch wer in der Lage ist, den Turm einer Windkraftanlage notfalls auch außen hochzuklettern, der lässt sich nicht so leicht beeindrucken. Bei der heutzutage häufigsten Form der Spende, der so genannten peripheren Stammzellentnahme (Apherese), werden die Stammzellen aus dem venösen Blut herausgefiltert. Eine Narkose oder gar eine Operation sind nicht erforderlich. „Eigentlich gut“, meint Stefan Fuchs zu seiner Zeit in der Apheresestation in Birkenfeld. Das Wachstumshormon, das er sich vor der Entnahme fünf Tage lang spritzen musste, um damit die eigene Stammzellenproduktion auf Trab zu bringen, hat er „bis auf leichte Rückenscherzen“ gut vertragen.

Die Betreuung vor Ort war bestens und fürsorglich. „Es ist für mich interessant, dass man selbst die Möglichkeit hat, jemand anderem zu helfen und ihm im besten Fall das Leben zu retten“, so der 26-Jährige. Hilfe auf eine letztlich unspektakuläre Art. Er freut sich, dass er die Chance dazu erhalten hat. „Ich wünsche mir sehr, dass es klappt für den Patienten.“

Sein genetischer Zwilling ist ein ihm unbekannter Amerikaner, der innerhalb von 72 Stunden die Stammzellen aus dem Hunsrück übertragen bekam. In Deutschland übermitteln 26 Spenderdateien die Daten der neu gewonnenen Spender in anonymisierter Form an das Deutsche Zentralregister (ZKRD) und tragen so entscheidend dazu bei, dass Patienten weltweit geholfen werden kann. Bei der Suche nach dem besten Spender für über 3000 deutsche und über 27000 ausländische Patienten pro Jahr spielt das ZKRD in Deutschland die zentrale Rolle.  Die Stefan-Morsch-Stiftung, die ein internationales Suchzentrum in Birkenfeld führt, arbeitet eng mit dem ZKRD zusammen.

Es ist ein Glücksfall, wenn die genetischen Merkmale zweier Menschen so gut übereinstimmen, dass eine Transplantation möglich ist. Daher sind Typisierungsaktionen,  wie 2011 an der Berufsbildenden Schule in Idar-Oberstein, so wichtig. Die Birkenfelder Spenderdatei, die älteste in Deutschland, kooperiert immer wieder mit Schulen, die mit solchen Aktionen auf die Krankheit und die mögliche Hilfe aufmerksam machen und Menschen zwischen 17 und 40 Jahren für eine Registrierung als Spender gewinnen. Derzeit sind laut ZKRD 6,5 Millionen Menschen als Stammzellspender in Deutschland registriert. Stefan Fuchs hat „ein gutes Gefühl“. „Ich kann nur jedem raten, sich typisieren zu lassen.“ Sagt’s und verschwindet mit seinem Handwerkszeug ab in die einsame Höhe des Windrades.

WEBStWendel14122015ArnoldJanssenGymnasiumDNAIIProjekt: Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke macht Schule

Als gemeinnützige Stiftung klärt Stefan-Morsch-Stiftung seit 30 Jahren junge Menschen auf, sich als potenzielle Lebensretter registrieren zu lassen. Dabei hat die Stiftung stets Kooperationspartner in den Schulen: Schüler, Lehrer, Eltern, die Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke leisten möchten. So wird gemeinsam mit den Schülervertretungen, der Schulleitung und den Schülern dazu aufgerufen, sich typisieren zu lassen. Die Identifikation mit der Schule und das soziale Engagement der Schüler haben dazu geführt, dass sich stets ein hoher Anteil der älteren Schüler für die Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke eingesetzt hat – egal ob durch einen Spendenlauf, ein Typisierungsaufruf oder eine Informationsveranstaltung „Leukämiehilfe macht Schule“.

Mehr Informationen unter „Jeder kann helfen“