26. Juli 2016

Polizistin ist Heldin für Blutkrebskranken

Für Franziska Kunz aus Hochstetten-Dhaun (Kreis Bad Kreuznach) fühlt es sich immer noch unwirklich an, dass sie einen genetischen Zwilling hat und dass sie ihm mit einer Stammzellspende vielleicht das Leben retten kann. Sie kennt den Mann nicht, weiß nur, dass er 31 Jahre alt ist, Leukämie hat, und in Kanada um sein Leben kämpft. Ohne ihre Spende hätte er keine Chance.
Normalerweise sieht das Leben der 25-jährigen jungen Frau ganz anders aus: „Quidams Hero“ ist 13 Jahre alt und seit sechs Jahren ihr bester Freund und treuer Begleiter.. „Bei den Pferden muss der Name mit dem selben Buchstaben anfangen wie der Name des Vaters“, erklärt die  Schutzpolizistin,  die mit ihrem „Hero“ (Helden)im Soonwälder „Reiterverein Jäger aus Kurpfalz Rehbach“ Dressur- und Springturniere reitet.

Doch 2016 ist Franziska Kunz ihrerseits  zur Heldin geworden –  für einen an Leukämie erkrankten 31-Jährigen, den sie nicht kennt. Ein Jahr ist es her, da ging die Polizistin zu einem ihrer regelmäßigen Blutspendetermine beim DRK in Simmertal. Dieses Mal war auch die Stefan-Morsch-Stiftung aus Birkenfeld – als Kooperationspartner – mit einem Informationsstand vor Ort, um auf die Themen Leukämie und Stammzellspende aufmerksam zu machen. „Ich habe mir alles durchgelesen und gedacht: Warum  nicht?“, erzählt die 25-Jährige. Mit ein Mal pieksen zwei Mal helfen können – eine gute Sache.

„Total überrascht“ ist die Turnierreiterin trotzdem, dass sich nur zwölf Monate später die Stiftung meldet mit der Nachricht, eventuell einen genetischen Zwilling gefunden zu haben, der auf eine Stammzelltransplantation angewiesen ist. So schnell hatte die Hunsrückerin nicht damit gerechnet. „Gar keine Frage“ war es, ob sie es nun durchziehen würde. „Wenn ich mich registrieren lasse, dann ist es doch auch klar, dass ich spende“, schüttelt sie nachdrücklich den Kopf. So schnell gefordert zu sein, hat nicht nur sie, sondern ihr ganzes Umfeld überrascht. Viele aus ihrem Bekanntenkreis sind schon seit Jahren registriert, doch nie hat es eine Übereinstimmung gegeben. Entsprechend positiv fällt natürlich die Resonanz aus. Der Freund ist bei der Voruntersuchung mit dabei.

„Mir war gar nicht bewusst, dass wirklich weltweit nach Spendern gesucht wird“

Es ist ein Glücksfall, wenn die genetischen Merkmale zweier Menschen so übereinstimmen, dass der Eine gesunde Zellen für einen Anderen, Kranken, spenden kann. Die Stefan-Morsch-Stiftung hat es sich seit 30 Jahren zur Aufgabe gemacht, Spender zu finden und mit Typisierungsaktionen auf die Krankheit und die Möglichkeit der Hilfe aufmerksam zu machen. Denn: Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland 11.000 Menschen an Leukämie. Eine Transplantation ist oft die letzte Chance der Heilung und nur selten sind Familienangehörige geeignete Spender.

Auf die Springreiterin warteten nun einige kleine Hürden ganz ungewohnter Art: Sie musste sich im Vorfeld der Entnahme ein Medikament spritzen, das die eigene Stammzellproduktion auf Vordermann bringt. Dabei kann es zu leichten Beeinträchtigungen kommen. Franziska Kunz hat Kopfschmerzen. „Ich war aber nicht wesentlich eingeschränkt in meinem Leben, zumal ich öfter unter Kopfschmerzen leide.“

Danach geht es – begleitet von der Mutter – nach Birkenfeld in die Entnahmestation der Stiftung. Bei der heutzutage häufigsten Form der Spende, der so genannten peripheren Stammzellentnahme (Apherese), werden die Stammzellen aus dem venösen Blut des Spenders herausgefiltert. Eine Operation oder Narkose ist nicht erforderlich. Die größte Hürde dabei: das lange Liegen. „Sechs Stunden waren es bei mir“, erinnert sich die 25-Jährige. Am Tag danach hat ihr dann „irgendwie alles wehgetan“. Doch auch das ist schnell vorbei und fast vergessen.

Jetzt heißt es Daumendrücken für den krebskranken Kanadier. „Mir war gar nicht bewusst, dass wirklich weltweit nach Spendern gesucht wird“, ist Franziska Kunz fasziniert. Weil es schnell ging bei ihr, hat sie es noch gar nicht realisiert, was ihr Einsatz für den anderen Menschen bedeutet. „Irgendwie unwirklich.“ Nach vier Monaten kann sie nachfragen, wie es dem Patienten geht. Kennenlernen würde sie ihn schon ganz gerne. „Später, wenn er das will“, sagt die Soonwälderin und fasst ihr Pferd am Zügel: zwei Helden auf dem Sprung.

Wer sich wie Franziska Kunz als Lebensretter bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren lassen möchte, hat an folgenden Terminen die Gelegenheit:

Dienstag, 2. August, 17 bis 20.30 Uhr, Niederbrombach (Kreis Birkenfeld), Sporthalle der Hauptschule, Hauptstraße

Samstag, 6. August, ab 13.30 Uhr, Benefizspiel Borussia Dortmund gegen Schalke 04, St. Wendel, Stadion, Am Sportzentrum

Mittwoch, 14. September, 18 bis 21 Uhr, Roxheim (Kreis Bad Kreuznach), Birkenberghalle, Rüdesheimer Str. 12

Donnerstag, 15. September, 17 bis 20 Uhr, Heimbach (Kreis Birkenfeld), Besenbinderhalle, In der Au 28

Wie funktioniert die Typisierung? Als Typisierung bezeichnet man die eigentlichen Laborarbeiten, die für eine Aufnahme in die Stammzellspenderdatei notwendig sind. Aus einer Blut- oder Speichelprobe – es genügt ein Fingerhut voll Blut – werden die benötigten HLA-Gewebemerkmale im Labor bestimmt. Das gleiche funktioniert auch mit einem Abstrich der Mundschleimhaut. Nach entsprechender Aufklärung über die Stammzellspende muss ein Spender schriftlich sein Einverständnis zu dieser Untersuchung und zur Registrierung seiner Daten geben. Im Anschluss an die Analyse werden die Daten in der Spenderdatei der Stefan-Morsch-Stiftung gespeichert. Dort werden die Gewebemerkmale (HLA-Werte), das Alter und Geschlecht sowie weitere transplantationsrelevante Werte anonym hinterlegt. Unter einer zur Identifizierung genutzten Spendernummer werden sie im Anschluss an das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) übermittelt, wo die weltweiten Suchanfragen für die Patienten eingehen. Die Daten der Spender stehen bis zu deren 61. Lebensjahr für weltweite Suchanfragen der Transplantationskliniken zur Verfügung.