25. Februar 2016

Spritzen-Phobie hindert Sarah nicht am Projekt "Leben retten"

Stammzellen spenden – für Sarah Matern eine Selbstverständlichkeit. „Das ist heute doch so normal wie Blutspenden“, meint die Studentin aus Oer-Erkenschwick (Kreis Recklinghausen) in Westfalen und will den Ehrentitel „Stille Heldin“ für sich nicht gelten lassen. Für die „gute Sache“ überwindet sie ihre Ängste – und ihre „unglaubliche Spritzen-Phobie“.
11 000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr neu an Leukämie. Oft bedeutet eine Stammzellspende für sie die letzte Hoffnung auf Leben. Die mühsame Suche nach geeigneten Spendern – das ist eine der Aufgaben der Stefan-Morsch-Stiftung aus dem rheinland-pfälzischen Birkenfeld. Sie ist Deutschlands älteste Spenderdatei, organisiert Typisierungsaktionen in ganz Deutschland und arbeitet erfolgreich mit dem DRK Blutspendedienst West zusammen. Das gemeinsame Motto: „1x Stechen, 2x Helfen“.

Im Mai 2014 ließ sich Sarah Matern bei einem Blutspendetermin typisieren. Sie hatte es sich zuvor lange überlegt. „Wichtig für mich ist, dass ich zu jeder Zeit die Entscheidungsfreiheit behalte“, erzählt die 22-Jährige. Das garantiert die Stefan-Morsch-Stiftung. Schon ein Jahr später platzt die Nachricht als riesengroßer Aufreger mitten hinein in den heftigen Prüfungsstress: Die Studentin könnte geeignet sein, für einen „genetischen Zwilling“ Stammzellen zu spenden.

Sarah Matern steht alles noch lebhaft vor Augen, durchlebt die Tage und Wochen noch einmal: das Bangen, was jetzt wohl passiert. Die Ungewissheit in der Familie, ob es „was Schlimmes ist“. Die Erleichterung darüber, dass sie zu nichts gezwungen wird und jederzeit wieder aussteigen kann. Dass es sich um eine Stammzellspende handelt, bei der nicht operiert oder gar – wie oft fälschlicherweise angenommen wird – ins Rückenmark eingriffen werden muss. Keine komplizierte Sache also.

Nach einer weiteren Blutuntersuchung „ging alles ganz schnell“: die Voruntersuchung, der Spendertermin in Sicht und dann diese Spritzen. 12 Stück, mit denen sich die Spenderin fünf Tage lang einen Wirkstoff zuführen muss, um die eigene Stammzellproduktion anzukurbeln. „Ich habe eine unglaubliche Spritzen-Phobie“, gesteht Sarah Matern.

„Wie soll ich das bloß schaffen?“

Tränen und Schweißausbrüche und die Frage  „Wie soll ich das bloß schaffen?“ – die Studentin rang mit sich, dachte an den unbekannten Menschen, der auf ihre Stammzellen wartet, für den sie die Rettung bedeuten kann. Das war schließlich der Knackpunkt. Den Kranken im Stich lassen, wollte sie nicht. Irgendwie werde ich das schon hinkriegen, sagte sie sich.

Dann war die erste Spritze dran: „In der linken Hand hielt ich die Spritze, in der rechten die Bauchfalte und hinter mir stand mein Freund, der mich anspornte“, sprudeln die Worte nur so aus der 22-Jährigen heraus. Irgendwann war die Kanüle dann doch drin. „Nur drücken konnte ich nicht, das musste mein Freund übernehmen“, grinst Sarah noch heut vor sich hin. „Es hat nicht wehgetan und danach wusste ich, dass ich das alles jetzt schaffen werde.“ Ein bisschen spürte die Studentin auf Lehramt für Deutsch und praktische Philosophie an der Universität in Münster leichte Nebenwirkungen des Wirkstoffes. „Wie der Anfang einer Grippe.“ Aber alles kein Problem.

Wer Sarah Matern kennt, der ahnt fast schon, dass der Tag der Spende voller Emotionen und Ereignisse ist. Das gilt sowohl für die Zugfahrt nach Birkenfeld, als auch für den Beginn der peripheren Blutstammzellentnahme, der so genannten Apherese. Es liefen zunächst angesichts zweier Kanülen auch wieder die Tränen, doch das Team um Dr. Angelika Himmel hatte rasch für alles eine Lösung. Und so lag Sarah Matern schließlich entspannt  auf der Liege und schaute einen Film, während die Stammzellen – im Prinzip ähnlich wie bei einer Dialyse – aus ihrem venösen Blut gewaschen wurden. „Der Film Honig im Kopf hätte nicht lustiger sein dürfen“, witzelt die 22-Jährige. Sich Ausschütten vor Lachen ging  ja leider nicht, weil die Arme ruhig liegen mussten.

Nur eines bedauert Sarah Matern rückblickend: „Dass wir in Philosophie noch nicht das Thema Gedankenstärke hatten.“ Dann wäre alles einfacher für sie gewesen, ist sich die Studentin sicher: „Alle meine Ängste vorher haben sich schließlich nur in meinem Kopf abgespielt.“ Sie würde sich jederzeit wieder zu dem Schritt entschließen und rät auch Anderen zur Typisierung. „Jeder von uns möchte geholfen bekommen. Das können wir aber doch nur erwarten, wenn wir auch selbst bereit sind zu geben.“ Zumal es so einfach ist.

phpThumb_generated_thumbnailjpgIn Kooperation mit dem DRK Blutspendedienst West werden folgende Blutspende-Termine im Kreis Recklinghausen angeboten, bei denen auch die Gelegenheit besteht sich typisieren zu lassen:

  1. März 2016, 15:00 – 20:00 Uhr, In der Holtwicker Str. 27, Holtwicker Str. 27, 45721 Haltern
  2. März 2016, 14:00 – 19:00 Uhr, Im Schloßpark, Im Schloßpark 12, 45699 Herten

 

Warum kooperiert die Stefan-Morsch-Stiftung mit dem DRK-Blutspendedienst West?

Der überwiegende Teil der Empfänger von Bluttransfusionen sind heute Patienten mit bösartigen Erkrankungen: Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die beispielsweise an Blutkrebs (Leukämie) erkrankt sind. Dies hängt neben der eigentlichen Erkrankung insbesondere mit der modernen Chemotherapie zusammen. Diese Chemotherapie führt in vielen Fällen zu einer vorübergehenden kompletten Unterdrückung der körpereigenen Blutbildung im Knochenmark (Aplasie), so dass die Patienten in diesen kritischen Behandlungsphasen lebenswichtig auf Blutübertragungen angewiesen sind. Viele moderne und heilende Behandlungsverfahren, gerade im Kampf gegen Krebs, können nur durchgeführt werden, wenn für diese Patienten genügend Blut zur Verfügung steht. So helfen Blutspenden auch über die Wartezeit hinweg, die es dauert, um beispielsweise einen passenden Stammzellspender zu finden, wenn eine Transplantation erforderlich ist.