06. April 2016

Typisierung hat stets nachhaltige Wirkung

Jedes Jahr erkranken 11.000 Menschen allein in Deutschland an Leukämie. Für sie sucht die Stefan-Morsch-Stiftung geeignete Spender von Stammzellen. Denn oft ist die Transplantation die einzige Chance fürs Überleben der Krebspatienten. Deshalb startet die Stefan-Morsch-Stiftung seit 30 Jahren immer wieder Typisierungsaufrufe. Wie nachhaltig diese Registrierungsaktionen wirken, lässt sich an folgendem Beispiel erzählen:
„Hilfe für Simon“ hieß 2012 ein Typisierungsaufruf in Menden-Bösperde. Fast 1400 standen damals Schlange, um sich als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands ältester Stammzellspenderdatei, registrieren zu lassen. Lars L. aus Menden (Märkischer Kreis) war einer dieser Menschen, 2016 – vier Jahre später – bekommt er die Chance ein Leben zu retten. Der 27 Jährige möchte „keine große Sache draus machen“deshalb will er nicht, dass sein voller Name genannt wird. Doch seine Stammzellspende gibt einem 60 Jahre alten Mann in Frankreich eine Chance auf Leben.

Der 10-jährige Simon starb leider wenige Tage vor der Typisierungsaktion. seine Eltern entschlossen sich damals, dass es in Simons Sinne ist, die Aktion trotzdem durchzuführen. Die Resonanz war riesig. In der Schützehalle in Bösperde standen die Menschen Schlange. Fast 1400 Menschen ließen sich als Stammzellspender in die Datei aufnehmen.

Die Folge: Auch heute noch können Spender, die sich damals registrieren ließen, Menschenleben retten.

Die Stammzellspende

Aus seiner Familie ist Lars der erste, der helfen konnte. Bei der heute häufigsten Form der Spende, der peripheren Stammzellentnahme (Apherese), werden die Stammzellen aus dem venösen Blut herausgefiltert. Eine Narkose oder gar eine Operation sind nicht erforderlich. „Hauptsächlich Kopfschmerzen, ein leichtes Grippegefühl, nichts Dramatisches“ – so schildert der Sauerländer die Reaktion seines Körpers darauf, dass er sich vor der Entnahme fünf Tage lang ein Medikament spritzen musste, um damit die eigene Stammzellproduktion auf Trab zu bringen. „Ich konnte trotzdem zur Uni gehen.“

Sein genetischer Zwilling ist ein ihm unbekannter Franzose, der innerhalb von 72 Stunden die Stammzellen übertragen bekam. 2015 gingen mehr als 4.900 der rund 6.700 Entnahmen deutscher Spender ins Ausland. Diese Zahlen nennt das  Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) in Ulm, mit dem die Stefan-Morsch-Stiftung zusammenarbeitet.

Es ist ein Glücksfall, wenn die genetischen Merkmale zweier Menschen so gut übereinstimmen, dass eine Transplantation möglich ist. Daher sind Typisierungsaktionen wie 2012 in Menden so wichtig. Die Birkenfelder Spenderdatei, die älteste in Deutschland,  hat Tag für Tag Teams im Einsatz, die mit solchen Aktionen auf die Krankheit und die mögliche Hilfe aufmerksam machen und Menschen zwischen 17 und 40 Jahren für eine kostenlose Registrierung als Spender gewinnen. Derzeit sind laut ZKRD 6,5 Millionen Menschen als Blutstammzellspender registriert.

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So nüchtern Lars die Spende auch genommen hat, so tief berührt ihn der Brief, den ihm der unbekannte Empfänger anonym geschrieben hat. „Ihn zu lesen war sehr, sehr emotional.“ Er habe noch nicht darauf geantwortet, weil er bisher wegen der Bachelor-Prüfung den Kopf nicht frei gehabt habe. Lars L. will sich aber jetzt daran setzen und einen Brief zurückschicken. Und ganz fest die Daumen drücken. (AW/dji)

Eine Typisierungsaktion hat immer nachhaltige Wirkung –  nach dem Aufruf in Menden wurden immer wieder Stammzellspender, die sich damals registrieren ließen, zu Lebensrettern – Lesen Sie weitere Beispiele:

Sie wollen auch eine Typisierungsaktion initiieren? Lesen Sie: Jeder kann helfen