18. April 2016

Vom Campus zum Lebensretter für eine Finnin

Leben, lernen, arbeiten – Carsten Hoffmann sitzt entspannt an einem der Tische im Freien des Umweltcampus Birkenfeld, die Sonne im Gesicht, die Cola in der Hand.
Es ist Pause. Der 24-Jährige ist einer von 2.700 Studierenden, die sich für das besondere, grüne Konzept der Hochschule begeistern. Das Thema des Gesprächs steht nicht auf dem Lehrplan, der Grundgedanke dahinter schon.
Es geht ums Miteinander und um Nachhaltigkeit: Carsten Hoffmann ist Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung, hat einer finnischen Leukämiepatientin das Leben gerettet. Jetzt erzählt er von seiner Spende, um mehr Studierende und Besucher des Campus am „Tag der offenen Tür“, Samstag, 21. Mai, zur Typisierung als Stammzellspender aufzurufen.

Zwischen Wittlich, Salmtal und Birkenfeld spielt sich das Leben des 24-Jährigen ab. Bei dem Armaturenwerk der Firma Ideal Standard Produktions-GmbH in Wittlich und der Außenstelle der Universität Trier in Birkenfeld absolviert er den dualen Bachelor-Studiengang Produktionstechnologie, einer von elf Bachelor-Studiengängen am Campus. Theorie und Praxis im Ausbildungsverbund wechseln sich ab, was Carsten Hoffmann besonders gut findet. Ebenso das familiäre Miteinander auf dem Campus, der sein 20 jähriges Bestehen feiert und seit vielen Jahren auch die Stefan-Morsch-Stiftung unterstützt, Deutschlands älteste Stammzellspenderdatei.

Anfang vergangenen Jahres wurde in Salmtal für einen an Leukämie erkrankten Feuerwehrkameraden ein Stammzellspender gesucht. Die Stefan-Morsch-Stiftung aus Birkenfeld rief dort zur Typisierung auf und der ganze Ort war auf den Beinen, um zu helfen. Carsten Hoffmann informierte sich und ließ sich typisieren – wie im übrigen seine ganze Familie. „Es war mir wichtig zu helfen.“

11.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an Leukämie. Für sie sucht die Stefan-Morsch-Stiftung geeignete Spender für Knochenmark oder Stammzellen – wenn Chemotherapie und oder Bestrahlung nicht helfen. Denn oft ist die Transplantation die einzige Chance fürs Überleben der Krebspatienten. Typisierungsaktionen sind daher immens wichtig – um die Menschen für das Thema zu sensibilisieren, darüber zu informieren – und für den Ernstfall zu typisieren.

Schon im Sommer 2015 zeigte sich, dass Carsten Hoffmanns genetische Merkmale möglicherweise passen könnten – für eine junge Frau aus Finnland im gleichen Alter. Auf dem Campus setzt sich der 24-Jährige jetzt etwas aufrechter hin, nimmt einen Schluck Cola und erzählt ausführlich: von der neuen Blutuntersuchung, von der endgültigen Gewissheit, dass er als Spender gebraucht wird. Und von dem vorbereitenden Spritzen eines Medikaments, das seine Stammzellproduktion angeregt hat. „Mir war danach etwas schwach zu mute, nichts Großartiges“, erinnert er sich. Diese Nebenwirkungen sind nichts Ungewöhnliches und verschwinden rasch wieder. Der begeisterte Leistungssportler verzichtete in dieser Zeit auch aufs Fußballtraining, um sich nicht zu verletzen und die Transplantation zu gefährden. „Die Mannschaftskollegen hatten vollstes Verständnis.“

In der Heimat ist er fest verwurzelt. Da wartet neben der Freundin ein „lustiger Haufen“ auf ihn: 55 Musiker des MV Salmrohr e.V., bei denen er der Tenor-Saxophonist  ist. Eine weitere Gruppe „bekloppter Kerle“ findet sich beim „WTC D/S“. Er und seine 12 Freunde bilden zusammen den so genannten „Wochenteilungsclub Dreis/Salmrohr“ – man teilt zusammen die Woche und wohl auch ein Bier …   – stets mittwochs im Jugendraum. Nicht zuletzt ist er in der örtlichen Jugendgruppe Stierstall e.V. engagiert: „Ich bin sehr froh, gemeinsam mit meinen Freunden zur Kultur des Ortes beitragen zu können, erst recht, wenn es um die Jugend geht“, erzählt der duale Student. Die „Bullenhitze Open Airs“ haben so ihr Publikum gefunden. „Beim 2. Mal waren es schon rund 1000 Leute“, erzählt er voller Stolz. Auf der Torjägerliste der zweiten Mannschaft des FSV Salmrohr 1921 e.V. findet sich der Name Carsten Hoffmann ebenfalls – ein Vereinsmensch und Teamplayer durch und durch.

Die Stammzellspende hat ihn dann wieder nach Birkenfeld geführt  – diese Mal nicht zur Hochschule, sondern zur Entnahmestation der Stefan-Morsch-Stiftung. Bei der so genannten peripheren Stammzell-Entnahme – der Apherese – werden die Stammzellen aus dem venösen Blut herausgefiltert. Es ist die heute gängigste Entnahme-Methode. Eine Narkose oder gar eine Operation sind nicht erforderlich.

„Man hat alles unternommen, um es mir so angenehm wie möglich zu machen“, sagt Carsten Hoffmann und verzieht bei dem Gedanken an jene Stunden dennoch etwas das Gesicht. Trotz des bequemen Sessels war es ihm unbehaglich, spürte er während der Spende eine kribbelnde Wärme im Rücken- und Beckenbereich. „Das ist normal“  sagt der Hobbymusiker dennoch.

Am Stand der Stefan-Morsch-Stiftung kann sich jeder über die Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke informieren. Foto: Stefan-Morsch-Stiftung

Am Stand der Stefan-Morsch-Stiftung kann sich jeder über die Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke informieren. Foto: Stefan-Morsch-Stiftung

Gute Nachricht aus Finnland

Der FSV Salmrohr hat längst seinen Mittelfeldspieler wieder und der Umweltcampus seinen angehenden Bachelor of Engineering. Inzwischen gibt es jedoch noch eine gute Nachricht: „Ich habe mich bei der Stiftung inzwischen erkundigen können, wie es dem finnischen Mädel geht. Sie hat die Stammzellspende gut angenommen“, freut sich Hoffmann über die tolle Nachricht. Er bleibt als Spender vorerst noch reserviert für die Patientin, falls eine Nachspende erforderlich ist. „Es kam ja alles unerwartet und ungewöhnlich schnell nach der Typisierung. Das hat nicht nur meine Familie und Freunde überrascht, die mir aber alle ein positives Feedback gegeben haben“ meint der Student und wird unruhig: Er muss los zur Vorlesung. Im Aufstehen bekräftigt er die Bedeutung der Typisierung und Stammzellspende: „Ich würde das alles jederzeit wieder tun.“

Typisierung:

Wer sich wie Carsten Hoffmann als potenzieller Lebensretter in die Datei der Stefan-Morsch-Stiftung aufnehmen lassen möchte, kann dies am Samstag, 21. Mai 2016, 11 – 16 Uhr, beim „Tag der offenen Tür“ am Umweltcampus Birkenfeld tun.

Prinzipiell kann jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren Stammzellen spenden. Informationen über Ausschlussgründe lassen sich auf der Internetseite der Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de) nachlesen. Die Typisierung ist für alle Spender kostenlos, jedoch werden Spenden zur Finanzierung der Blutuntersuchungen gerne entgegen genommen – da jede Spenderregistrierung mindestens 40 Euro kostet. Falls Sie Fragen zu den Ausschlusskriterien haben, rufen Sie einfach unsere gebührenfreie Hotline (08 00 – 766 77 24) an.