Hoffen – Helfen – Heilen

Es ist fast genau zwei Jahre her, bewegte der Typisierungsaufruf „Hilfe für Leon“ die Menschen in Bad Lauterberg. Fast 400 kamen damals zum THW Gelände und ließen sich Blut abnehmen, um als Stammzellspender in die Datei der Stefan-Morsch-Stiftung registriert zu werden. Alexander Hummel war einer von Ihnen: „Weil ich helfen wollte.“ Jetzt – zwei Jahre später – konnte er helfen: Mit seiner Stammzellspende gab er einem an Leukämie erkrankten Menschen, die Chance den Blutkrebs zu besiegen. Alexander Hummel kommt aus Gittelde (Landkreis Osterode im Harz) einem Nachbarort von Bad Lauterberg. Der 21 Jährige macht seine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger beim Diakonischen Bildungszentrum Alfeld. Als die Stefan-Morsch-Stiftung ihn jetzt kontaktierte, weil seine Gewebemerkmale mit denen eines Patienten übereinstimmten, der dringend eine Stammzellspende benötigte, war für ihn die Antwort auf die Frage, ob er noch als Stammzellspender zur Verfügung stehen würde, klar: „Deshalb habe ich mich damals typisieren lassen.“
Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland knapp 11 000 Menschen an Leukämie. Wenn die Behandlung mit Chemotherapie und/oder Bestrahlung nicht ausreicht, ist oft eine Transplantation von Stammzellen die letzte Chance auf Heilung. Voraussetzung dafür ist, dass sich ein passender Spender findet. Denn mit der Übertragung von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System, das die Krebszellen ersetzt bzw. verdrängt. Dazu müssen aber die genetischen Merkmale von Patient und Spender übereinstimmen – die so genannten HLA-Werte. Diese Werte wurden bestimmt, als Alexander Hummel sich 2011 in Bad Lauterberg typisieren ließ.
Bevor es zur Entnahme und Transplantation kam, wurde Alexander Hummel genauestens untersucht und über den Ablauf und die Risiken der Stammzellspende aufgeklärt. Leukämie ist eine bösartige Erkrankung der weißen Blutkörperchen, die ihren Ausgang im Knochenmark nimmt, wo sämtliche Blutzellen des Menschen im Knochenmark gebildet werden. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu entnehmen gibt es heute zwei Varianten: Bei der klassischen Methode der Knochenmark-Entnahme entnehmen Mediziner etwa 0,8 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die zweite Methode ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Spender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen aus. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen. Alexander Hummel ist froh, dass er sich damals typisieren ließ und jetzt vielleicht ein Leben retten kann. Denn er weiß, was Angehörige und Patienten durchmachen, wenn plötzlich die Diagnose „Krebs“ im Raum steht: „Wenn man nur für sich Leben würde, wäre das sehr traurig.“