Hoffen – Helfen – Heilen

Irgendwo in den USA gibt es eine 19jährige Frau, die um ihr Leben kämpft. Sie hat Leukämie oder eine andere Erkrankung, die ohne eine Stammzellspende tödlich endet. Jetzt bekam die Amerikanerin Hilfe aus Deutschland. Andreas Weidert aus Hermeskeil (Kreis Trier-Saarburg), dreifacher Familienvater, spendete bei der Stefan-Morsch-Stiftung Stammzellen für die ihm völlig fremde Frau. Was sie verbindet? Der nahezu identische Gencode!
11.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an Leukämie. Wenn Chemotherapie- und/oder Bestrahlung nicht helfen, bietet die Stammzellspende eine letzte Chance. Diese Chance gibt es aber nur, wenn sich Menschen als Stammzellspender registrieren lassen – etwa bei der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands ältester Stammzell-Spenderdatei. Die gemeinnützige Stiftung ruft regelmäßig zu Typisierungsaktionen auf.

Andreas Weidert ist vor zwei Jahren einem solchen Aufruf gefolgt. „Hilfe für Nico und Jörg“ lautete damals das Motto. Dahinter standen die Schicksale zweier Trierer, die an Leukämie erkrankt waren. Rund 900 Menschen waren damals in den Pfarrsaal der St. Matthias-Kirche geströmt, um sich typisieren zu lassen. Ministerpräsidentin Malu Dreyer hatte seinerzeit die Schirmherrschaft übernommen und die Handballerinnen, die Fußballer und Basketballer der Stadt hatten die Aktion ebenfalls unterstützt.

Andreas Weidert war mit Verwandten in den Pfarrsaal gekommen, um sich typisieren zu lassen. Das Schicksal von Nico hatte ihn berührt. „Die Krankheit könnte auch meine Kinder treffen“, sorgt sich der dreifache Vater. Daher ist sein Engagement eine Selbstverständlichkeit für den 43-jährigen. „Ich fühle mich gar nicht wie ein Held. Wenn man helfen kann, dann hilft man.“

Arbeitgeber unterstützte ihn

Die vor zwei Jahren in Trier registrierten Spender können heute noch Leben retten. Das zeigte sich nun wieder einmal  als die Stefan-Morsch-Stiftung in Andreas Weidert einen idealen Stammzellspender für eine junge US-amerikanische, an Leukämie erkrankte Patientin erkannte. „Wenn ich mich typisieren lasse, muss ich damit rechnen, dass irgendwann der Tag kommt“, sagt der Baggerfahrer bei der Firma UVB Universal-Bau Sàrl in Wasserbillig. Die Arbeitskollegen haben Weidert unterstützt, die Firma hat ihn entsprechend freigestellt. „Ein super Zug“, ist der 43-Jährige seinem Arbeitgeber dankbar. Auch die Stefan-Morsch-Stiftung findet diese Haltung des Arbeitgebers „Klasse“.

Bei der heutzutage häufigsten Form der Spende, der so genannten Apherese, werden die Stammzellen aus dem venösen Blut herausgefiltert. Eine Narkose oder gar eine Operation sind nicht erforderlich. Zuvor muss sich der Spender für wenige Tage ein Medikament spritzen, das seine eigene Stammzellproduktion ankurbelt, so dass diese Zellen ins Blut übertreten. Dabei kann es zu leichten gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen. „Ich hatte teilweise Kopf- und Hüftschmerzen“, erinnert sich Andreas Weidert. Die Symptome verschwinden aber während der Spende wieder.

Gemeinsam mit seiner Freundin fuhr er Anfang April nach Birkenfeld zur Entnahmestation der Stefan-Morsch-Stiftung und spendete die Stammzellen. Es ist ein Glücksfall, wenn die genetischen Merkmale zweier Menschen so gut übereinstimmen, dass eine Transplantation möglich ist. Weiderts genetischer Zwilling ist eine ihm unbekannte US-Amerikanerin, die innerhalb von 72 Stunden die Stammzellen übertragen bekam. Im vergangenen Jahr gingen mehr als 4.900 der rund 6.700 Entnahmen deutscher Spender ins Ausland. Diese Zahlen nennt das  Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) in Ulm, mit dem die Stefan-Morsch-Stiftung vernetzt ist. „Nach vier Monaten kann ich mich erkundigen, ob sie es gepackt hat“, sagt der 43-Jährige und hofft inständig, dass es klappt. „Das wäre für mich eine große Freude.“ (AW)

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