Hoffen – Helfen – Heilen

„Man kann nicht alles bewegen in der Welt. Aber das, was man kann, sollte man tun.“ Davon ist Aron Klassen überzeugt. Der 26-Jährige aus dem Rhein-Sieg-Kreis spendet regelmäßig Blut und zögert nicht, als er auch Stammzellen spenden kann. Genau am Tag seines Geburtstages. Für einen etwa 40-jährigen Leukämie-Patienten in Deutschland bedeutet dies die Chance auf Leben, sozusagen auf seinen zweiten Geburtstag.
Es ist „cool“, wie alles gelaufen ist, meint Aron Klassen rückblickend. Alles – damit meint er die Möglichkeit, sich 2015 bei einem Blutspendetermin des DRK in Hennef auch gleichzeitig typisieren zu lassen, wenige Monate später als potenzieller Stammzellenspender „reserviert“ zu werden und schließlich tatsächlich zur Stammzellentnahme bei der Stefan-Morsch-Stiftung im rheinland-pfälzischen Birkenfeld fahren zu können. Sehr schnell, ohne Probleme und das alles in seiner Klausurphase.

Der 26-jährige ist Studierender – über den zweiten Bildungsweg wird er Abitur machen und hat zuvor die Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker absolviert. Da überrascht ihn die Nachricht von Deutschlands ältester Stammzelldatei: Seine genetischen Merkmale könnten passen. „Habe ich im Leben nicht mit gerechnet“, staunt der Sportversessene und weiß, dass dies ein Glücksfall ist.

Leukämie ist eine Blutkrankheit, an der allein in Deutschland jährlich 11 000 Menschen erkranken. Als letzter möglicher Therapieschritt zur Bekämpfung der Krankheit gilt oft die Transplantation von Stammzellen, um Patienten eine Überlebenschance zu geben. Aber nicht immer sind Familienangehörige als Stammzellenspender geeignet und die Suche nach einem „genetischen Zwilling“ ist aufwendig. Die Stefan-Morsch-Stiftung hat es sich seit 30 Jahren zur Aufgabe gemacht, Menschen dafür zu gewinnen, sich typisieren und in eine entsprechende Datenbank aufnehmen zu lassen. Dabei kann sie sich auf eine Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz stützen.

„Dafür habe ich gerne meine Feier verschoben.“

Ursprünglich sollte Aron Klassen schon zu Ostern Stammzellen spenden, doch der Patient war gesundheitlich noch nicht bereit für eine Transplantation. „Ich hatte mich extra geschont und schon gefreut helfen zu können“, so der 26-Jährige, der gerne reist und andere Mentalitäten kennenlernt. „Ich fand es richtig schade – auch wegen des kranken 40-Jährigen“. Doch umso größer ist dann seine Freude, dass die Verzögerung nur ganze vier Wochen gedauert hat. So ist der Spendetermin sein Geburtstag geworden. „Dafür habe ich gerne meine Feier verschoben.“

Aron Klassen fährt alleine von Hennef nach Birkenfeld zur Entnahmestation der Stefan-Morsch-Stiftung. Dabei sei ihm „schon so einiges durch den Kopf gegangen“. Quasi „auserwählt“ zu sein, einem Krebspatienten Hoffnung zu geben, gehe einem nahe, meint der Studierende. Angesichts dieser Gedanken verschmerzt es sich leicht, dass der Sportler („Ich mache alles, von Fußball über Volleyball bis Tauchen“)  auf das vorbereitende Medikament mit Muskelkater und leichter Übelkeit reagiert hat.

Vor Ort findet der Stammzellenspender die Organisation und Abläufe „echt hammermäßig“. Am Schnellsten von allen Stammzellenspendern an jenem Tag sei er fertig geworden. Bei der heutzutage häufigsten Form der Spende, der so genannten peripheren Stammzellentnahme (Apherese), werden die Stammzellen aus dem venösen Blut herausgefiltert. Eine Narkose oder gar eine Operation sind nicht erforderlich. Das Prinzip ist ganz ähnlich einer Dialyse. Aron Klassen krempelt die Ärmel hoch für die Kanülen und los geht’s „Selbst die Mitarbeiter der Stiftung“, grinst Klassen, seien „überrascht gewesen“, wie hoch seine Stammzellenzahl war und wie schnell die erforderliche Menge bei der Entnahme erreicht war. „Null Probleme“ hat es gegeben.

Nun muss sich der flotte Stammzellenspender allerdings in Geduld üben. Frühestens in vier Monaten kann er nachfragen, ob die Transplantation erfolgreich war und es dem Empfänger gut geht. Dann wird Aron Klassen schon längst über den Büchern sitzen und fürs Abitur auf dem zweiten Bildungsweg büffeln. (AW)