Hoffen – Helfen – Heilen

Jemanden wie Benjamin Lorenz als Freund an seiner Seite zu wissen, ist sicherlich ein gutes Gefühl. Der 20 Jährige aus Halle an der Saale ist einer, der hilft, wenn er kann und wo er kann. Irgendwo auf dieser Welt gibt es ein kleines Kind, das gerade um sein Leben kämpft. Lorenz weiß nicht, wie es heißt und wo es lebt. Und auch dieses Kind ahnt nicht, dass es einen so starken Freund hat. Aber der Soldat ist derjenige, der mit seiner Stammzellspende diesem Kind, die Chance auf Heilung gibt.
In Deutschland erkranken jährlich etwa 600 Kinder neu an Leukämie. Während bei Erwachsenen etwa jeder Zweite geheilt werden kann, ist bei Kindern, je
nach Leukämieform, mit einer Erfolgsquote über 75 Prozent zu rechnen. Mit über
80 Prozent ist die ALL, die Akute Lymphatische Leukämie, die häufigste
Erkrankungsform bei Kindern.

Benjamin Lorenz ist derzeit Wehrdienstleistender im Marine-Arsenal in Kiel. Er hat sich Anfang 2011 bei einem Blutgruppenbestimmungstermin in Bremerhaven dafür entschieden, sich als potenzieller StammzellStammzellenspender in die Datei der Stefan-Morsch-Stiftung aufnehmen zu lassen: „Wenn man schon mal eine Nadel in der Vene hat, um sich Blut abnehmen zu lassen, dann kann man auch eine weitere Blutprobe für einen guten Zweck abgeben.“ Er ist übrigens auch BlutStammzellenspender und trägt einen Organspendeausweis bei sich. Aus der Blutprobe(knapp ein Fingerhut voll Blut) werden die Gewebemerkmale des Stammzellenspenders im hauseigenen Labor der Stiftung bestimmt und bei der Stammzellenspenderdatei gespeichert. Mit jedem neu gewonnenen Stammzellenspender erhöht sich somit die Chance, dass einem leukämiekranken Patienten das Leben gerettet werden kann.

Wenn im November seine Wehrdienstzeit zu Ende geht, will Lorenz sein Abitur nachholen und später studieren. Was? Das weiß er noch nicht, aber dass er ein hilfsbereiter Mensch ist, das ist jetzt schon klar. Dreimal hat er sich seit dem letzten Herbst zu einer Spende für den kleinen Patienten zur Verfügung gestellt. Bei der ersten Spende wurden Stammzellen aus dem Knochenmark des Beckenkamms entnommen. Eine Lymphozytenspende folgte und jetzt im Juli wurden noch einmal Stammzellen aus dem peripheren Blut entnommen. Sieglinde Wolf, Ärztliche Leiterin der Entnahmestation der Stefan-Morsch-Stiftung, erklärt, dass es bei der Behandlung von Leukämien manchmal Rückschläge geben kann, die manchmal Lymphozyten und sehr selten eine weitere Stammzellspende erforderlich machen können. Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System, die im Stammzellkonzentrat enthaltenen Lymphozyten zerstören die restlichen Leukämiezellen (Graft versus Host Effekt). Eine zweite Stammzellspende ist dann notwendig, wenn etwa die übertragenen Stammzellen die Blutbildung nicht oder ungenügend aufnehmen. Man gewinnt die Lymphozyten über das gleiche maschinelle Verfahren, wie zuvor bei der Stammzellspende aus dem Blut, jedoch ohne dass zuvor Medikamente verabreicht werden müssen.

Die Organisation der Transplantationen sind häufig koordinatorische Drahtseilakte Die Koordinatorinnen der Stefan-Morsch-Stiftung müssen einen mit der Transplantationsklinik des Patienten genau abgesprochenen Zeitplan mit dem Stammzellenspender abstimmen. Der Patient, der dringend auf die Stammzelltransplantation angewiesen ist, muss zum exakt vorbestimmten Zeitpunkt diese Transplantation bekommen. Nach der Voruntersuchung und Freigabe des Stammzellenspenders beginnt etwa 10 Tage vor der geplanten Transplantation die Behandlung des Patienten mit Bestrahlung oder/und Chemotherapie um das Immunsystem des Patienten auszuschalten. Etwa 5 Tage vor der Transplantation beginnt der Stammzellenspender mit der medikamentösen Mobilisierung der Stammzellen. In dieser Zeit wird der Patient unter Quarantäne gestellt. Ohne jegliche Abwehr sind Infektionen lebensbedrohlich und ein Ausbleiben oder Misslingen der Transplantation mit dem Leben nicht vereinbar.

Benjamin Lorenz hat einiges beiseite geschoben, um diese Termine einhalten zu können. Aber für ihn war der Aufwand und die Strapazen keine Frage: „Kein Mensch hat so eine Krankheit verdient.“ Er würde wieder helfen, wenn er gebraucht wird.