Hoffen – Helfen – Heilen

„Es geht um ein Menschenleben!“ Bernd Singer ist Software-Entwickler bei der Firma AREVA GmbH. In seiner Freizeit ist er seit 25 Jahren bei der Feuerwehr. Aber ein Leben retten – diese Chance bekam er jetzt, weil er sich vor 13 Jahren als StammzellStammzellenspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren lies. Durch seine Stammzellspende bekommt ein Mensch, der an Leukämie erkrankt ist, die Chance geheilt zu werden – vielleicht ist es ein Kind, vielleicht ein Familienvater. Für Bernd Singer bleibt der Patient erst einmal anonym. Alles beginnt 1999 an Bernd Singers altem Arbeitsplatz. „Bei Siemens war die Tochter eines Kollegen an Leukämie erkrankt. Da sind wir zur Typisierung gegangen“, erzählt der 41jährige aus Marloffstein bei Erlangen. Inzwischen ist er selbst Vater von zwei kleinen Kindern und einige seiner Kollegen von damals, mit denen er heute immer noch zusammenarbeitet, konnten schon Stammzellen spenden: „Typisierung ist der einzige Weg, um diese lebensnotwendige Transplantation zu ermöglichen“, weiß Singer und ergänzt: „Und für den Stammzellenspender ist die Belastung sehr gering.“
In vielen Fällen reicht die Chemotherapie alleine nicht aus, um den Blutkrebs zu besiegen. Dann wird eine Stammzelltransplantation notwendig. Dabei wird das körpereigene blutbildende System des Patienten durch eine Chemotherapie und gegebenenfalls eine Bestrahlung sehr stark zurückgedrängt und durch neue Stammzellen ersetzt. In Ausnahmefällen verwenden Ärzte körpereigene Stammzellen des Patienten, die vor der Behandlung entnommen werden. Für die meisten Stammzellentransplantationen werden aber Zellen eines Stammzellenspenders benötigt – nur in einem Drittel der Fälle können Verwandte einspringen. Die meisten Patienten benötigen einen FremdStammzellenspender, der nahezu identische Gewebemerkmale aufweist – einen Menschen, der freiwillig für einen an Leukämie erkrankten Patienten Stammzellen spendet, den er nicht kennt. Er braucht einen Stammzellenspender wie Bernd Singer.
Voraussetzung ist, dass dieser Mensch „typisiert“ ist. Also mit seinen Gewebemerkmalen in einer Stammzellenspenderdatei erfasst ist. Die Stefan-Morsch-Stiftung ist die älteste Stammzell-Stammzellenspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Helfen – Hoffen – Heilen“ bietet die Stiftung seit mehr als 25 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Das heißt, Menschen können sich hier als Stammzellenspender registrieren lassen. Ihre Daten werden anonymisiert in das Zentrale KnochenmarkStammzellenspender-Register für die Bundesrepublik Deutschland (ZKRD) eingetragen. 30 Dateien – wie die Stefan-Morsch-Stiftung- speisen die Daten der Stammzellenspender dort ein, damit sie für weltweite Suchanfragen zur Verfügung stehen. Die Aufnahme in die Datei der Stefan-Morsch-Stiftung erfolgt, indem man zunächst eine Einverständniserklärung ausfüllt und unterschreibt. Zur Bestimmung der HLA-Gewebemerkmale (HLA = Humane Leukozyten-Antigene) benötigt die Stiftung 5,6 ml Venenblut. Teiluntersuchungen können auch über Mundschleimhautabstriche durchgeführt werden.
Als Bernd Singer von der der Stefan-Morsch-Stiftung die Nachricht bekam, dass er als potenzieller Lebensretter gebraucht wird, war er sofort bereit zu helfen – trotz zahlreicher beruflicher und privater Termine. Er hat sich dazu entschlossen, Stammzellen zu spenden. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme von Knochenmark auf dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Oder die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse. Dazu wird dem Stammzellenspender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation – wie bei der Stefan-Morsch-Stiftung – werden dann die Stammzellen entnommen. Über die Art der Spende entscheidet der StammzellStammzellenspender. Das Transplantat wird dann schnellstmöglich zum Patienten gebracht – ob in die USA, Australien oder nach Flensburg. Denn nach der Entnahme muss die Transplantation innerhalb von 72 Stunden erfolgen.
Bernd Singer hat sich für die zweite Variante entschieden- und so einem Menschen die Chance auf Heilung gegeben: „Eine solche Chance bekommt man nur ganz selten im Leben. Es ist für mich eine Ehre.“