Hoffen – Helfen – Heilen

Das Motorrad von Carolin Dauernheim blieb in den vergangenen Tagen in der Garage. Auch Auto-Cross-Fahrten hat sich die Elektronikerin aus Steinwenden (Kreis Kaiserslautern) verkniffen. Der Grund: Ihr genetischer Zwilling braucht sie. Er oder Sie hat Leukämie und stirbt, wenn er keine Stammzelltransplantation bekommt. Carolin Dauernheim kennt den oder die Patientin nicht. Der Datenschutz verbietet das. Helfen will die 21 Jährige trotzdem. Denn sie hat sich vor zwei Jahren ganz bewusst dafür entschieden, sich als StammzellStammzellenspenderin bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren zu lassen. Jetzt kann sie vielleicht ein Leben retten. „Wir hatten selbst in der Familie einen Fall von Leukämie. Da stand es außer Frage, dass ich mich typisieren ließ, als ich beim Tag der offenen Tür bei der Bundeswehr in Kusel den Bus der Stefan-Morsch-Stiftung gesehen habe“, erzählt die Motorsportlerin. Beinahe jeden Tag sind Teams der Stefan-Morsch-Stiftung in ganz Deutschland unterwegs, um für die Registrierung als StammzellStammzellenspender zu werben. „Typisierung“ lautet der Fachbegriff. Aus einer Blutprobe(knapp ein Fingerhut voll Blut) werden die Gewebemerkmale des Stammzellenspenders bestimmt und bei der Stammzellenspenderdatei gespeichert. Denn für den Erfolg der Übertragung ist eine nahezu vollständige Übereinstimmung der HLA-Gewebemerkmale (Humane Leukozyten-Antigene) von Empfänger und Stammzellenspender notwendig. Dann kann man von genetischen Zwillingen sprechen. In den Knochenmark- und StammzellStammzellenspenderdateien wie der Stefan-Morsch-Stiftung sind weltweit fast 15,5 Millionen Menschen registriert und trotzdem ist es immer noch ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein passender Stammzellenspender findet.
Carolin Dauernheim ist so ein Glücksfall. Mit der Übertragung ihrer Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Die einzige Chance vielleicht sein Leben zu retten. Deshalb hat die junge Frau in den Tagen vor der Entnahme ihren Corsa B stehen lassen. Ansonsten sind „Charlotte“ und Carolin gerne und schnell in unwegsamen Gelände unterwegs: „Ich hatte einfach den Gedanken: Es darf mir nichts passieren. Da ist irgendwo ein Mensch, der auf mich angewiesen ist. Was dieser Mensch wohl schon alles mitgemacht hat?“, sagt die 21 Jährige.
Sieglinde Wolf, Leitende Ärztin der Stefan-Morsch-Stiftung, erklärt: „Damit überhaupt eine Transplantation stattfinden kann, muss das Immunsystem des Patienten durch Bestrahlung bzw. Chemotherapie unterdrückt werden. Das findet wenige Tage vor der Transplantation statt.“ Bekommt der Stammzellenspender dann nicht die Stammzellen eines gesunden Stammzellenspenders, ist das sein sicherer Tod.
„Man ist schneller in so einer Situation als man es absehen kann“, weiß Carolin Dauernheim. Sie hofft, dass sich noch mehr Menschen „typisieren“ lassen. Denn mit jedem neu gewonnen Stammzellenspender erhöhen sich die Chancen, dass einem an Leukämie erkrankten Menschen das Leben gerettet werden kann.