Hoffen – Helfen – Heilen

„Machen!“ Carsten Böckmann aus Lüdinghausen ist nicht der Typ, der sich verdrückt, wenn er gebraucht wird. Jetzt wurde der 29 Jährige gebraucht. Denn irgendwo gibt es einen ihm völlig unbekannten Menschen, der an Leukämie erkrankt und genau die gleichen Gewebemerkmale hat wie der KFZ-Meister aus Lüdinghausen. Und dieser Patient – ein Mann, eine Frau oder ein Kind braucht dringend Böckmanns Stammzellen, um überhaupt eine Chance zu haben, den Blutkrebs zu besiegen. Rückblick ins Jahr 2006: Damals ging ein Hilferuf durch die lokale Presse in Lüdinghausen. Eine junge Frau aus Seppenrade war an Leukämie erkrankt. Eine Lokale Initiativgruppe aus Familie und Freunden riefen zusammen mit der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands ältester Stammzellspenderdatei dazu auf, sich typisieren zu lassen. Als „Typisierung“ bezeichnet man die Laborarbeiten, die für eine Aufnahme in die Stammzellspenderdatei notwendig sind: Nach entsprechender Aufklärung muss ein Spender schriftlich sein Einverständnis zur Registrierung seiner Daten geben. Aus einer Blutprobe – es genügt ein Fingerhut voll Blut – werden die Gewebemerkmale im Labor bestimmt. Gleiches funktioniert auch mit einem Abstrich der Mundschleimhaut. Nach der Analyse werden diese Merkmale in der Spenderdatei – der Stefan-Morsch-Stiftung – gespeichert. Von dort werden sie anonym an das deutsche Zentralregister (ZKRD) übermittelt, wo die weltweiten Suchanfragen für die Patienten eingehen.
Mehr als 3000 Menschen folgten damals dem Aufruf – auch Carsten Böckmann und seine Freunde: „Machen!“ hat er sich wohl schon damals gesagt. „Machen!“ war auch sein erster Gedanke, als es jetzt hieß, dass er als Stammzellspender gebraucht wird. Leukämie ist eine bösartige Erkrankung der weißen Blutkörperchen, die ihren Ausgang im Knochenmark nimmt, wo sämtliche Blutzellen des Menschen im Körper gebildet werden. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um die Stammzellen beim Spender zu entnehmen gibt es zwei Varianten: Bei der klassischen Methode der Knochenmark-Entnahme entnehmen Mediziner etwa 0,8 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die zweite Methode ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Spender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen aus. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen.
Carsten Böckmann hat sich für die letztere Methode entschieden – die so genannte Stammzell-Apherese: Die Nebenwirkungen des Botenstoffs haben sich auch bei ihm eingestellt. Nichtsdestotrotz zieht er ein positives Fazit: „Schließlich muss man sich überlegen: Ich habe vier Tagen diese Schmerzen, dafür kann ich aber einem anderen Menschen das Leben retten. Ich würde es jederzeit wieder machen.“