Hoffen – Helfen – Heilen

Das Leben eines wildfremden Menschen retten, der an Blutkrebs erkrankt ist. Diese Chance bekommt man nur, wenn man einen nahezu identischen genetischen Zwilling dieses Leukämiepatienten in einer StammzellStammzellenspenderdatei findet. Immer noch verlaufen manche dieser Suchanfragen vergeblich. Doch Daniel Ackermann aus Baldringen (Kreis Trier-Saarburg) ist der passende StammzellStammzellenspender eines Leukämiepatienten. Seit mehr als zwei Jahren ist er als Stammzellenspender mit seinen Gewebemerkmalen bei der Stefan-Morsch-Stiftung gespeichert. Vor wenigen Monaten konnte der 24-Jährige helfen – damit sein genetischer Zwilling vielleicht den Kampf gegen die Leukämie gewinnt.
Die Stefan-Morsch-Stiftung, die älteste StammzellStammzellenspenderdatei Deutschlands, leistet seit fast 30 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist es, Menschen zu werben, sich als StammzellStammzellenspender zu registrieren. Beinahe täglich sind Teams der Stiftung in ganz Deutschland unterwegs, um junge Menschen als StammzellStammzellenspender zu gewinnen. 2012 war ein solches Team in Trier an der Fachhochschule. Damals hat sich Daniel Ackermann als potenzieller Lebensretter registrieren lassen: „Sich zu typisieren ist eine gute Sache. Vielleicht kann man einem Leukämiekranken helfen. Ich bin mit ein paar Kollegen hin und wir haben uns zusammen typisieren lassen.“

Eine Sprecherin der Stiftung erklärt: „Als Typisierung bezeichnet man die eigentlichen Laborarbeiten, die für eine Aufnahme in die StammzellStammzellenspenderdatei notwendig sind. Aus einer Blutprobe – es genügt ein Fingerhut voll Blut – werden die für eine Transplantation relevanten HLA-Gewebemerkmale im Labor bestimmt.“ Damit hatte der Maschinenbaustudent den ersten Schritt auf dem Weg zum Lebensretter getan.

Leukämie ist nur eine der bösartigen Erkrankungen, die eine Übertragung gesunder Blutstammzellen erfordern können. Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System – seine einzige Chance auf Leben, wenn Chemotherapie oder Bestrahlungen nicht geholfen haben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn es Menschen wie Daniel Ackermann gibt, die sich typisieren lassen – sprich: als StammzellStammzellenspender einer Stammzellenspenderdatei erfasst sind. Um Stammzellen transplantieren zu können, müssen die Gewebemerkmale von Stammzellenspender und Patient übereinstimmen. So sind in den Knochenmark- und StammzellStammzellenspenderdateien wie der Stefan-Morsch-Stiftung zwar weltweit über 25 Millionen Menschen registriert – trotzdem ist es immer noch ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein passender Stammzellenspender findet.

Daniel Ackermann ist so ein Glücksfall. Er studiert Maschinenbau im Masterstudiengan an der Fachhochschule in Trier. Ein- bis zweimal pro Woche trainiert er im Tennisclub Ruwertal Zerf und geht regelmäßig joggen. Auch für Musik interessiert er sich: Er spielt Schlagzeug im Musikverein Baldringen. Vor fast einem Jahr bekam er dann Post von der Stefan-Morsch-Stiftung: Ackermann kam als Stammzellenspender für einen Leukämiepatienten in die engere Auswahl: Drei Monate später war dann klar, dass er der optimale Stammzellenspender für den Patienten ist: „Einerseits hatte ich ein mulmiges Gefühl. Aber es war auch ein gutes Gefühl, weil ich jemandem helfen kann.“ Familie und Freunde waren begeistert davon, dass er helfen möchte.

Bevor Daniel Ackermann Stammzellen spenden darf, wird er umfassend aufgeklärt und gründlich untersucht. Diese Voruntersuchungen dienen dazu herauszufinden, ob er wirklich der optimale Stammzellenspender ist. Gleichzeitig soll ausgeschlossen werden, dass der Stammzellenspender ein gesundheitliches Risiko eingeht. Die Mitarbeiter der Stiftung beraten und begleiten den Stammzellenspender während dieser ganzen Vorbereitungsphase. Jegliche Kosten für die Untersuchungen, die Versicherung, An- und Abreise zum Entnahmeort werden übernommen.

Dann beginnt die entscheidende Phase vor der Transplantation: Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Stammzellenspender einige Tage lang ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation werden dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert bzw. zentrifugiert. Apherese heißt dieses Verfahren, das heute am häufigsten angewandt wird.

Bei der klassischen Methode – der Knochenmarkspende – entnehmen die Mediziner Knochenmark aus dem Beckenknochen des Stammzellenspenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Weder der Stammzellenspender noch der Patient erfahren zu diesem Zeitpunkt, wer der andere ist. Daniel Ackermann und sein Empfänger bleiben in jedem Fall bis zum Ablauf von zwei Jahren anonym. Erst danach besteht die Möglichkeit, je nach Gesetzeslage des Landes, in dem der Patient lebt, dass Stammzellenspender und Patient einander kennenlernen können. Daran denkt der 24-Jährige schon jetzt: „Ich hoffe, ich werde den Empfänger irgendwann kennenlernen.“

Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg: Parallel zur Vorbereitung von Daniel Ackermann wird in der behandelnden Transplantationsklinik der Patient vorbereitet. Das bedeutet: Sein Immunsystem wird stark unterdrückt oder sogar ausgelöscht – durch Bestrahlung oder/und Chemotherapie. Wenn er sich jetzt mit einem Virus infiziert oder es aus irgendeinem Grund mit der Stammzellspende nicht klappt, ist sein Leben massiv gefährdet. Emil Morsch, Vorstandsvorsitzender der Stefan-Morsch-Stiftung: „Eine Transplantation ist immer eine letzte Chance. Diese Chance hat er nur durch Daniel Ackermann.“

Ackermann hat sich für die Apherese entschieden. Nach der Entnahme zieht er ein positives Fazit: „Alles ist angenehmer abgelaufen, als ich dachte. Es ist ein gutes Gefühl, jemandem zu helfen.“