Hoffen – Helfen – Heilen

„Die Nachricht kam aus heiterem Himmel, ich hatte nicht damit gerechnet. Aber ich bin froh, dass ich helfen kann!“ Für Daniel Reuter aus Nottuln, Kreis Coesfeld, ist es selbstverständlich, einem völlig unbekannten Menschen zu helfen. Vor drei Jahren ließ sich der 20-Jährige deswegen in Dülmen als möglicher Lebensretter bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren. Als sich dem Studenten dann die Chance eröffnete, einem Leukämiepatienten lebensrettende Stammzellen zu spenden, war er sofort dazu bereit.„Ich besuchte das Richard-von-Weizsäcker-Gymnasium in Dülmen. Mitarbeiter der Stefan-Morsch-Stiftung kamen in die Schule und erklärten uns, was Stammzelltransplantation ist“, erzählt Daniel Reuter. „In meinem Bekanntenkreis gab es mal einen Leukämiekranken, der erfolgreich Stammzellen transplantiert bekam. Ich fand, sich zu typisieren ist eine gute Sache und hab es dann gemacht.“ Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Deshalb ist die Stefan-Morsch-Stiftung nahezu täglich in ganz Deutschland unterwegs, um über das Thema Stammzellspende aufzuklären – fast 350 Mal allein im Jahr 2013.
Reuter, der mittlerweile ein duales Studium als Betriebswirt und Industriekaufmann aufgenommen hat, ließ sich genau darüber aufklären, wie eine Transplantation funktioniert, füllte einen Fragebogen über ihren Gesundheitszustand aus und unterschrieb die Einverständniserklärung. Dann wurden seine Gewebemerkmale, die HLA-Werte, untersucht. Benötigt ein Patient eine Transplantation, werden genau diese HLA-Werte mit denen von potenziellen Spendern in der Datei verglichen. Um als Spender in Frage zu kommen, stimmen im Idealfall zehn von zehn dieser Werte überein.
Ein Leukämiepatient hat Glück, seine HLA-Werte stimmen mit denen des 1. FC Bayern-Fans überein. Im Frühjahr 2013 informiert die Stefan-Morsch-Stiftung Reuter darüber. Ob er noch mit einer Stammzellentnahme einverstanden ist, wurde gefragt. „Ich war überrascht. Für mich war aber klar, dass ich das durchziehe.“ Nach einer weiteren Blutuntersuchung stand fest, dass er wirklich der geeignetste Spender ist. Entnahmetermin war in zwei Monaten. Doch dann wurde der Termin abgesagt. Wenn sich der Zustand des Patienten ändert, kann es passieren, dass eine Transplantation verschoben wird. Ob die Stammzellentnahme zu einem späteren Zeitpunkt benötigt wird, ist häufig unklar. Daniel Reuter aber sollte spenden. Im Herbst wandte sich die Stiftung wieder an ihn.
Die Familie reagierte gespalten auf Reuters Vorhaben. Während ihn sein Vater, der auch typisiert ist, unterstützte, machte sich die Mutter Sorgen. „Wie Mütter halt so sind“, grinst er. „Aber nach dem Aufklärungsgespräch war sie dann beruhigt“, fügt er hinzu. Die Vorgesetzten von JW Ostendorf in Coesfeld unterstützten in der Vergangenheit bereits eine Typisierungsaktion für einen an Leukämie erkrankten Mitarbeiter. Sie unterstützen auch Reuter und hielten Sie ihm den Rücken frei.
Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme von Knochenmark auf dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Oder die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut übergehen lässt. In der Entnahmestation bei der Stefan-Morsch-Stiftung werden dann die Stammzellen entnommen. Das nennt man Apherese. Reuter entschied sich für die Apherese. Die Spritzen, mit denen er sich den Botenstoff verabreichen musste, setzte er sich selbst.
Die Mitarbeiterinnen der Abteilung für Spenderbetreuung begleiten Daniel Reuter bei allen Schritten und kümmern sich um alles. „Dafür ein großes Lob an die Stiftung, dass man so gut unterstützt wird. Ich wurde gut betreut, alle waren freundlich und haben sich um mich bemüht.“
Während der Apherese fühlt er sich wohl: „Es kribbelt alles ein bisschen, ansonsten geht es mir sehr gut.“ Daniel Reuter hat sein Bestes getan. Nun hofft er, dass dem Patienten geholfen werden kann. (az)