Hoffen – Helfen – Heilen

In Bad Kreuznach kennt man den Spielertrainer des Landesligisten SG Hüffelsheim-Niederhausen von den Lokalsportseiten der Zeitungen: David Holste. Bei einem Heimspiel 2013 ließ sich der 31-Jährige als potenzieller Lebensretter bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren. Er wusste, so kann er vielleicht irgendwann einem Blutkrebspatienten die Chance geben, die Krankheit zu besiegen. Zwei Jahre später ist ein 12-jähriges Mädchen in Kanada dringend auf eine Knochenmarkspende angewiesen und der Fußballer ist der genetisch passende Spender. Für ihn steht fest: „Ich will helfen, dass sie ihr Leben wieder genießen kann.“
Die Stefan-Morsch-Stiftung ist Deutschlands älteste Stammzellspenderdatei. Sie leistet seit fast 30 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Bundesweit sind täglich Teams unterwegs, um junge Menschen als Stammzellspender zu gewinnen – auch in Kooperation mit Sportvereinen, wie dem SC Birkenfeld. Vor zwei Jahren fuhren Mitarbeiter der Stiftung mit zu dem Spiel gegen die SG Hüffelsheim-Niederhausen. David Holste und fast seine ganze Mannschaft gaben eine Speichelprobe, um sich zu registrieren. „Das dauerte nur eine Minute – kein großer Aufwand“, erinnert sich Holste.

Im Labor wurde die Probe auf die für die Transplantation relevanten, genetischen Gewebemerkmale (HLA-Werte) untersucht und in der Datei gespeichert. Braucht ein Patient einen Spender, werden seine HLA-Werte mit denen der registrierten Spender weltweit verglichen. Holste bekommt davon nichts mit. Er engagiert sich beim Fußball, studiert weiter Soziale Arbeit an der Hochschule RheinMain, macht ein Praktikum in den USA. Anfang des Jahres klingelt sein Telefon: Eine Mitarbeiterin der Stiftung erzählt ihm, dass er in die nähere Auswahl als Spender gekommen ist: „Zuerst war mir mulmig. Die Mitarbeiterin hat mir dann alles erklärt und dann habe ich mich gefreut.“

Bevor der Borussia Dortmund-Fan spenden darf, wird er gründlich untersucht. Die Ärzte klären dabei, ob er wirklich der optimale Spender ist. Gleichzeitig müssen sie ausschließen, dass der Spender ein gesundheitliches Risiko eingeht. „Ich wurde sehr gut aufgeklärt, ich hatte keine Fragen. Ich wurde von den Mitarbeitern der Stiftung gut geleitet und unterstützt“, erzählt Holste zufrieden.

Mit der Übertragung von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Bei der klassischen Methode – der Knochenmarkspende – punktieren die Ärzte den Beckenknochen des Spenders, der unter Vollnarkose liegt – niemals das Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. David Holste hat sich mit dieser Methode die Stammzellen entnehmen lassen: „Die Ärzte haben die Knochenmarkspende empfohlen. Wegen der Operation war ich ziemlich nervös. Ich wurde noch nie operiert. Aber an erster Stelle stand für mich ‚Helfen‘.“

Vor dem Eingriff im Augusta Krankenhaus in Düsseldorf hat er ganz normal mit seinem Alltag weitergemacht: „Im Juni gehe ich heiraten und zwei Tage danach ist Abgabefrist für meine Bachelor-Arbeit“, erzählt der Fußballer. Eine Nacht hat er im Krankenhaus in Düsseldorf geschlafen. Es war für ihn eine unruhige Nacht: „Ich wurde jede Stunde wach. Aber nicht weil ich Angst hatte, es war eher nervöse Vorfreude.“ Direkt am nächsten Morgen ging es für ihn los: „Als der Pfleger ins Zimmer kam, ging mein Puls hoch. Ich hab versucht, mich zu entspannen.“ Von dem Eingriff bekommt er nichts mit: „Ich weiß nur noch, wie ich eingeschlafen und wieder aufgewacht bin.“

David Holste ist von der Knochenmarkspende überzeugt: „Es war nichts schlimmes, ich kann es nur empfehlen. Man kann den gesamten Ablauf loben – 1A von Anfang an. Man sieht nur zwei kleine Einstiche – Schmerzen hatte ich kaum. Nur wenn ich mich im Bett gedreht habe.“ Fußball spielen darf er danach auch wieder. Er erklärt: „Ich darf alles machen, was ich will, aber ich soll auf meinen Körper hören.“

Immer wieder ist er mit den Gedanken bei seinem genetischen Zwilling – dem fremden Mädchen in Kanada: „Was macht das Kind durch? Was die Familie? Ich wünsche ihr nur das Beste, dass die Stammzellen so schnell wie möglich anschlagen, dass sie wieder zu ihrer Familie kann, dass sie ihr Leben genießen kann.“ Nach etwa vier Monaten kann David Holste bei der Stefan-Morsch-Stiftung nachfragen, wie es der Patientin geht. Persönlicher Kontakt ist bis zum Ablauf von zwei Jahren aus Datenschutz nicht erlaubt. Erst danach kann, je nach Gesetzeslage des Landes und wenn Spender und Empfänger damit einverstanden sind, direkt Kontakt aufgenommen werden. Darauf hofft der 31-Jährige: „Ich würde mich freuen, wenn ich Kontakt haben könnte. Das wäre Bombe!“

Emil Morsch, Gründer der Stefan-Morsch-Stiftung, erklärt: „Das Beispiel von David Holste zeigt die nachhaltige Wirkung, die Typisierungsaktionen haben. Vielleicht wird schon in wenigen Wochen oder Monaten ein Spender, der sich heute typisieren lässt, einem Menschen Hoffnung auf Leben schenken. In jedem Fall aber bietet die Typisierung die Chance, dass nach Jahren, aber auch noch Jahrzehnte später Leben gerettet werden kann. Zugleich wird durch einen solchen Aufruf diese weitestgehend unbeachtete Form der Lebendspende in der Öffentlichkeit thematisiert.“

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