Hoffen – Helfen – Heilen

Mit einem kleinen Piek fing alles an. Dennis Diebowski aus Gütersloh ließ sich 2008 als potenzieller Lebensretter bei der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands ältester Stammzellspenderdatei, registrieren. Nach fünf Jahren kann der 26-jährige den zweiten Schritt machen: Seine Gewebemerkmale passen zu denen eines Leukämiepatienten, der dringend auf eine Stammzelltransplantation angewiesen ist. Der Auszubildende zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel möchte dem Patienten gerne helfen und erklärt sich bereit, Stammzellen für ihn zu spenden und ihm so die Chance auf Heilung zu geben. Gerne unterstützt er mit seiner Geschichte den Typisierungsaufruf der Stefan-Morsch-Stiftung am Mittwoch, den 14., und Donnerstag, den 15. Mai in Mastholte.
„Da kann man jemandem helfen“, denkt sich Dennis Diebowski, als er 2008 während der Blutspende in der Generalfeldmarschall-von-Rommel-Kaserne in Augustdorf die Arbeit der Stefan-Morsch-Stiftung kennenlernt. Damals leistete er dort als einer der letzten den Pflichtwehrdienst ab. Er lässt sich registrieren – als Stammzellspender und somit als möglicher Lebensretter. Die Stefan-Morsch-Stiftung ist Deutschlands älteste Stammzellspenderdatei mit Sitz in Birkenfeld. Unter dem Leitmotiv “Helfen – Hoffen – Heilen“ leistet die Stiftung seit fast 30 Jahren schnelle und persönliche Hilfe für Krebskranke und ihre Familien. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Deshalb ist die Stefan-Morsch-Stiftung nahezu täglich in ganz Deutschland unterwegs, um über das Thema Stammzellspende aufzuklären – auch an vielen Bundeswehrstandorten.

Die Registrierung war für ihn ganz einfach: Nach der Aufklärung darüber, wie eine Stammzellspende genau funktioniert, füllt er einen Fragebogen zu seinem Gesundheitszustand aus und unterschreibt eine Einverständniserklärung. Dann werden ihm während der Blutspende einfach 5 ml Blut mehr in ein kleines Röhrchen abgenommen. Im hauseigenen Labor der Stefan-Morsch-Stiftung werden die Blutproben auf ihre Gewebemerkmale, die HLA-Werte, untersucht. Benötigt ein Patient eine Transplantation, werden genau diese HLA-Werte mit denen von potenziellen Spendern in der Datei verglichen. Um als Spender in Frage zu kommen, stimmen im Idealfall zehn von zehn dieser Werte überein. In den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien wie der Stefan-Morsch-Stiftung sind weltweit mehr als 20 Millionen Menschen registriert und trotzdem ist es immer noch ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein passender Spender findet.

Nebenbei jobbt Dennis Diebowski als Light-Jockey in einer Disco in Bergkamen. „Ich bin zuständig für das Discolicht. Zu jedem Lied gehört eine passende Lichtshow und ich mache die“, erklärt er. Im Dezember 2013 erreicht ihn die Nachricht der Stefan-Morsch-Stiftung, dass er eventuell als Spender für einen Leukämiekranken in Frage kommt. „Ich war Zuhause, als mich eine Mitarbeiterin die Stefan-Morsch-Stiftung anrief. Ich hatte nicht damit gerechnet und war überrascht.“ Er wusste zwar noch nicht genau, was auf ihn zukommt, aber er willigte ein, bevor die Mitarbeiterin Gelegenheit hatte, ihm alles genau zu erklären.

Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Die zweite Möglichkeit ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation – wie bei der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld – werden dann die Stammzellen herausgefiltert. Über die Art der Spende entscheidet der Stammzellspender. Das Transplantat wird dann schnellstmöglich zum Patienten gebracht – ob in die USA, Australien oder nach Flensburg. Denn nach der Entnahme muss die Transplantation innerhalb von 72 Stunden erfolgen.

„Ich wusste zuerst nicht, dass es auch die Apherese gibt. Ich kannte nur die Knochenmarkspende“, gesteht Diebowski, „Ich war zwar nervös, weil es was Neues für mich war, aber ich hatte keine Zweifel.“ Seine Familie ist froh über sein Engagement. Auch die Ausbildungsfirma, die Steinel Vertriebs GmbH in Herzebrock-Clarholz, einem Unternehmen für Licht- und Sensor-Technologie, fand das Vorhaben gut. „Der Personalchef hat mich dabei unterstützt. Er hat selbst schon gespendet.“ In dieser Phase sind die Spenderbetreuerinnen rund um die Uhr für die Fragen der Spender erreichbar. Alle Abläufe und Termine werden genau geplant und vorbereitet. Sind Terminänderungen nötig, müssen die Betreuerinnen schnell reagieren und umorganisieren. Deswegen halten sie ständig Kontakt zum Spender. Diebowski findet das gut: „Man hat sich gut um mich gekümmert. Meine Betreuerin hat mich immer wieder angerufen und gefragt, wie es mir geht. Das war alles super.“

Dennis Diebowski hat sich für die Apherese entschieden. Er hat alles ohne Probleme überstanden und denkt jetzt an den Patienten: „Ich hoffe, dass ich dem Patienten helfen kann, auch wenn hinter dem Erfolg im Moment noch ein großes Fragezeichen steht.“ Er ist von der Stammzellspende überzeugt: „Ich würde es jederzeit wieder machen.“