Hoffen – Helfen – Heilen

Rund 500 Kilometer liegen zwischen dem bayerischen Landshut und der rheinland-pfälzischen Kreisstadt Birkenfeld. Der 20-jährige Dominik Metzger weiß das genau, denn vor kurzem war der Student aus Landshut dort. Bei der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands ältester StammzellStammzellenspenderdatei, hatte er einen lebenswichtigen Termin: Stammzellen spenden, um einem fremden Leukämiepatienten vielleicht das Leben zu retten.Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus, ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein genetisch passender Stammzell- bzw. KnochenmarkStammzellenspender zur Verfügung stellt. Nahezu täglich sind Teams der Stefan-Morsch-Stiftung bundesweit unterwegs, um über das Thema Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke aufzuklären und die Registrierung als möglicher Stammzellenspender anzubieten – auch in den verschiedensten Bundeswehrstandorten.
Aus einer Blutprobe(knapp ein Fingerhut voll Blut) sind bei der Typisierung im November 2013, in der Werratal-Kaserne, in Bad Salzungen, auch die Gewebemerkmale des Wehrdienstleistenden Dominik Metzgers bestimmt und bei der Stammzellenspenderdatei gespeichert worden. Seitdem stehen sie anonym im deutschen Zentralregister (ZKRD) in Ulm, wo sie mit denen der Patienten weltweit verglichen werden können. Mit jedem neu gewonnenen Stammzellenspender erhöht sich die Chance, dass einem leukämiekranken Patienten das Leben gerettet werden kann.
Der 20-Jährige lebt nicht nur in Landshut, sondern studiert auch dort, an der Hochschule für angewandte Wissenschaften. Energiewirtschaft und Technik lautet sein Studiengang. Danach darf er sich Wirtschaftsingenieur nennen. Mit dem interdisziplinären Studiengang schlägt Dominik Metzger zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen ist es ein wirtschaftliches Studium, zum anderen wird er ein Experte für Fragen wie: Wo kann ein Unternehmen Energie sparen? Wo sind Solarzellen effektiv? Aber der Südbayer interessiert sich noch für anderes. Als echter Fan trägt er einen Kapuzenpulli mit dem Wappen des FC Bayern. Er spielt auch selbst seit 15 Jahren Fußball, im defensiven Mittelfeld beim SV Landshut-Münchnerau. So oft wie möglich schwingt er sich außerdem auf sein Motorrad. „Ich fahre einen BMW F 800 ST Sporttourer“, erzählt er.
Anfang Dezember 2014 klingelt sein Telefon: die Stefan-Morsch-Stiftung. Er ist der passende Stammzellenspender für einen an Leukämie erkrankten Menschen, lautet die Nachricht. Als er in dem Gespräch gefragt wird, ob er bereit ist zu helfen, sagt er „Ja!“. „Ich hatte ein komisches Gefühl, aber es stand für mich sofort fest, dass ich spende, wenn ich gebraucht werde.“ Nach einer erneuten Blutuntersuchung wird ihm mitgeteilt, dass ein anderer Stammzellenspender gefunden wurde. Darüber war er enttäuscht. Aber zwei Tage später ruft die Stiftung nochmal an: „Ich bekam dann doch die Zusage. Ich hab mich gefreut, dass ich es dann doch machen konnte“, sagt er.
Vor der Entnahme muss er zur Voruntersuchung. Der Bayern-Fan war neugierig auf die medizinischen Hintergründe: „Wie funktionieren Stammzellen und wie helfen Sie? Es war sehr interessant, was mir die Ärztin erklärt hat“, erzählt er. Bei der Voruntersuchung wird außerdem zur Sicherheit des Stammzellenspenders abgeklärt, ob er ganz gesund ist. Und er wird komplett über die Chancen und Risiken, aber auch über den Ablauf der Spende aufgeklärt.
Mit der Übertragung von Dominik Metzgers Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Bei der klassischen Methode – der Knochenmarkspende – punktieren die Ärzte den Beckenknochen des Stammzellenspenders – niemals das Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Der 20-Jährige hat per Apherese gespendet. Dabei wurden ihm die Stammzellen aus dem Blut entnommen. Das läuft so ähnlich ab, wie eine Plasmaspende oder Dialyse. In den Tagen vor der Spende musste er sich einen körpereigenen Botenstoff verabreichen, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Das fiel ihm leichter, als er dachte: „Es war ungewohnt, aber ich habe selbst gespritzt.“ Häufig treten dabei grippeähnliche Nebenwirkungen auf: „Ich hatte starke Kopfschmerzen, aber es war ja zur Patienten-Rettung. Ich wollte es gern für ihn ertragen.“ Nach der Apherese ist er froh: „Ich hab mich sehr wohl gefühlt und wurde rundum gut betreut. Und ich habe vielleicht ein Leben gerettet – ein schönes Erlebnis.“