Hoffen – Helfen – Heilen

Vor über einem Jahr kam der 23-jährige Emanuel Moß aus Hamburg nach Birkenfeld mit einem besonderen Anliegen: Er wollte einem Leukämiepatienten das Leben retten, indem er für ihn Stammzellen spendete. Zufällig hat der Biologie-Student die gleichen genetischen Gewebemerkmale wie der Erkrankte, ohne mit ihm verwandt zu sein oder ihn auch nur zu kennen. Dieser Zufall bedeutet für den Leukämiekranken Hoffnung auf Heilung, eine Chance, die ihm der Hamburger gerne gab. Doch nun benötigt der Patient noch einmal seine Hilfe.
Als Emanuel Moß von der Stefan-Morsch-Stiftung gefragt wurde, ob er für den Leukämiepatienten noch einmal spenden würde, hat ihn das überrascht. „Als ich sechs Monate nach der Stammzellspende bei der Stiftung nachfragte, wie es dem Patienten geht, hörte ich gute Neuigkeiten. Deswegen hatte ich mich über den erneuten Anruf gewundert.“ Doch für Emanuel Moß war es keine Frage, dass er nochmal spendet und den Patienten weiterhin unterstützt. „Ich fand es schade, dass es dem Patienten nicht gut geht. Dass ich wieder spende, war für mich klar.“ Fast 11 000 Menschen erkranken jährlich allein in Deutschland an dieser Krankheit. Wenn Chemotherapie und/oder Bestrahlung nicht helfen, ist die Stammzelltransplantation die letzte Chance. Dann beginnt die Suche nach einem passenden Spender. In Spenderdateien wie der Stefan-Morsch-Stiftung sind weltweit mehr als 20 Millionen potenzielle Spender registriert. Trotzdem gleicht die Suche nach einem Spender mit einem nahezu identischen genetischen Profil, oft der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Um für möglichst viele Leukämiekranke einen passenden Spender zu finden, ist die Stefan-Morsch-Stiftung täglich in ganz Deutschland unterwegs, um Menschen als Stammzellspender zu werben. Allein im Jahr 2013 konnten bei rund 350 Typisierungsaktionen mehr als 17.000 potenzielle Spender registriert werden.

Emanuel Moß hat sich 2010 typisieren lassen. Damals ließ sich der geübte Blutspender in Nordhorn bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren. Er wurde genau über Stammzellspende aufgeklärt, füllte einen Fragebogen zu seinem Gesundheitszustand aus und unterschrieb eine Einverständniserklärung. Ihm wurde ein kleines Röhrchen voll Blut, etwa 5 ml, abgenommen und im Labor der Stefan-Morsch-Stiftung auf seine Gewebemerkmale, die HLA-Werte, hin untersucht. „Typisierung“ lautet der Fachbegriff dafür. Benötigt ein Leukämiepatient eine Transplantation, werden seine HLA-Werte mit denen von potentiellen Spendern in der Datei verglichen. Um als Spender in Frage zu kommen stimmen im Idealfall zehn von zehn dieser Werte überein. „Ich wollte das machen, weil man so die Chance hat, jemandem zu helfen“, erinnert er sich, „dementsprechend habe ich mich gefreut, dass ich als Spender gebraucht wurde.“

Emanuel ist der erste in seiner Familie und in seinem Freundeskreis, der – zweimal – spendet. „Meine Eltern sind zwar auch typisiert, aber sie kannten nur die Knochenmarkspende“. Die Knochenmarkspende ist die klassische Entnahmemethode von Stammzellen. Hierbei wird der Beckenknochen mit einer Hohlnadel punktiert und etwa ein Liter Knochenmark-Blut-Gemisch entnommen. Das erfolgt unter Vollnarkose. Die zweite und am häufigsten gewählte Variante nennt sich Apherese und funktioniert ähnlich wie eine Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation – wie bei der Stefan-Morsch-Stiftung – werden dann die Stammzellen herausgefiltert.

Die erste Apherese vor einem Jahr hatte der FC St. Pauli-Fan gut überstanden, so dass er es sich nicht nehmen ließ, abends in die Coface-Arena nach Mainz zu fahren, um das Spiel um den DFB-Pokal 1. FSV Mainz gegen Erzgebirge Aue zu schauen. Nach einer Stammzellspende werden die Spender für weitere Entnahmen bis zu zwei Jahre reserviert. Das bedeutet: Treten bei dem Patienten auch nach der Übertragung von Stammzellen Komplikationen auf, entscheidet das behandelnde Transplantationszentrum sich bisweilen dafür, das blutbildende System mit einer weiteren Lymphozyten-Infusion zu unterstützen. Im Moment bereitet sich der Biologie-Student gerade auf ein Praktikum in der biologischen Station eines Reservats in Costa Rica vor. Auch das zweite Mal – die Lymphozyten-Spende – ist für ihn gut verlaufen: „Das tut ja nicht weh. Es ist im Prinzip wie eine Blutspende. Ich kann nur jedem raten, sich auch typisieren zu lassen, es ist eine gute Sache!“