Hoffen – Helfen – Heilen

#Leukämie – 11 000 Mal pro Jahr wird allein in Deutschland diese Diagnose gestellt. Die Betroffenen: Mal ist es ein berühmter Fußballer, mal die Frau eines Arbeitskollegen, mal der Sohn eines Vereinskameraden, mal der Bekannte eines Freundes – es könnte aber auch die eigen Frau, das eigene Kind oder einen selbst treffen. Das weiß Heinz Oerter aus Burbach (Kreis Siegen-Wittgenstein). Deshalb hat er sich 2001 als potenzieller Lebensretter bei der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands ältester StammzellStammzellenspenderdatei, registrieren lassen. Jetzt konnte er helfen.
Die Stefan-Morsch-Stiftung, die älteste StammzellStammzellenspenderdatei Deutschlands, leistet seit fast 30 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist es, Menschen zu werben, sich als StammzellStammzellenspender zu registrieren. Beinahe täglich sind Teams der Stiftung in ganz Deutschland unterwegs, um junge Menschen als StammzellStammzellenspender zu gewinnen. Vor 13 Jahren war ein solches Team in Burbach. Damals hat sich auch der 51-Jährige als potenzielle Lebensretter registrieren lassen: „Vielleicht ist man selbst auch mal auf Hilfe angewiesen. Für so einen Fall wäre es gut, den passenden Stammzellenspender zu finden.“

Eine Sprecherin der Stiftung erklärt: „Als Typisierung bezeichnet man die eigentlichen Laborarbeiten, die für eine Aufnahme in die StammzellStammzellenspenderdatei notwendig sind. Aus einer Blutprobe – es genügt ein Fingerhut voll Blut – werden die für eine Transplantation relevanten HLA-Gewebemerkmale im Labor bestimmt. Das gleiche funktioniert auch mit einem Abstrich der Mundschleimhaut.“ Damit hatte der Kaufmännische Angestellte den ersten Schritt auf dem Weg zum Lebensretter getan.

Leukämie ist nur eine der bösartigen Erkrankungen, die eine Übertragung gesunder Blutstammzellen erfordern können. Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System – seine einzige Chance auf Leben, wenn Chemotherapie oder Bestrahlungen nicht geholfen haben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn es Menschen wie Heinz Oerter gibt, die sich typisieren lassen – sprich: als StammzellStammzellenspender einer Stammzellenspenderdatei erfasst sind.

Um Stammzellen transplantieren zu können, müssen die Gewebemerkmale von Stammzellenspender und Patient übereinstimmen. So sind in den Knochenmark- und StammzellStammzellenspenderdateien wie der Stefan-Morsch-Stiftung zwar weltweit über 20 Millionen Menschen registriert – trotzdem ist es immer noch ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein passender Stammzellenspender findet.

Heinz Oerter ist so ein Glücksfall. Er arbeitet bei den Schäfer-Werken, einem Unternehmen, das Stahlprodukte für die Industrie herstellt. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder, einen 15-jährigen Sohn und eine 13-jährige Tochter, die er bei ihren Hobbies begleitet – seinen Sohn zu Motocross-Cups und seine Tochter zu Fußballspielen.

Im Oktober bekam er dann einen Brief der Stefan-Morsch-Stiftung. Er käme als StammzellStammzellenspender für einen Patienten in die engere Auswahl, ob er Spenden würde. „Es war schön zu lesen, dass ich vielleicht spenden darf und jemandem helfen kann.“ Im Februar stand seine Stammzellspende dann fest. „Meine Frau sieht die Spende so wie ich: Es ist eine tolle Sache, mit Stammzellen zu helfen“, sagt Oerter. Seinen Kindern erklärt er genau, was es mit der Entnahme auf sich hat und wie es funktioniert: „Die wissen was passiert und finden das gut.“

Bevor Heinz Oerter Stammzellen spenden darf, wird er umfassend aufgeklärt und gründlich untersucht. Diese Voruntersuchungen dienen dazu herauszufinden, ob er wirklich der optimale Stammzellenspender ist. Gleichzeitig soll ausgeschlossen werden, dass der Stammzellenspender ein gesundheitliches Risiko eingeht. Die Mitarbeiter der Stiftung beraten und begleiten den Stammzellenspender während dieser ganzen Vorbereitungsphase. Jegliche Kosten für die Untersuchungen, die Versicherung, An- und Abreise zum Entnahmeort werden übernommen. „Ich wurde sehr gut informiert. Wegen dem Entnahmetermin war ich dann auch recht locker.“

Dann beginnt die entscheidende Phase vor der Transplantation: Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Stammzellenspender einige Tage lang ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation werden dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert bzw. zentrifugiert. Apherese heißt dieses Verfahren, das heute am häufigsten angewandt wird.

Bei der klassischen Methode – der Knochenmarkspende – entnehmen die Mediziner Knochenmark aus dem Beckenknochen des Stammzellenspenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Weder der Stammzellenspender noch der Patient erfahren zu diesem Zeitpunkt, wer der andere ist. Heinz Oerter und sein Empfänger bleiben in jedem Fall bis zum Ablauf von zwei Jahren anonym. Erst danach besteht die Möglichkeit, je nach Gesetzeslage des Landes, in dem der Patient lebt, dass Stammzellenspender und Patient einander kennenlernen können.

Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg: Parallel zur Vorbereitung von Heinz Oerter wird in der behandelnden Transplantationsklinik der Patient vorbereitet. Das bedeutet: Sein Immunsystem wird stark unterdrückt oder sogar ausgelöscht – durch Bestrahlung oder/und Chemotherapie. Wenn er sich jetzt mit einem Virus infiziert oder es aus irgendeinem Grund mit der Stammzellspende nicht klappt, ist sein Leben massiv gefährdet. Emil Morsch, Vorstandsvorsitzender der Stefan-Morsch-Stiftung: „Eine Transplantation ist immer eine letzte Chance. Diese Chance hat er nur durch Heinz Oerter.“

Der 51-Jährige hat mittels Apherese Stammzellen gespendet. Nach der Entnahme zieht er ein positives Fazit: „Der ganze Ablauf hat gut geklappt. Ich war in guten Händen. Ich bin froh, dass ich mich typisieren gelassen habe und die Gelegenheit hatte, jemandem zu helfen. Ich würde es wieder tun.“

Antworten auf die häufigsten Fragen rund um das Thema Stammzellspende:

Wie wird man online zum Lebensretter?
Die aktuellen Termine für die Typisierungsaktionen der Stefan-Morsch-Stiftung findet man auf der Internetseite (www.stefan-morsch-Stiftung.de). Zudem gibt es die Möglichkeit, sich über die Homepage online registrieren zu lassen. Auf der Startseite ist der Online-Registrierungsbutton. Dort findet man Informationen über die Chancen und Risiken und über die Ausschlusskriterien. Es ist wichtig, diese Information vor dem Ausfüllen der Einverständniserklärung durchzulesen. Wer sein Einverständnis gegeben hat, bekommt ein Entnahmeset zugesandt. In dem Päckchen ist das entsprechende Material, um sich bei seinem Hausarzt eine Blutprobe entnehmen zu lassen. Dieses Päckchen wird dann einfach an die Stefan-Morsch-Stiftung zurückgesendet. Weitere Informationen bekommen Sie über unsere gebührenfreie Hotline (08 00 – 766 77 24) oder über die Homepage. Zudem bleiben wir gerne über unsere Facebookseiten mit Ihnen in Kontakt.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient einen passenden Stammzellenspender findet?
Die Wahrscheinlichkeit, für einen Patienten einen kompatiblen StammzellStammzellenspender zu finden liegt in der Größenordnung von 1 : 10.000 und 1 : 1.000.000 und ist abhängig von den Gewebemerkmalen (HLA-Merkmalen) des Patienten. Je genauer die Übereinstimmung zwischen den Merkmalen dieses DNA-Teilstückes des Stammzellenspenders und denen des Patienten ist, umso größer sind die Erfolgsaussichten für eine Stammzelltransplantation.

Ich bin bereits typisiert. Soll ich nochmal?
Wer bereits typisiert ist, sollte sich nicht noch einmal registrieren lassen. Egal, wo er registriert ist, die Daten aller StammzellStammzellenspenderdateien stehen anonymisiert über das deutsche Zentralregister des ZKRD für weltweite Suchanfragen zur Verfügung. Wer mehrfach registriert ist, würde als Mehrfach-Treffer erscheinen und so zunächst den Eindruck erwecken, es gäbe mehrere Stammzellenspender zu Auswahl. Letztendlich wäre das eine trügerische Hoffnung. Wer schon typisiert ist, sollte jedoch überlegen, ob die Stammzellenspenderdatei noch die aktuellen Kontaktdaten hat.
Sollten Sie noch Fragen haben – die Stefan-Morsch-Stiftung ist unter der gebührenfreien Hotline 08 00 – 766 77 24 oder über info@stefan-morsch-stiftung.de erreichbar. Auf der Homepage www.stefan-morsch-stiftung.de oder via Facebook kann man sich ebenfalls informieren.