Hoffen – Helfen – Heilen

„Klar, dass ich das mache“, sagte der 43-jährige Jörg Griebner, als er vor zwei Jahren von der Stefan-Morsch-Stiftung gefragt wurde, ob er für einen Leukämiepatienten Stammzellen spenden würde. Die einzige Chance, um das Leben des Leukämiekranken zu retten. Und zunächst lief für den Patienten auch alles gut. Doch der Patient brauchte 2014 wieder Unterstützung, in Form einer Lymphozytenspende. Er kann auf Jörg Griebner zählen: Der Bottroper Installateur- und Heizungsbaumeister willigt auch diesmal sofort ein ohne zu zögern.Als im Herbst 2004 die Stefan-Morsch-Stiftung in Castrop-Rauxel (Kreis Recklinghausen) zur Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke aufrief, ging Jörg Griebner als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Bottrop-Eigen mit seinen Kameraden geschlossen dort hin, um sich als möglicher Lebensretter – als Stammzellspender registrieren zu lassen. Die Stiftung mit Sitz in Birkenfeld ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ klärt sie seit 1986 über das Thema Stammzellspende auf und wirbt dafür, dass sich Menschen als potenzieller Spender registrieren lassen. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Mit jedem neu gewonnen Spender steigen die Chancen, für einen an Leukämie erkrankten Menschen auch einen passenden Spender zu finden – so wie Jörg Griebner.
Der Vater von zwei Söhnen wird in Castrop-Rauxel von Mitarbeitern der Stiftung vor Ort über das Thema Stammzellspende aufgeklärt, füllt einen Fragebogen zu seinem Gesundheitszustand aus und unterschreibt die Einverständniserklärung über die Stammzellspende. Eine kleine Menge Blut, etwa ein Fingerhut voll, genügt, um seine Gewebemerkmale, die HLA-Werte, zu untersuchen.
Im Sommer 2012 bekommt er eine Nachricht der Stefan-Morsch-Stiftung: Jörg Griebner ist der kompatible Spender für einen Patienten. Für Griebner war das eine Überraschung: „Ich hatte die Typisierung ganz vergessen. Nachdem ich mich über die Spende informiert habe, war klar, dass ich das mache.“
Wenige Wochen nach der Nachricht findet die Stammzellapherese in der Entnahmeeinheit der Stefan-Morsch-Stiftung statt: Die funktioniert ähnlich wie eine Blutplasmaspende. Nach der Spende erfährt er, dass es sich beim Patienten um einen Mann, älter als er, aus Deutschland handelt.
„Als ich bei der Stefan-Morsch-Stiftung nachgefragt habe, wie es dem Patienten geht, ging es ihm gut.“ Nichtsdestotrotz wird oft noch später eine Lymphozytenspende benötigt, um die Krebszellen endgültig zu vernichten. Lymphozyten gehören zu den Leukozyten, besser bekannt als weiße Blutkörperchen. Sie haben die Aufgabe, Krankheiten abzuwehren, u. a. auch Krebszellen. Als Jörg Griebner vor wenigen Wochen zum zweiten Mal von der Stefan-Morsch-Stiftung kontaktiert wurde, war er gerne bereit nochmal zu kommen: „Egal ist das einem nicht – meine Familie und ich haben viel an ihn gedacht, weil es ihm scheinbar schlechter geht. Ich habe nicht gezögert und direkt eingewilligt.“ Um Lymphozyten spenden zu können, lässt er gerne einen Termin des Karnevallvereins „KG Stellkeswägg“, wo er Schatzmeister war, an dem Tag ausfallen: „Morgen ist die nächste Sitzung, da bin ich wieder dabei“, versicherte Griebner.
Im Vergleich zur Stammzellspende ist bei der Lymphozytenspende keine medikamentöse Vorbehandlung nötig. Die Entnahme läuft genauso ab, wie bei der Stammzellspende, außer, dass keine Stammzellen, sondern Lymphozyten aus Griebners Blut herausgefiltert werden. „Die Stefan-Morsch-Stiftung hat alles gut organisiert, auch beim ersten Mal. Ich musste mich um nichts kümmern. Ich würde es wieder machen“, steht für Jörg Griebner fest. Doch jetzt hofft er, dass es dem Patienten besser geht.