Hoffen – Helfen – Heilen

Mit Riesling und Weißburgunder im Gepäck war Johannes Bechtel aus dem kleinen Moselort Kinheim (Kreis Bernkastel-Wittlich) in Norddeutschland unterwegs. Dort lieferte der Winzer kurz vor Weihnachten 2014 Wein aus, als ihn die Stefan-Morsch-Stiftung anrief: „Sie kommen als StammzellStammzellenspender für einen Leukämiepatienten in Frage. Möchten Sie helfen?“ Der Anruf war kein Zufall, denn vor fast sechs Jahren ließ sich der 24-Jährige als möglicher Stammzellenspender bei Deutschlands ältester StammzellStammzellenspenderdatei typisieren. „Ich habe mich gefreut, dass ich helfen kann und hoffe, dass der Patient wieder gesund wird“, erzählt Johannes Bechtel.

Mai 2009: Der Musikverein Winzerkapelle Kinheim, wo Johannes Bechtel Posaune spielt, feierte ein Vereinsfest. Gemeinsam mit der Birkenfelder Stiftung rief der Verein auch zur Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke auf. Viele Männer und Frauen ließen sich damals wie der Posaunist typisieren. Dabei wird ein Fingerhut voll Blut oder eine Speichelprobe genommen. Nahezu täglich sind Teams der gemeinnützigen Stiftung bundesweit unterwegs, um über das Thema Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke aufzuklären – auch in Kooperation mit Vereinen wie der Musikkapelle Kinheim. Es geht darum, Menschen zu sensibilisieren, sich als StammzellStammzellenspender registrieren zu lassen.

Typisierung beim Vereinsfest

Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11.000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. KnochenmarkStammzellenspender zur Verfügung stellt, der die gleichen genetischen Merkmale hat, wie der Patient.

Als StammzellStammzellenspender registriert

So wurden bei der Typisierung 2009 auch die Gewebemerkmale des Winzers bestimmt und bei der Stammzellenspenderdatei gespeichert. Seitdem stehen sie anonym im deutschen Zentralregister (ZKRD) in Ulm, wo sie mit denen der Patienten weltweit verglichen werden können. Mit jedem neu gewonnenen Stammzellenspender erhöht sich somit die Chance, dass einem leukämiekranken Patienten das Leben gerettet werden kann.

Spende kurz vor Silvester

Weinausbau, Reben pflegen, ernten, Wein abfüllen, vermarkten und ausliefern – das sind ein paar der Aufgaben, die der Winzer am Weingut Zenz-Pohl in seinem Heimatort übernimmt. Nebenbei kümmert er sich mit seinem Vater auch um die Weinberge seiner Familie. Daneben ist er Mitglied im Karnevalsverein und bei der freiwilligen Feuerwehr im Ort. Als sich die Stefan-Morsch-Stiftung bei ihm meldete, war für ihn sofort klar, dass er helfen möchte. „Ich hoffe einfach, dass ich den Patienten dabei unterstützen kann, dass er wieder gesund wird“, sagt Bechtel. Nach einer erneuten Blutuntersuchung, muss er zur Voruntersuchung. „Das ging ganz schnell, der Termin war kurz vor Silvester “, erzählt er. Die Stefan-Morsch-Stiftung erklärt: „Eine Transplantation ist oft nur möglich, wenn die Ärzte eine Remission der Krankheit erreicht haben. Dann kann es sein, dass man ganz kurzfristig einen Stammzellenspender braucht oder die Spende sich verschiebt.“

Froh, dass ich es gemacht habe!

Bei der Voruntersuchung wird zur Sicherheit des Stammzellenspenders abgeklärt, ob er ganz gesund ist. Und er wird komplett über die Chancen und Risiken, aber auch über den Ablauf der Spende aufgeklärt.
Mit der Übertragung von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Stammzellenspender einige Tage lang ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation werden dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert bzw. zentrifugiert. Apherese heißt dieses Verfahren, das heute am häufigsten angewandt wird. Bei der klassischen Methode – der Knochenmarkspende – punktieren die Ärzte den Beckenknochen des Stammzellenspenders. – niemals das Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Der Weinfachmann hat mittels Apherese gespendet. Dafür musste er sich ein paar Tage vorher Spritzen verabreichen. „Das war kein Problem, ich habe mich selbst gespritzt. Das lange Sitzen während der Entnahme war anstrengender“, erzählt er gelassen. Nach der Spende ist er überzeugt: „Ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Wenn ich dadurch jemandem helfen konnte, bin ich zufrieden.“