Hoffen – Helfen – Heilen

Leukämie – 11 000 Mal pro Jahr wird allein in Deutschland diese Diagnose gestellt. Mal ist es ein berühmter Fußballer, mal die Frau eines Arbeitskollegen. Bei Katja Trein aus Brodenbach war es die Tochter einer Freundin, die 2001 mit dem Blutkrebs kämpfte. Damals lernte die Friseurin die Stefan-Morsch-Stiftung kennen. Sie erfuhr, dass man mit einer Stammzellspende vielleicht ein Leben retten kann. Damals ließ sie sich typisieren. Jetzt – zwölf Jahre später – wurde ihre Hilfe gebraucht. Sie kennt keinen Namen, sie weiß nur, es ist ein Mensch, der sehr ähnliche genetische Merkmale hat wie sie. Und sie weiß, ohne ihre Hilfe, hat er keine Chance den Blutkrebs zu überleben. Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz in Birkenfeld ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die gemeinnützige Stiftung seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist, Menschen zu werben, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. Menschen, wie Katja Trein. Die 44 Jährige Mutter von zwei Jugendlichen weiß: „Leukämie ist eine bösartige Erkrankung der weißen Blutkörperchen.“ Diese Krankheit nimmt ihren Ausgang im Knochenmark, wo sämtliche Blutzellen des Menschen gebildet werden. Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System – das von Katja Trein.
Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Damit die Entnahme stattfinden kann, ist ein koordinatorischer Drahtseilakt nötig: Die Mitarbeiterinnen der Stefan-Morsch-Stiftung müssen mit der Transplantationsklinik des Patienten und dem Spender einen genauen Zeitplan abstimmen. Denn der Patient, der dringend auf die Stammzelltransplantation angewiesen ist, muss zum exakt vorbestimmten Zeitpunkt diese Transplantation bekommen. Entscheidend ist dabei auch, dass sein Gesundheitszustand die Übertragung der Stammzellen erlaubt. Deshalb gibt es manchmal sehr kurzfristige Terminverschiebungen, auf die sich dann der Spender einstellen muss. Bei Katja Trein musste die Entnahme drei Mal verschoben werden. Sie lächelt: „Ich konnte das machen, weil alle um mich herum mitgezogen haben – der Chef, die Mutter, meine Freunde.“ Sogar die Teilnehmer des Sportkurses, den sie leitet, hatten stets Verständnis: „Es war einfach ein gutes Zusammenspiel“, sagt die gut vernetzte Mutter.
„Die Hilfe für Leukämiekranke ist Teamarbeit“, betont auch Emil Morsch, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Birkenfelder Stiftung. „Ohne eine internationale Vernetzung der Datei sind unsere Ziele – Menschenleben zu retten – nicht realisierbar.“ Denn zeitgleich mit der Vorbereitung des Spenders läuft die des Patienten an – der irgendwo auf der Welt sein kann – in Deutschland, Russland oder in Australien. Sein Immunsystem wird vor der Transplantation komplett ausgeschaltet – durch Bestrahlung oder/und Chemotherapie. Eine Therapiephase, die sehr belastend ist. Wenn der Patient sich jetzt mit einem Virus infiziert oder es aus irgendeinem Grund mit der Stammzell-Spende nicht klappt, ist sein Leben massiv gefährdet. Der Wettlauf mit der Zeit hat längst begonnen, als Katja Trein zur Entnahme nach Birkenfeld kommt. Innerhalb von 72 Stunden muss das Transplantat beim Empfänger sein.
Um die Stammzellen beim Spender zu entnehmen gibt es heute zwei Varianten: Bei der klassischen Methode der Knochenmark-Entnahme entnehmen Mediziner etwa 0,8 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die zweite Methode ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der

die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Spender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen aus. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen. Katja Trein hat diese Prozedur auf sich genommen: „Es ist einfach ein positives Gefühl, wenn man helfen kann.“