Hoffen – Helfen – Heilen

Jedes Jahr erkranken 11.000 Menschen allein in Deutschland an Leukämie. Für sie sucht die Stefan-Morsch-Stiftung geeignete Spender von Stammzellen. Denn oft ist die Transplantation die einzige Chance fürs Überleben der Krebspatienten. Lars L. aus Menden im Sauerland ist einer dieser Spender. Er möchte „keine große Sache draus machen“deshalb will er nicht, dass sein voller Name genannt wird. Doch seine Stammzellspende gibt einem 60 Jahre alten Mann in Frankreich eine Chance auf Leben.
27 Jahre alt ist Lars L., steckt mitten in seiner Abschlussarbeit für den Studiengang Immobilienwirtschaft in Regensburg, da bekommt er  Ende 2015 die Nachricht von Deutschlands ältester Stammzellspenderdatei: Seine genetischen Merkmalen passen, seine Stammzellen werden für einen Leukämie kranken Patienten gebraucht.

Vier Jahre zuvor hatte sich der Student typisieren lassen – in Menden (Märkischer Kreis), wo ein Spender für einen kleinen Jungen namens Simon gesucht worden war. „Mir war immer klar, dass ich mich, sobald ich 18 Jahre alt bin, typisieren lasse“, erzählt Lars. Damals, im Jahr 2012, folgten er, sein Bruder und seine damalige Freundin dem Aufruf der Birkenfelder Stefan-Morsch-Stiftung. Vater und Mutter hatten sich schon vor Jahren registrieren lassen.

Der 10-jährige Simon hat es seinerzeit leider nicht geschafft, den Blutkrebs zu besiegen. Doch er hat in Menden ein großes Erbe hinterlassen: Fast 1.400 Menschen hatten sich als Stammzellspender in die Datei aufnehmen lassen. In den Jahren danach gingen und gehen daraus immer neue Lebensretter hervor. „Zeitlich hat es angesichts meiner Studienarbeit wirklich nicht gut gepasst, aber ich habe immer gehofft, dass es irgendwann eine Übereinstimmung mit meinen genetischen Merkmalen geben wird“, so der 27-jährige begeisterte Skifahrer und Snowboarder. Aus seiner Familie ist Lars der erste, der helfen konnte.

Bei der heutzutage häufigsten Form der Spende, der peripheren Stammzellentnahme (Apherese), werden die Stammzellen aus dem venösen Blut herausgefiltert. Eine Narkose oder gar eine Operation sind nicht erforderlich. „Hauptsächlich Kopfschmerzen, ein leichtes Grippegefühl, nichts Dramatisches“ – so schildert der Sauerländer die Reaktion seines Körpers darauf, dass er sich vor der Entnahme fünf Tage lang ein Medikament spritzen musste, um damit die eigene Stammzellproduktion auf Trab zu bringen. „Ich konnte trotzdem zur Uni gehen.“

Sein genetischer Zwilling ist ein ihm unbekannter Franzose, der innerhalb von 72 Stunden die Stammzellen übertragen bekam. 2015 gingen mehr als 4.900 der rund 6.700 Entnahmen deutscher Spender ins Ausland. Diese Zahlen nennt das  Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) in Ulm, mit dem die Stefan-Morsch-Stiftung zusammenarbeitet.

Von seiner Familie und seinem Freundeskreis erfuhr Lars viel Lob. „Doch ich kann damit wenig anfangen. Es war doch keine große Sache“, zuckt er fast verlegen mit den Achseln. Auch während der Voruntersuchungen hatte er kaum Fragen. „Das war mir alles egal. Hauptsache die Transplantation klappt“, lautet sein Kommentar lapidar.

Es ist ein Glücksfall, wenn die genetischen Merkmale zweier Menschen so gut übereinstimmen, dass eine Transplantation möglich ist. Daher sind Typisierungsaktionen wie 2012 in Menden so wichtig. Die Birkenfelder Spenderdatei, die älteste in Deutschland,  hat Tag für Tag Teams im Einsatz, die mit solchen Aktionen auf die Krankheit und die mögliche Hilfe aufmerksam machen und Menschen zwischen 17 und 40 Jahren für eine kostenlose Registrierung als Spender gewinnen. Derzeit sind laut ZKRD 6,5 Millionen Menschen als Blutstammzellspender registriert.

So nüchtern Lars die Spende auch genommen hat, so tief berührt ihn der Brief, den ihm der unbekannte Empfänger anonym geschrieben hat. „Ihn zu lesen war sehr, sehr emotional.“ Er habe noch nicht darauf geantwortet, weil er bisher wegen der Bachelor-Prüfung den Kopf nicht frei gehabt habe. Lars L. will sich aber jetzt daran setzen und einen Brief zurückschicken. Und ganz fest die Daumen drücken. (AW)

Eine Typisierungsaktion hat immer nachhaltige Wirkung –  nach der Typisierungsaktion in Menden wurden immer wieder Stammzellspender, die sich damals registrieren ließen zu Lebensrettern – Lesen Sie weitere Beispiele: