Hoffen – Helfen – Heilen

Lea Heilmann aus Armsheim (Kreis Alzey-Worms) weiß genau was sie will: Erst Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im afrikanischen Sambia, dann eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester und danach das Medizinstudium. Doch zuvor – mitten in den Vorbereitungen für ihr Abitur – hat die junge Frau noch einen anderen Plan. Sie will ein Leben retten!
Alles beginnt im Sommer 2014: Zwischen Schulalltag und Zukunftsplänen hört Lea Heilmann , dass Familie und Freunde eines leukämiekranken Jungen im Kreis Alzey-Worms gemeinsam mit der Stefan-Morsch-Stiftung, der ältesten Stammzellspenderdatei Deutschlands, zur Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke aufrufen. „Hilfe für Ben“ stand auf Plakaten und in den Zeitungen. „Ich war gerade 18 geworden und ich dachte, vielleicht kann ich ja Ben oder einem anderen Erkrankten helfen.“ Sie lässt sich als potenzielle Stammzellspenderin registrieren. Nur wenige Wochen danach rief die Stiftung tatsächlich bei ihr an: „Ich habe mich gefreut, dass ausgerechnet ich die genetisch passende Spenderin für einen Patienten bin“, erzählt die Abiturientin.

Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt, der die gleichen genetischen Merkmale hat, wie der Patient. Nahezu täglich sind Teams der Birkenfelder Stammzellspenderdatei bundesweit unterwegs, um über das Thema Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke aufzuklären. Es geht darum, Menschen zu sensibilisieren, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen.

So wurden bei der Typisierung im vergangenen Juni auch die Gewebemerkmale von Lea Heilmann bestimmt und bei der Spenderdatei gespeichert. Seitdem stehen sie anonym im deutschen Zentralregister (ZKRD) in Ulm, wo sie mit denen der Patienten weltweit verglichen werden können. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich somit die Chance, dass einem leukämiekranken Patienten das Leben gerettet werden kann.

Die Schülerin besuchte das Gymnasium am Römerkastell in Alzey – die schriftlichen Abiturprüfungen hatte die 18-Jährige schon abgeschlossen. Die mündliche Prüfung stand ihr noch bevor. Trotz Lernstress nimmt sie sich die Zeit für das Training der Showtanz-Gruppe Infinity in Flomborn und für Zumba-Stunden. Außerdem spielt sie Gitarre. Als die Birkenfelder Stiftung Lea Heilmann im Herbst 2014 Daheim anruft, war sie sofort bereit zu helfen. Nach einer erneuten Blutuntersuchung, muss sie zur Voruntersuchung. „Meine Familie hat sich total gefreut, dass ich das mache. Auch meine Lehrer und Freunde finden das toll. Eine Freundin hat mich sogar zur Voruntersuchung begleitet“, erzählt sie. Bei der Voruntersuchung wird zu Heilmanns Sicherheit abgeklärt, ob sie ganz gesund ist. Und sie wird komplett über die Chancen und Risiken, aber auch über den Ablauf der Spende aufgeklärt.

Mit der Übertragung von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme peripherer Stammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender einige Tage lang ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation werden dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert bzw. zentrifugiert. Apherese heißt dieses Verfahren, das heute am häufigsten angewandt wird. Bei der klassischen Methode – der Knochenmarkspende – punktieren die Ärzte den Beckenknochen des Spenders. – niemals das Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die sportliche 18-Jährige hat per Apherese Stammzellen gespendet. Das bedeutete aber auch, dass sie sich ein paar Tage vorher spritzen musste: „Es war okay. Zuhause hat das meine Mutter gemacht, in der Schule Freundinnen. Die letzten drei Spritzen, die ich hier in Birkenfeld noch brauchte, habe ich mir selbst gesetzt. Meine Schwester begleitet mich zwar, aber sie hat sich nicht getraut, mich zu spritzen“, sagt sie lächelnd. Nach der Stammzellentnahme denkt sie an den Patienten: „Ich hoffe, dass es dem Empfänger hilft und dass er überleben kann. Das ist schon eine große Verantwortung, die einem als Stammzellspender übertragen wird. Aber ich würde es immer wieder machen.“

Emil Morsch, Vorstandsvorsitzender der Stefan-Morsch-Stiftung, erklärt: „Das Beispiel von Lea Heilmann zeigt: Eine solche Typisierungsaktion hat immer nachhaltige Wirkung – vielleicht wird schon in wenigen Wochen oder Monaten ein Spender, der sich heute hat typisieren lassen, einem Menschen Hoffnung auf Leben schenken können. In jedem Fall aber bietet die Typisierung die Chance, dass nach Jahren, aber auch noch Jahrzehnte später Leben gerettet werden kann. Zugleich wird durch einen solchen Aufruf diese weitestgehend unbeachtete Form der Lebendspende in der Öffentlichkeit thematisiert.“

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