Hoffen – Helfen – Heilen

Marco Monzel aus Trier spendete sein Knochenmark und gab so einem vierjährigen, an Leukämie erkrankten Kind in Frankreich die Chance zu Leben. Der 38-Jährige hatte sich vor 19 Jahren bei der Stefan-Morsch-Stiftung aus Birkenfeld typisieren lassen.
Einen Tag Sonderurlaub gab es als Lohn fürs Blutspenden im November 1997 bei der Bundeswehr. Für den damals 20-jährigen Wehrdienstleistenden Marco Monzel ein guter Grund nach Daun zu fahren und sich 500 ml seines Lebenssaftes abnehmen zu lassen. Die Stefan-Morsch-Stiftung aus Birkenfeld hatte an diesem Tag ebenfalls einen Stand vor Ort und warb für die Typisierung als Knochenmark- und Stammzellspender. Der Jungspund aus Trier dachte sich: „Okay, das klingt sinnvoll. Lass ich das gleich mitmachen.“

Geschah dieser entscheidende Schritt eher im Vorbeigehen, so steht Marco Monzel 2016 voll und ganz hinter der guten Sache. „Als Familienvater habe ich keinen Moment überlegt“, sagt er. Denn: Vor kurzem erhielt er die Nachricht, dass seine genetischen Merkmale passen. In Ratingen spendete der Geschäftsstellenleiter einer Versicherung in Trier – nach erneuten Blutuntersuchungen – 500 ml Knochenmark, mit dem er einem vierjährigen Kind in Frankreich die Chance auf Leben schenkt.

11.000 Menschen erkranken allein in Deutschland jährlich an Leukämie. Oft ist der letzte Therapieschritt eine Transplantation von peripheren Blutstammzellen oder Knochenmark, um das Blut bildende System des Patienten zu erneuern. Denn ohne einen passenden „genetischen Zwilling“ hat das Kind keine Überlebenschance. Die Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands älteste Stammzellspenderdatei, hat es sich zur Aufgabe gemacht, geeignete Spender zu finden. Typisierungsaktionen wie die vor 19 Jahren in Daun helfen dabei und haben nachhaltige Wirkung – wie das Beispiel von Marco Monzel zeigt.

„Im ersten Moment“, erinnert sich Monzel, „war ich schon sehr überrascht“, dass er als Spender tatsächlich in Frage komme. Er hätte die Nachricht gerne „erst sacken lassen“ wollen. Doch dazu war keine Zeit, der Vierjährige brauchte dringend die Spende. So ging alles ungewöhnlich schnell: Freitag erhielt er die Nachricht, am Montag musste er ins Krankenhaus zur Voruntersuchung. Marco Monzels Patenkind hatte schon mal periphere Blutstammzellen gespendet – das funktionierte ähnlich wie bei einer Dialyse. Damals hatte er sich erstmals näher mit dem Thema befasst. Doch beim Knochenmark ist das Verfahren ein anderes. Dabei wird der Beckenkamm unter Vollnarkose punktiert. Diese Methode wird heute seltener aber vor allem angewandt, wenn Kinder die Empfänger sind.

„Es hat nicht weh getan und ich konnte schon am nächsten Tag wieder nach Hause. Das war wichtig für mich als Selbstständiger“, so der Hobby-Fußballer. Dennoch habe er den Eingriff im ersten Moment etwas unterschätzt, meint Monzel. Beim Kicken mit seinem zehnjährigen Sohn habe er gespürt: „Da fehlt was.“ Das Knochenmark regeneriert sich selbst, braucht dafür aber ein paar Tage. Er habe jetzt verstanden, warum man für den Eingriff auch eine Woche krankgeschrieben wird.

„Es ist ein gutes Gefühl“

Der Versicherungsbetriebswirt würde aber jederzeit wieder spenden. „Es ist ein gutes Gefühl, jemandem auf diese Weise helfen zu können.“ Da nehme man die kleinen gesundheitlichen Unannehmlichkeiten gerne in Kauf, zumal sie in keinem Verhältnis zu dem Krankheitsbild des Empfängers stünden. Sein Vorbild wirkte ansteckend: Ein guter Freund ließ sich nun ebenfalls typisieren. Einen Schritt, den in der Familie Monzel längst auch schon die beiden Brüder und die Schwester vollzogen haben, erzählt der 38-Jährige.

Die Stammzellspenden ließ Monzels Gedanken noch in eine andere Richtung wandern: Sein Ur-Ur-Opa stammt aus Frankreich, seine Familie lebt an der französisch-luxemburgischen Grenze. Er bedauert, dass er das Kind nie kennenlernen wird, da die französische Gesetzgebung dies verbietet. Vielleicht ließen sich hier verwandtschaftliche Verbindungen feststellen? Schließlich hatten die Gewebemerkmale schon sehr gut gepasst. So bleibt Marco Monzel nur der Wunsch, der ihm unbekannte Vierjährige möge das Transplantat gut annehmen und den Blutkrebs besiegen. (AW)