Hoffen – Helfen – Heilen

Nahezu jeden Tag werden Stammzelltransplantate von Spendern der Stefan-Morsch-Stiftung zu Leukämiekranken rund um den Globus gebracht – pro Jahr etwa 550. Mit einer kleinen Kühlbox reisen Kuriere, wie die der Stefan-Morsch-Stiftung, per Flugzeug, Bahn oder Auto von der Entnahmestation zu den Transplantationskliniken, um innerhalb von 72 Stunden diese lebenswichtige Fracht vom Empfänger zum Patienten zu bringen. Das sind Transporte, die strengsten Vorschriften unterliegen. Um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren, werden bei Flugreisen diese Kuriere am Flughafen auch anvisiert – per Fax. Marcus Viehmeyer von der Bundespolizei am Flughafen Düsseldorf kennt solche Schreiben: „Die laufen täglich neben meinem Schreibtisch auf“, lacht er. Jetzt hat er die andere Seite kennengelernt. Als Stammzellspender kam er in die Stefan-Morsch-Stiftung nach Birkenfeld, um einem Leukämiekranken ganz persönlich zu helfen. Marcus Viehmeyer ist 37 Jahre alt und arbeitet in der Einsatzzentrale der Bundespolizei am Düsseldorfer Flughafen. Hier werden Pässe kontrolliert und hier wird das Handgepäck gecheckt, ob verbotener Weise Flüssigkeiten mitgenommen werden. 2003 hatte Marcus Viehmeyer beim DRK-Blutspendedienst Hagen eine Blutprobe abgegeben, um sich als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren zu lassen: „Ich dachte damals: Das kann nicht schaden.“
Die Stefan-Morsch-Stiftung ist die älteste Stammzell-Spenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Helfen – Hoffen – Heilen“ leistet sie schnelle und persönliche Hilfe für Krebskranke und ihre Familien. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung einfach nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Deshalb wirbt die Stefan-Morsch-Stiftung für eine „Typisierung“ – eine Registrierung in der Spenderdatei. Das bedeutet: Nach entsprechender Aufklärung muss ein Spender schriftlich sein Einverständnis zur Blutabnahme und Registrierung seiner Daten geben. Aus einer Blutprobe(knapp ein Fingerhut voll Blut) werden die Gewebemerkmale des Spenders im hauseigenen Labor der Stiftung bestimmt und bei der Spenderdatei gespeichert. Von dort werden sie anonym dem Zentralregister in Ulm übermittelt, wo sie mit denen der Patienten weltweit verglichen werden können. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich die Chance, dass einem leukämiekranken Patienten das Leben gerettet werden kann.
All die Jahre hat der Bundespolizist nur die Faxe der Stammzellkuriere gesehen – hat kaum noch daran gedacht, dass er selbst einmal Spender werden könnte. Doch jetzt war es soweit. Er hat einem Menschen, die Chance auf Heilung gegeben: „Ich würde es wieder machen, um irgendjemandem einfach dieses Leid zu nehmen.“