Hoffen – Helfen – Heilen

Martin Biet aus Saarbrücken reist gerne und viel – schon aus beruflichen Gründen. Der 37 Jährige ist Internationaler Kundenberater bei SAP – ein Globelplayer auf dem Softwaremarkt mit Dependance im Saarland. Er weiß, dass moderne Software lange Anreisen in kurze Kommunikationswege umwandeln kann. Doch in den letzten Wochen hat Biet einen Weg eingeschlagen, der den Lebensweg eines ihm völlig fremden Menschen verändern wird. Dieser Mensch ist todkrank: Er hat Leukämie. Und Martin Biet ist der Mensch, der ihm vielleicht das Leben retten kann – mit einer Stammzellspende. Seit Dezember 2004 ist er bei der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands ältester Stammzellspenderdatei mit Sitz im rheinland-pfälzischen Birkenfeld, als potenzieller Spender registriert. Seine Firma hatte damals den Mitarbeitern angeboten, sich „typisieren“ zu lassen. “. Dazu muss man eine kleine Blutprobe abgeben. Diese Probe wird dann auf bestimmte Gewebemerkmale hin untersucht und diese so genannten HLA-Merkmale werden dann gespeichert und in ein weltweit vernetztes Informationssystem eingespeist.
Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland fast 11000 Menschen an Leukämie. Nicht immer können Chemotherapie und/oder Bestrahlung die Patienten heilen. Dann ist die Transplantation von Stammzellen die letzte Überlebenschance. Nur 30 Prozent der Patienten finden einen geeigneten Spender im eigenen Familienkreis. Für die übrigen beginnt die Suche nach einem Spender, der nahezu identische Gewebemerkmale hat – also eine Art genetischer Zwilling ist. Bei der großen Vielfalt der Gewebemerkmale in der Bevölkerung ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Merkmale bei zwei nicht verwandten Menschen übereinstimmen, jedoch nicht sehr groß. Obwohl derzeit weltweit mehr als 21,5 Millionen potenzielle Spender registriert sind, verläuft noch so manche Suche erfolglos. Doch der Patient, für den Martin Biet jetzt zur Spende angefragt wurde, hatte Glück.
„Ich war überrascht“, erzählt der 37 Jährige. Er gibt aber auch offen zu: „Im zweiten Moment war ich etwas verunsichert, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Ich hatte nur Klischees im Kopf. Ich wusste nicht, dachte dass man das Knochenmark aus dem Rückenmark entnimmt.“ Ein weit verbreitetes Vorurteil, wie man bei der Stefan-Morsch-Stiftung weiß. Schließlich hat man dort seit mehr als 25 Jahren Erfahrung mit dem Thema und betreibt bundesweit Aufklärungsarbeit. Martin Biet wurde, wie jeder Spender vor der Entnahme umfangreich untersucht, um sicher zu gehen, dass er völlig gesund ist. Und er wurde umfassend aufgeklärt und beraten, bevor er sich entscheiden durfte. „Spätestens da waren alle meine Zweifel beseitigt“, erzählt er.
Um die Stammzellen zu entnehmen gibt es zwei Varianten: Bei der klassischen Methode der Knochenmark-Entnahme entnehmen Mediziner etwa 0,8 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die zweite Methode ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Spender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen aus. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen. Martin Biet hat diese Nebenwirkungen zu spüren bekommen, trotzdem zieht er ein positives Fazit: „Wann kann man schon mit so wenig persönlichem Einsatz, einem anderen Menschen so etwas Gutes tun. Ich würde es jederzeit wieder machen.“

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