Hoffen – Helfen – Heilen

Beinahe täglich sind Teams der Stefan-Morsch-Stiftung in ganz Deutschland unterwegs, um in den verschiedensten Bundeswehr-Standorten junge Soldaten als Stammzellspender zu gewinnen. 2013 konnten so mehr als 9000 Angehörige der Bundeswehr in die Spenderdatei der Stiftung aufgenommen werden. Menschen, die sich bereit erklärt haben, im Ernstfall für einen an Leukämie erkrankten Menschen Stammzellen zu spenden und so vielleicht ein Leben zu retten. Der 23-jährige Martin Kögel aus München war 2010 Rekrut in Kummersbrück und ließ sich dort typisieren, jetzt hatte er die Chance, einem wildfremden Menschen zu helfen. Und das hat er getan.
Der gebürtige Siegenburger ließ sich vor gut drei Jahren bei der Stefan-Morsch-Stiftung als potenzieller Stammzellspender registrieren. Damals leistete er als einer der letzten den Pflichtwehrdienst bei der Bundeswehr in der Kaserne in Kummersbrück ab. Bei der routinemäßigen Blutuntersuchung der Wehrpflichtigen war die Stefan-Morsch-Stiftung vor Ort und bot ihnen an, sich als potenzielle Lebensretter registrieren zu lassen. Unter dem Leitmotiv “Helfen – Hoffen – Heilen“ leistet die Stiftung seit fast 30 Jahren schnelle und persönliche Hilfe für Krebskranke und ihre Familien. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Deshalb besucht die Stefan-Morsch-Stiftung bundesweit viele Kasernen, um über das Thema Stammzellspende aufzuklären. „Denn medizinische Forschungen haben ergeben, dass gerade junge Männer im Alter zwischen 18 und 40 Jahre die idealen Spender sind“, so die Sprecherin der Stiftung, Andrea Djifroudi.

„Warum nicht? Wenn man einem Hilfsbedürftigen helfen kann, mache ich das“, dachte Martin Kögel und ließ sich genau über das Thema Stammzelltransplantation informieren. Die Registrierung war ganz einfach: Ein Fragebogen, eine Unterschrift und ein Piek – ein Fingerhut voll Blut genügt. Im hauseigenen Labor der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld werden die Blutproben auf die HLA-Merkmale hin analysiert. Damit bezeichnet man einem bestimmten Abschnitt der DNA – der genetische Code eines Menschen. Braucht ein Patient eine Stammzelltransplantation, werden diese Gewebemerkmale, die HLA-Werte, mit denen von registrierten Spendern verglichen. Um als Spender in Frage zu kommen, sollten im Idealfall zehn von zehn Werte übereinstimmen.

2013 bekam Martin Kögel die Nachricht, dass er mit seinen Merkmalen der Glückstreffer für einen ihm unbekannten Patienten ist. Kögel ist nicht mehr bei der Bundeswehr. Er arbeitet inzwischen als Servicekraft für Gastronomie bei einer Zeitarbeitsfirma in München. Zur Stammzellspende, die ähnlich wie eine Blutplasmaspende funktioniert, reiste er nach Birkenfeld zur Entnahmestation der Stiftung. „Danach werden die Spender für zwei Jahre für diesen Empfänger reserviert – falls der Patient noch einmal Hilfe braucht“, informiert die Stiftung. Das bedeutet: Treten bei dem Patienten auch nach der Übertragung von Stammzellen Komplikationen auf, entscheidet das behandelnde Transplantationszentrum sich bisweilen dafür, das blutbildende System mit einer weiteren Lymphozyten-Infusion zu unterstützen. Dazu wurde Martin Kögel, der Science-Fiction-Fan noch einmal um Hilfe gebeten.

Medizinisch betrachtet funktioniert die Lymphozytentransplantation so: Durch eine dosierte zusätzliche Übertragung von aktiven Immunzellen des Spenders nach der Transplantation versucht man, den „Graft-versus-Leukämia“-Effekt zu stärken und damit einen Rückfall der bösartigen Grunderkrankung zu verhindern. Dabei wird das Transplantat aktiv gegen die Krebszellen.

Nachdem Kögel nun ein zweites Mal helfen konnte, weiß er, dass der Aufwand für einen Spender, die Heilung eines todkranken Menschen zu ermöglichen, gering ist: „Es ist kein großer Aufwand für mich gewesen. Es ist nichts, wovor man Angst haben muss. Ich würde es jedem empfehlen.“

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