Hoffen – Helfen – Heilen

Mit einem kleinen Piek fing alles an. Michael Braun aus Trier ließ sich 2009 als potenzieller Lebensretter bei der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands ältester Stammzellspenderdatei, registrieren. Nach vier Jahren kann der 25-jährige Soldat den zweiten Schritt machen: Seine Gewebemerkmale passen zu denen eines Leukämiepatienten, der dringend auf eine Stammzelltransplantation angewiesen ist. Michael Braun möchte dem Patienten gerne helfen und erklärt sich bereit, Stammzellen für ihn zu spenden und ihm so die Chance auf Heilung zu geben.
„Das ist eine gute Sache“, denkt sich der Soldat Michael Braun, als er im Frühjahr 2009 während der Blutspende in der Niederauerbach-Kaserne in Zweibrücken die Arbeit der Stefan-Morsch-Stiftung kennenlernt. Er lässt sich registrieren – als Stammzellspender und somit als möglicher Lebensretter. Die Stefan-Morsch-Stiftung ist Deutschlands älteste Stammzellspenderdatei mit Sitz in Birkenfeld. Unter dem Leitmotiv “Helfen – Hoffen – Heilen“ leistet die Stiftung seit fast 30 Jahren schnelle und persönliche Hilfe für Krebskranke und ihre Familien. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Deshalb ist die Stefan-Morsch-Stiftung nahezu täglich in ganz Deutschland unterwegs, um über das Thema Stammzellspende aufzuklären – auch an vielen Bundeswehrstandorten.

Die Registrierung war für den Sportler, der regelmäßig joggt, schwimmt und ins Fitnessstudio geht, ganz einfach: Nach der Aufklärung darüber, wie eine Stammzellspende genau funktioniert, füllt er einen Fragebogen zu seinem Gesundheitszustand aus und unterschreibt eine Einverständniserklärung. Dann werden ihm während der Blutspende einfach 5 ml Blut mehr in ein kleines Röhrchen abgenommen. Im hauseigenen Labor der Stefan-Morsch-Stiftung werden die Blutproben auf ihre Gewebemerkmale, die HLA-Werte, untersucht. Benötigt ein Patient eine Transplantation, werden genau diese HLA-Werte mit denen von potenziellen Spendern in der Datei verglichen. Um als Spender in Frage zu kommen, stimmen im Idealfall zehn von zehn dieser Werte überein. In den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien wie der Stefan-Morsch-Stiftung sind weltweit mehr als 20 Millionen Menschen registriert und trotzdem ist es immer noch ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein passender Spender findet.

Michael Braun ist mittlerweile als Oberstabsgefreiter in der Kaserne Auf der Ell in Merzig stationiert und gehört dem Luftlandeunterstützungsbataillon 262 an. „Wir sind für die Logistik der Luftlandebrigade zuständig“, erklärt er. Im Sommer 2013 erreicht ihn die Nachricht der Stefan-Morsch-Stiftung, dass er eventuell als Spender für einen Leukämiekranken in Frage kommt. „Schon vier Mal hab ich einen Brief von der Stiftung bekommen“, erzählt Braun, „aber erst diesmal passe ich zu einem Patienten.“ Gelassen nimmt er es auf, als feststeht, dass er diesmal der optimale Spender ist: „Ich wollte das ja machen, von daher fand ich es gut.“

Kurz vor Weihnachten fährt Braun nach Birkenfeld zur Voruntersuchung. Um für ihn gesundheitliche Risiken, die die Spende mit sich bringen könnte, auszuschließen, wird sein Gesundheitszustand genau überprüft. Wenige Wochen später ist Entnahmetermin.

Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Die zweite Möglichkeit ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation – wie bei der Stefan-Morsch-Stiftung – werden dann die Stammzellen herausgefiltert. Über die Art der Spende entscheidet der Stammzellspender. Das Transplantat wird dann schnellstmöglich zum Patienten gebracht – ob in die USA, Australien oder nach Flensburg. Denn nach der Entnahme muss die Transplantation innerhalb von 72 Stunden erfolgen.

Michael Braun hat sich für die Apherese entschieden. Das Spritzen des Botenstoffs übernahm er selbst: „Das war kein Problem. Aber die Nebenwirkungen hab ich schon gemerkt. Ich war schlapp und hatte Gliederschmerzen.“ Wer der Empfänger seiner gespendeten Stammzellen ist, spielt für Braun keine Rolle: „Mir ist es egal, wer sie kriegt, so lange es dem Patienten hilft. Dass ich helfe, ist das Wichtigste.“

Er hat die Apherese ohne Probleme überstanden und ist vor der großen Wirkung, die man mit einer Stammzellspende bewirken kann überzeugt: „Ich würde es wieder machen.“