Hoffen – Helfen – Heilen

Beinahe täglich sind Teams der Stefan-Morsch-Stiftung in ganz Deutschland unterwegs, um junge Soldaten als Stammzellspender zu gewinnen. In 2012 konnten so allein mehr als 7500 Angehörige der Bundeswehr in die Spenderdatei der Stiftung aufgenommen werden. Menschen, die sich bereit erklärt haben, im Ernstfall für einen an Leukämie erkrankten Menschen Stammzellen zu spenden und so dem Patienten die Chance auf Heilung zu geben. Michael Tengler aus Erfurt war Zeitsoldat als er sich vor einem Jahr „typisieren“ ließ, jetzt ist er Spender geworden – und vielleicht ein Lebensretter.Michael Tengler ist 20 Jahre alt und noch bis Juni 2013 Soldat. Letztes Jahr in Seedorf war er beim Blutspendetermin der Bundeswehr und traf dort auf ein Team der Stefan-Morsch-Stiftung, die seit 25 Jahren schnelle und unkomplizierte Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke anbietet. Dazu gehört auch der Aufbau einer Stammzellspenderdatei. Denn jedes Jahr erkranken allein In Deutschland fast 11 000 Menschen an Leukämie. Der Blutkrebs ist eine bösartige Erkrankung der weißen Blutkörperchen, die ihren Ausgang im Knochenmark nimmt, wo sämtliche Blutzellen des Menschen im Knochenmark gebildet werden. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann kann nur die Übertragung gesunder Blutstammzellen das Leben des Patienten retten. „Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn es Menschen wie Michael Tengler gibt, die sich typisieren lassen – sprich: in der Spenderdatei erfasst sind“, so Andrea Djifroudi, Sprecherin der bundesweit agierenden Stiftung. Zwar sind in den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien weltweit mehr als 20 Millionen Menschen registriert – trotzdem ist es immer noch ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein passender Spender findet.
Michael Tengler ist so ein Glücksfall. In der Fallschirmjäger-Kaserne in Seedorf hat er sich mit 80 weiteren Bundeswehr-Angehörigen als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren lassen. Die Blutentnahme fand in Zusammenarbeit mit dem Blutspendedienst der Bundeswehr statt, so dass die Soldaten nur einen Pikser über sich ergehen lassen mussten. Das Motto lautet deshalb auch: Einmal stechen, zweimal helfen. Prinzipiell kann sich jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 50 Jahren registrieren lassen. Entsprechende Ausschlusskriterien lassen sich auf der Homepage der Stefan-Morsch-Stiftung nachlesen – ebenso wie die aktuellen Termine für die Typisierungsaktionen: www.stefan-morsch-stiftung.de. Zudem gibt es die Möglichkeit sich über die Homepage auch Online registrieren zu lassen. Über die Rubrik „Informationen für Stammzellspender“ kann man die Einverständniserklärung ausfüllen und sich ein Entnahmeset zuschicken lassen. In dem Päckchen ist das entsprechende Material, um sich bei seinem Hausarzt eine Blutprobe entnehmen zu lassen. Dieses Päckchen wird dann einfach an die Stefan-Morsch-Stiftung zurückgesendet.
Doch Michael Tengler ist schon einen Schritt weiter auf dem Weg zum Lebensretter: Jetzt stimmten seine Gewebemerkmale (HLA-Daten) mit denen eines Leukämiepatienten überein. Als die Stefan-Morsch-Stiftung ihn fragte, ob er das Versprechen von damals einlösen möchte und heute immer noch als Stammzellspender zur Verfügung steht, war er in „freudiger Erwartung“. Nach einer Aufklärung und einem gründlichen Gesundheits-Check wurde er auf die Stammzellspende vorbereitet. Um die überlebenswichtigen Stammzellen beim Spender zu entnehmen, gibt es zwei Varianten: Durch eine Punktion des Beckenkamms wird Knochenmark entnommen – niemals aus dem Rückenmark. Das zweite Verfahren ist die Stammzellgewinnung aus dem Blut. Dabei wird dem Spender wenige Tage vor der Entnahme ein körpereigener Botenstoff verabreicht. So reichert sich das Blut mit Stammzellen an und kann dann in einer Entnahmestation (Apherese) ähnlich wie bei einer Dialyse oder Blutplasmaspende entnommen werden. Die Nebenwirkungen sind gleichen denen einer beginnenden Grippe, verschwinden aber nach der Entnahme. Das hat auch Michael Tengler zu spüren bekommen. Trotzdem würde er sich wieder als Stammzellspender zur Verfügung stellen, „weil ich das für das Richtige halte. Und: Weil es keine große Sache ist, im Vergleich zu dem, was der Patient davon hat.“ Emil Morsch, Gründer der Stefan-Morsch-Stiftung, dankt Michael Tengler und all den Soldaten, die sich in den verschiedensten Bundeswehrstandorten schon registrieren ließen. Er ergänzt den Schlusssatz des jungen Soldaten: „Der Patient bekommt nicht mehr und nicht weniger als die Chance auf Leben.“