Hoffen – Helfen – Heilen

Was passiert bei einer Knochenmarkspende bzw., wenn man Stammzellen spendet? Da gibt es viele Vorurteile, weiß Michaela Rodler aus eigener Erfahrung. Die Jandelsbrunnerin hat gerade Stammzellen gespendet und damit vielleicht einem Menschen das Leben gerettet. Sie kennt diesen Menschen nicht, weiß seinen Namen nicht. Sie weiß nur, dass er Leukämie hat und ohne ihre Stammzellspende keine Chance hat, den Blutkrebs zu besiegen. Seit fast drei Jahren hat Michaela Rodler einen Stammzellspenderausweis der Stefan-Morsch-Stiftung. Die junge Sanitätssoldatin hat sich bei einem Blutspendetermin der Bundeswehr in Deutschlands ältester Spenderdatei registrieren lassen. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die Stiftung seit mehr als 25 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Beinahe täglich sind Teams der Stefan-Morsch-Stiftung in ganz Deutschland unterwegs, um junge Soldaten als Stammzellspender zu gewinnen. Fast 11 000 Menschen erkranken jedes Jahr an Leukämie. Oft ist eine Stammzelltransplantation ihre einzige Chance, dem Blutkrebs zu entkommen. „Leider wissen viele Menschen nicht, dass jeder gesunde Mensch ab 18 Jahren mit einer Stammzelltransplantation Leben retten kann“, so der Stiftungsgründer Emil Morsch. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn es Menschen gibt, die sich typisieren lassen – sprich: als Stammzellspender in der Spenderdatei erfasst sind.
Michaela Rodler hat sich damals bei dem Blutspendetermin der Bundeswehr spontan entschieden: „Wenn man anderen helfen kann, macht man das!“ Um Stammzellen transplantieren zu können, müssen die Gewebemerkmale von Spender und Patient übereinstimmen. So sind in den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien wie der Stefan-Morsch-Stiftung zwar weltweit über 20 Millionen Menschen registriert – trotzdem ist es immer noch ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein passender Spender findet. Als die 21-Jährige jetzt die Nachricht bekam, dass sie helfen kann, hatte sie doch „ein mulmiges Gefühl“, gibt sie offen zu. Die Mitarbeiter der Stefan-Morsch-Stiftung kennen das: „es gibt einfach noch sehr viele Vorurteile. Das schlimmste ist, dass viele glauben, die Stammzellentnahme erfolge aus dem Rückenmark. Das ist völlig falsch und wurde auch noch nie gemacht“, so die Sprecherin der Stiftung, Andrea Djifroudi.
Bei den folgenden Vorgesprächen und Untersuchungen wurde Michaela Rodler über jedes noch so kleine Risiko aufgeklärt, das bei der Entnahme der Stammzellen auftreten kann. Erst dann musste die junge Frau entscheiden, ob sie zur Stammzellentnahme bereit ist. „Ich wurde wirklich gut informiert. Meine Eltern sind ebenfalls typisiert. Auch sie haben gesagt: „Das ist eine super Sache“, erzählt die Soldatin, die in Regensburg stationiert ist. Der Leukämiepatient braucht die Stammzellen, damit sich sein eigenes Blut bildendes System wieder regenerieren kann. Diese Stammzellen finden sich im Knochenmark. Es gibt zwei Verfahren, um diese überlebenswichtigen Zellen zu transplantieren: Durch eine Punktion des Beckenkamms wird Knochenmark entnommen – niemals aus dem Rückenmark. Das zweite Verfahren – das am häufigsten angewandte – ist die Stammzellgewinnung aus dem Blut. Dabei wird dem Spender wenige Tage vor der Entnahme ein körpereigener Botenstoff verabreicht. So reichert sich das Blut mit Stammzellen an und kann dann wie bei einer Dialyse entnommen werden. Michaela Rodler ist danach froh, dass sie helfen konnte und sagt: „Ich würde es in jedem Fall wieder machen.“