Hoffen – Helfen – Heilen

Seit sechs Jahren hat Natascha Spangenberg den Stammzellspender-Ausweis der Stefan-Morsch-Stiftung. Wie viele ihrer Mitschüler am Oswald-von-Nell-Breuning-Berufskolleg in Coesfeld ließ sie sich damals ein bisschen Blutabnehmen, um im Ernstfall einem an Leukämie erkrankten Menschen zu helfen. Jetzt als 24 Jährige ist es soweit: Mit ihrer Stammzellspende kann sie einem 13 Jährigen Jungen aus dem Iran vielleicht das Leben retten.
Seit mehr als 25 Jahren bietet die Stefan-Morsch-Stiftung unter dem Leitmotiv “Helfen – Hoffen – Heilen“ Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Die Stiftung ist die älteste Stammzell-Spenderdatei Deutschlands. Die Hilfe funktioniert international. Das bedeutet: Nach entsprechender Aufklärung muss ein Spender schriftlich sein Einverständnis zur Blutabnahme und Registrierung seiner Daten geben. Aus einer Blutprobe(knapp ein Fingerhut voll Blut) werden die Gewebemerkmale des Spenders im hauseigenen Labor der Stiftung bestimmt und bei der Spenderdatei gespeichert. Von dort werden sie anonym dem Zentralregister in Ulm übermittelt, wo sie mit denen der Patienten weltweit verglichen werden können. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich somit die Chance, dass einem leukämiekranken Patienten in Deutschland, aber auch rund um den Globus das Leben gerettet werden kann. Jetzt einem Kind im Iran, das ohne Natascha Spangenbergs Hilfe, keine Chance hätte, zu überleben.

Die sportliche Frau sucht gerade einen Ausbildungsplatz im kaufmännischen Bereich. Als die Nachricht kam, dass sie als Spenderin gebraucht wird, war ihre Antwort eindeutig: „Wenn ich jemandem helfen kann…“. Darauf ist ihr Vater Peter Spangenberg stolz. Er ist selbst Blutspender, hat einen Organspende-Ausweis und ebenfalls als Stammzellspender „typisiert“: Wenn man auch nur einem Menschen das Leben verlängern kann und wieder ein bisschen Lebensqualität geben kann, dann hat es sich schon gelohnt.“

Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung aber nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Diese Stammzellen finden sich im Knochenmark. Stimmen die Daten eines Spenders mit denen eines Patienten überein, gibt es zwei Verfahren, um diese überlebenswichtigen Stammzellen zu transplantieren: Durch eine Punktion des Beckenkamms wird Knochenmark entnommen – niemals aus dem Rückenmark. Das zweite ist die Stammzellgewinnung aus dem Blut. Dabei wird dem Spender wenige Tage vor der Entnahme ein körpereigener Botenstoff verabreicht. So reichert sich das Blut mit Stammzellen an und kann dann in einer Entnahmestation (Apherese) ähnlich wie bei einer Dialyse entnommen werden.
Genau diese Prozedur hat auch Natascha Spangenberg hinter sich. Sie würde sich wieder als Spenderin zur Verfügung stellen: „Ich weiß ja, was auch mich zukommt. Und wenn man auf dieses Art jemandem helfen kann …“