Hoffen – Helfen – Heilen

Ich habe es für die Tafel Schokolade gemacht“, grinst Roman Weber den Ernst der Angelegenheit einfach weg. 2011 hatte sich der junge Mann aus Niedersohren (Rhein-Hunsrück-Kreis) bei einer gemeinsamen Spendenaktion des Herzog-Johann-Gymnasiums in Simmern und Stefan-Morsch-Stiftung typisieren lassen. Jetzt gaben seine im Dezember gespendeten Stammzellen einem wildfremden Menschen mit Leukämie irgendwo auf der Welt die letzte Chance auf Leben.Die Schüler rufen regelmäßig gemeinsam mit der Stiftung zur Registrierung als Stammzellspender auf. So auch im Sommer 2011. 11.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an Leukämie. Ohne eine Stammzellspende hätten viele kaum eine Chance, gesund zu werden. Daher sind Typisierungsaktionen so wichtig. Dabei werden mögliche Spender registriert, die Aktionen rütteln Schüler auf und mobilisieren Väter und Mütter, Nachbarn, Freunde oder einfach nur diejenigen, die schlicht helfen möchten. Roman Weber gehörte zu denmehr als 100 jungen Menschen, die damals dem Aufruf gefolgt waren – und sich über ein süßes Dankeschön freuen durften. „Die Stiftung hatte eine Unmenge Schokolade mit“, erklärt er seinen Einstiegs-Scherz.
Im Oktober dieses Jahres informierte die Stefan-Morsch-Stiftung aus Birkenfeld dann den heute 23-Jährigen, dass er eventuell als Spender infrage kommen könne. Da zeigte sich der Rettungssanitäter von seiner ernsthaften Seite: „Ich habe keine Sekunde überlegt, ob ich spenden sollte“, so Roman Weber. Ein Cousin von ihm war mit 14 Jahren an Leukämie gestorben. Dieses Schicksal in der Familie hat den jungen Roman für sein Leben geprägt. „Ich habe mich gefreut, dass ich helfen kann.“ Und schon wird es ihm wieder zu ernst: „Besonders gefreut habe ich mich, dass ich nur wenige Kilometer nach Birkenfeld zu fahren hatte. Ich brauchte noch nicht einmal eine Übernachtung“, klingt es wieder flapsig aus seinem Munde.
Eine Reihe von Bluttests und umfassende Aufklärungsgespräche durch Deutschlands ältester Stammzellspender-Datei haben Roman Weber auf die entscheidenden Wochen vorbereitet. Ein paar Freunde seien schon besorgt gewesen, ob das nicht doch gefährlich sei, erzählt der 23-Jährige. Für den leukämiekranken Patienten sei das ganz sicher sehr viel schlimmer, habe er stets darauf geantwortet. Da er Stammzellen mittels Apherese spenden sollte, musste sich der Rettungssanitäter vorher vier Tage lang ein Medikament spritzen, das seinen eigenen Stammzellenpool angeregt hat. „Ich habe mit Rückenschmerzen und Kopfweh reagiert “, erinnert er sich. „Das war aber kein Grund für einen Rückzieher. Schließlich habe ich auch sonst Kopfschmerzen.“ Die Beschwerden ließen auch rasch wieder nach.
In den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien wie die der Stefan-Morsch-Stiftung sind derzeit weltweit mehr als 27 Millionen Menschen registriert. Trotzdem ist es für jeden Patienten ein Glücksfall, wenn sich nach einer bis dahin erfolglosen Therapie ein passender Spender findet. Denn nur bei einem Drittel der Patienten kommen Familienangehörige infrage. Bei der Apherese – der heute gängigsten Entnahme-Methode – werden die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert. Eine Narkose oder gar eine Operation sind nicht erforderlich. „Bei der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld ist das alles top abgelaufen. Vor allem die hohen Hygienestandards haben mich sehr beeindruckt“, lobt Roman Weber. Von Berufswegen hatte er genau und interessiert hingeschaut. Da konnte die Mutter ihren Sohn anschließend beruhigt nach Hause fahren. Inzwischen haben sich schon ein, zwei Menschen aus seiner Umgebung bei ihm gemeldet und sich nach einer Typisierung erkundigt. Roman Weber kann alle nur ermutigen, sich registrieren zu lassen. Er ist längst wieder fit und bereit fürs Stallausmisten auf einem Tierlebenshof. Denn nicht nur Menschen liegen dem 23-Jährigen am Herzen, in seiner Freizeit ist er auch im Tierschutz aktiv. (AW)