Hoffen – Helfen – Heilen

Ein kleiner Piek vor fast vier Jahren war Sascha Rings erster Schritt auf dem Weg zum Lebensretter. In der Alsberg-Kaserne in Rennerod (Westerwaldkreis) ließ sich der 25-Jährige aus Mühlheim am Rhein (Kreis Offenbach) im August 2010 als StammzellStammzellenspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren. Jetzt hat der Unteroffizier den zweiten entscheidenden Schritt getan: Er hat seinem an Leukämie erkrankten genetischen Zwilling, einem ihm völlig wildfremden Menschen, mit einer Stammzellspende die Chance gegeben, den Blutkrebs zu besiegen: „Ich bin glücklich, dass ich die Gelegenheit habe, ein Menschenleben zu retten.“Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz in Birkenfeld (Rheinland-Pfalz) ist die älteste StammzellStammzellenspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die Stiftung seit fast 30 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist es, Menschen zu werben, sich als StammzellStammzellenspender zu registrieren. Beinahe täglich sind Teams der Organisation in ganz Deutschland unterwegs, um junge Menschen als StammzellStammzellenspender zu gewinnen. So klären Mitarbeiter der Stiftung zusammen mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr in verschiedenen Kasernen die Soldaten über diese Form der Lebendspende auf.
Sascha Ring, 2010 noch im Westerwald stationiert, überlegte nicht lange: „Ich möchte gern Gutes tun. Und hier kann man mit geringem Aufwand ein Menschenleben retten.“ Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland mehr als 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn es Menschen wie Sascha Ring gibt, die sich typisieren lassen.
Um sich als möglicher Lebensretter bei der Stefan-Morsch-Stiftung zu registrieren, lässt sich Ring eine Blutprobe abnehmen. So viel wie in einen Fingerhut passt. Eine Sprecherin der Stefan-Morsch-Stiftung erklärt: „Das Blut wird im Labor der Stefan-Morsch-Stiftung auf die für die Transplantation relevanten Gewebemerkmale, die HLA-Werte, untersucht. Die Daten stehen anonymisiert im deutschen Zentralregister (ZKRD) zur Verfügung. Dort laufen die Suchanfragen aus aller Welt auf. Gibt es eine Übereinstimmung mit den Daten eines Patienten, wird die entsprechende StammzellStammzellenspenderdatei informiert, die sich dann mit dem Stammzellenspender in Verbindung setzt.“
Mittlerweile ist Sascha Ring in der General-Hans-Graf-Sponeck-Kaserne in Germersheim stationiert. Er arbeitet dort als Rettungssanitäter. Nebenbei trainiert er in Germersheim regelmäßig Aiki-Dan-Do, einem Selbstverteidigungssport. Als die Stefan-Morsch-Stiftung ihn Anfang 2014 anruft, weiß er schon, was auf ihn zukommt und freut sich: „Ein Bekannter hat Stammzellen gespendet. Er hat sehr eindrucksvoll davon erzählt. Deswegen weiß ich, wie gering der Aufwand ist – für einen guten Zweck.“ Sascha Ring will helfen. Er willigt in weitere Bluttests ein. „Schon drei Wochen später kam die Nachricht, dass ich der passende Stammzellenspender für den Leukämiekranken bin. Ich hatte keine Bedenken und konnte es nicht abwarten.“ Seine Freunde interessieren sich für Rings Stammzellspende: „Meinen Kameraden muss ich Fotos von der Stammzellspende mitbringen“, erzählt Sascha Ring.
Stammzellen kann man auf zwei Arten spenden. Einmal durch Knochenmarkentnahme aus dem Beckenknochen – niemals aus dem Rückenmark. Die zweite Möglichkeit ist die Apherese. Hierbei werden Stammzellen ähnlich wie bei der Blutplasmaspende aus dem Blut gesammelt.“ Sascha Ring entscheidet sich für die Apherese. In der Entnahmeeinheit der Stiftung in Birkenfeld spendet er Stammzellen.
Vor der Entnahme muss sich Ring über ein paar Tage ein Medikament spritzen. Es regt die Bildung von Stammzellen an und lässt sie aus dem Knochenmark ins Blut übergehen. Sascha Ring zieht nach der Entnahme eine positive Bilanz: „Viele Menschen jammern darüber, wie schlecht es ihnen geht. Ohne, dass sie jemals so ein Leid ertragen müssen, wie jemand, der an Leukämie erkrankt ist. Ich habe die Gewissheit, dass ich in meinem Leben was Gutes getan habe – vielleicht sogar ein Leben gerettet.“