Hoffen – Helfen – Heilen

Fast täglich sind Teams der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands ältester StammzellStammzellenspenderdatei, in ganz Deutschland unterwegs, um Menschen für das Thema „Stammzellspende“ zu sensibilisieren. Regelmäßig werden so auch die Absolventen der Landespolizeischule am Flughafen Hahn im Hunsrück über die mögliche Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke informiert – 2006 war der Jahrgang von Sebastian Putsche an der Reihe. Mehr als sechs Jahre später hat er jetzt einem an Leukämie erkrankten Menschen mit einer Stammzellspende die Chance gegeben, den Blutkrebs zu besiegen. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland knapp 11 000 Menschen an Leukämie. Wenn die Behandlung mit Chemotherapie und/oder Bestrahlung nicht ausreicht, ist oft eine Transplantation von Stammzellen die letzte Chance auf Heilung. Voraussetzung dafür ist, dass sich ein passender Stammzellenspender findet. Denn mit der Übertragung von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System, das die Krebszellen ersetzt bzw. verdrängt. Dazu müssen aber die genetischen Merkmale von Patient und Stammzellenspender übereinstimmen – die so genannten HLA-Werte. Diese Werte wurden bestimmt, als Sebastian Putsche sich 2006 von der Stefan-Morsch-Stiftung typisieren ließ.
Als die Stefan-Morsch-Stiftung ihn jetzt kontaktierte, weil seine Gewebemerkmale mit denen eines Patienten übereinstimmten, der dringend eine Stammzellspende benötigte, war er ziemlich „überrascht“. Doch das Versprechen von damals – im Ernstfall zu helfen – wollte er einhalten. Doch bevor es jetzt zur Entnahme kam, mussten eine Reihe von Voruntersuchungen – Blutproben und ein kompletter Check-up seines Gesundheitszustandes – absolviert werden. Zudem wurde der 28 Jährige Familienvater gründlich über die Chancen und Risiken der Stammzellspende aufgeklärt.
Leukämie ist eine bösartige Erkrankung der weißen Blutkörperchen, die ihren Ausgang im Knochenmark nimmt, wo sämtliche Blutzellen des Menschen im Knochenmark gebildet werden. Diese Stammzellen befinden sich normalerweise im Knochenmark. Um sie zu entnehmen gibt es heute zwei Varianten: Bei der klassischen Methode der Knochenmark-Entnahme entnehmen Mediziner etwa 0,8 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen des Stammzellenspenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die zweite Methode ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Stammzellenspender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Stammzellenspender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen aus. Auch Sebastian Putsche hat diese Nebenwirkungen zu spüren bekommen. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen.
Sebastian Putsche hat sich für die zweite Entnahmemöglichkeit entschieden. Familie, Freunde und Kollegen haben ihn auf dem Weg zu potenziellen Lebensretter unterstützt: „Meine Frau hat mir die Spritzen verabreicht. Das war kein Problem.“ Der Polizist ist zurückhaltend, wenn es darum geht, seine Anliegen in der Öffentlichkeit darzustellen. Dennoch hat er sich dazu bereit erklärt, mit seinem Beispiel für eine Typisierung und damit die Registrierung als StammzellStammzellenspender einzutreten: „Ich hatte mich damals entschieden, das zu tun. Das sehe ich auch heute noch genauso.“