Hoffen – Helfen – Heilen

„Es ist ein gutes Gefühl, wenn man helfen kann.“ Die Hilfe, die Simon Schneider aus Neunkirchen an der Saar geleistet hat, ist kein kleiner Gefallen. Der 24 Jährige hat vielleicht einem wildfremden Menschen das Leben gerettet. Zumindest hat er mit seiner Stammzellspende seinem ihm unbekannten genetischen Zwilling – einem Leukämiepatienten – die Chance gegeben, den Blutkrebs zu besiegen. Die Geschichte beginnt vor einigen Jahren während seiner Zivildienstzeit. In Trier absolviert er einen Zivildienstlehrgang beim Bundesamt für die Zivildienstschule. Dieses Bildungszentrum untersteht heute dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Dort unterrichtet Ewald Müller-Gouverneur. Der Lehrer engagiert sich seit vielen Jahren dafür, dass sich die Schüler „typisieren“ lassen. Typisierung“ bedeutet: Nach entsprechender Aufklärung muss ein Spender schriftlich sein Einverständnis zur Registrierung seiner Daten geben. Aus einer Blutprobe – es genügt ein Fingerhut voll Blut – werden die Gewebemerkmale des Spenders im Labor bestimmt. Gleiches funktioniert auch mit einem Abstrich der Mundschleimhaut, der mit Hilfe eines Wattestäbchens durchgeführt wird.
Simon Schneider, der heute an der Technischen Universität Kaiserslautern studiert, hat sich damals in Trier bei der Stefan-Morsch-Stiftung, der ältesten Stammzellspenderdatei Deutschlands registrieren lassen. Vor einigen Wochen kam dann die Nachricht, dass er als Stammzellspender gebraucht wird. Seine Gewebemerkmale stimmten mit denen eines an Leukämiepatienten überein, dessen einzige Chance eine Transplantation gesunder Blutstammzellen ist. Dadurch bekommt der Patient ein neues Blutbildendes System, das die Krebszellen in seinem Körper verdrängen soll.
Sein passender Spender weiß nicht wer dieser Patient ist und wo er wohnt, aber Simon Schneider wollte helfen. Familie und Freunde haben ihn dabei unterstützt, ob es sicherlich tausend Fragen gab: „Wie werden die Stammzellen entnommen? Welche Risiken gibt es?“ Doch der Student des Wirtschaftsingenieurwesens hat mittlerweile auch medizinisches Fachwissen, mit dem er manches Vorurteil ausräumen und Aufklärung leisten kann. „Nach den Voruntersuchungen blieb für mich wirklich keine Frage offen“, so Schneider.
Um die Stammzellen beim Spender zu entnehmen gibt es heute zwei Varianten: Bei der klassischen Methode der Knochenmark-Entnahme entnehmen Mediziner etwa 0,8 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die zweite Methode ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Spender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen aus. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen.
Weil er sich für die Entnahme peripherer Blutstammzellen entscheiden hatte, musste er kurzfristig mit dem Besuch im Fitnessstudio pausieren. Trotzdem zieht der Neunkirchner ein positives Fazit nach seiner Stammzellspende: „Es ist wirklich nicht viel Aufwand, im Vergleich zu dem was man bewirken kann.“