Hoffen – Helfen – Heilen

Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke wollte die Polizeischule in Selm-Bork vor gut zwei Jahren leisten. Deshalb hatte sie zusammen mit der Stefan-Morsch-Stiftung ihre jungen Polizeianwärter aufgerufen, sich typisieren zu lassen. Fast 200 junge Polizeibeamte haben sich als Stammzellspender registrieren lassen. Unter ihnen war auch Steffen Machost aus Münster, der nun einem an Leukämie erkrankten Menschen durch seine Stammzellspende, die Chance auf Leben geben konnte. „Die Typisierung ist eine gute Sache“, sagt er. Steffen Machost ist 24 Jahre alt und Kommissaranwärter im gehobenen Dienst. Schon bald wird er seine Ausbildung im Polizeivollzugsdienst abgeschlossen haben. Im Frühjahr 2011 war er im Landesamt für Ausbildung, Fortbildung u. Personalangelegenheiten der Polizei Nordrhein-Westfalen in Selm-Bork: „Wir haben uns damals typisieren lassen. Ich fand das eine gute Sache“, erzählt der Münsteraner.
Die Stefan-Morsch-Stiftung leistet unter dem Leitmotiv “Helfen – Hoffen – Heilen“ seit mehr als 25b Jahren schnelle und persönliche Hilfe für Krebskranke und ihre Familien. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Deshalb wirbt die Stefan-Morsch-Stiftung für eine „Typisierung“ – eine Registrierung in der Spenderdatei. Das bedeutet: Nach entsprechender Aufklärung muss ein Spender schriftlich sein Einverständnis zur Blutabnahme und Registrierung seiner Daten geben. Aus einer Blutprobe(knapp ein Fingerhut voll Blut) werden die Gewebemerkmale des Spenders im hauseigenen Labor der Stiftung bestimmt und bei der Spenderdatei gespeichert. Gleiches funktioniert auch mit einem Abstrich der Mundschleimhaut. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich somit die Chance, dass einem leukämiekranken Patienten das Leben gerettet werden kann.
Diese Chance bekam vor wenigen Wochen Steffen Machost: „Ich habe mich gefreut, dass ich ausgewählt wurde.“ Um die Stammzellen beim Spender zu entnehmen gibt es heute zwei Varianten: Bei der klassischen Methode der Knochenmark-Entnahme entnehmen Mediziner etwa 0,8 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die zweite Methode ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Spender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen aus. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen. Steffen Machost hat dieses „Apherese“ genannte Verfahren gewählt. Der 24 Jährige zieht ein positives Fazit nach seiner Stammzellspende: „Es ist schon ein krasses Ding, dass man so einem Menschen das Leben retten kann.“