Hoffen – Helfen – Heilen

Die Frühlingssonne, die ihre wärmenden Strahlen durch die noch lichten Bäume schickt, genießt Tanja Pörsch von ganzem Herzen. Dabei schaut die Kastellaunerin nach ihrer kleinen Tochter, die mit der Cousine fröhlich durch den Wald tobt und Moos sammelt. Momente der Ruhe und des Innehaltens – und Zeit für die Gedanken an eine 49-jährige unbekannte Frau, von der Tanja Pörsch nur weiß, dass sie an Leukämie erkrankt ist. Für diese Unbekannte hat die Hunsrückerin Stammzellen gespendet  und die Hoffnung auf einen Sieg im Kampf gegen den Blutkrebs.
„Gefühlte 15 bis 20 Jahre“ sei es her, dass sich Tanja Pörsch bei der Stefan-Morsch-Stiftung typisieren ließ, erzählt die 43-Jährige Mutter. Deutschlands älteste Stammzellspenderdatei aus Birkenfeld weiß es genau: Es war am 31. März 1999 bei einem Hilfeaufruf für einen Jungen aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis. Die Jahre vergingen. Zwischenzeitlich hätte es beinahe mit einer Spende geklappt, doch eine zweite Untersuchung ergab, dass die genetischen Merkmale nicht ideal übereinstimmten.  Tanja Pörsch, Lehrerin an der Wendelinus-Grundschule – „eine Zwergschule mit 26 Kindern“ – in Lieg, dachte nicht mehr daran. Bis zu dem Tag im Februar diesen Jahres, als es wieder Post gab aus Birkenfeld.

„Ich war schon aufgeregt, als es jetzt ernster wurde“, erzählt sie. Ob sie sich die ganze  Sache eventuell noch einmal überlegen wollte? „Es stand für mich völlig außer Frage, dass ich spende“, wird Tanja Pörsch nachdrücklich. „Dafür habe ich mich doch auch typisieren lassen.“ Sie kann nicht verstehen, warum nicht jeder gesunde Mensch dies ebenfalls tut. Eine Selbstverständlichkeit für sie. Alle in ihrem Umfeld und im Bekanntenkreis seien in einer Stammzellspenderdatei registriert. Der Schwiegervater hatte ein wenig Bedenken, da die 43-Jährige jetzt selbst eine viereinhalbjährige Tochter hat. „Er dachte ja noch, dass dafür am Rückenmark operiert werden müsste“, sagt sie. Dabei wird auch bei einer Knochenmarkspende nur der Beckenkamm punktiert. Die weitaus häufigere Entnahmeform ist jedoch die Blutstammzellspende.

Die Lehrerin war informiert und konnte so schnell die Bedenken zerstreuen: Bei der so genannten peripheren Stammzellspende – der Apherese – werden die Stammzellen aus dem venösen Blut herausgefiltert. Eine Narkose oder gar eine Operation sind nicht erforderlich. Vier Tage lang muss sich der Spender vorher ein Medikament spritzen, das seinen eigenen Stammzellenpool vorübergehend auf Vordermann bringt. Das kann schon zu kleineren gesundheitlichen Einschränkungen führen – ähnlich einer Grippe mit Kopf- und Gliederschmerzen.

In der 3./4. Klasse der Wendelinus-Grundschule standen Leukämie und Stammzellspende für zwei Tage auf dem Stundenplan. „Ich musste mich ja kurz krankmelden und habe versucht, den Kindern mit Hilfe von Bildern zu erklären, weshalb ich fehle“, erzählt Tanja Pörsch. Die Kleinen waren sehr interessiert und haben hinterher nachgefragt, wie es ihrer Lehrerin ergangen ist. „Ich war schon schlapp gewesen, hatte Kopfschmerzen und einen Druck im Rippenbereich. Aber das war alles gut auszuhalten gewesen.“ Sie habe auch immer an die sechs Jahre ältere Patientin aus Deutschland gedacht, wie es ihr wohl nun ergehen mag. „Das hat mir Mut gegeben.“

Tanja Pörsch ist froh und dankbar, helfen zu können. Und blinzelt gegen die wärmende Frühlingssonne, das Lachen der Mädchen im Ohr. Sie fühlt sich der unbekannten Frau nahe und hofft, dass sich deren Gesundheit nun deutlich verbessert. 11.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an Leukämie. Ohne eine Stammzellspende hätten sie kaum eine Chance gesund zu werden. Die Suche nach geeigneten Spendern ist allerdings mühsam. Daher sind regelmäßige Typisierungsaktionen so wichtig, betont die Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands älteste Stammzell-Spenderdatei. (AW)