Hoffen – Helfen – Heilen

Wenn der Alarm los geht, muss sich Thomas Gröne aus Marienmünster, Kreis Höxter, beeilen. Wenn die freiwillige Feuerwehr Marienmünster ausrückt, muss die Firma woelke it-solution ohne den Softwareentwickler weitermachen. Das kennt man dort schon. Jetzt muss das Unternehmen wieder auf Gröne verzichten. Doch um den 27-Jährigen dabei zu unterstützen, womöglich einem Menschen das Leben zu retten, tut man das gern. Diesmal ist jedoch nicht der Feuerwehrmann Thomas Gröne gefragt, sondern der Stammzellspender. Er hat zufällig die selben Gewebemerkmale wie ein an Leukämie erkrankter Patient. Mit seiner Stammzellspende kann Gröne dem Erkrankten helfen, den Blutkrebs zu besiegen.
Leukämie – 11.000 Mal pro Jahr wird allein in Deutschland diese Diagnose gestellt. Wenn Chemotherapie und Bestrahlung nicht erfolgreich sind, kann nur noch die Transplantation von Stammzellen helfen. Fast täglich sind Mitarbeiter der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands älteste Stammzellspenderdatei, bundesweit unterwegs, um Menschen zu finden, die bereit sind sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. Menschen wie Thomas Gröne. Vor zehn Jahren nutzt er die Gelegenheit, sich an seiner Berufsschule in Brakel (Kreis Höxter)als freiwilliger Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren zu lassen. Das war ganz einfach: Nachdem er über das Thema Stammzelltransplantation aufgeklärt wurde, füllt er einen Fragebogen aus und unterschreibt eine Einverständniserklärung. 5 ml Blut lässt er sich abnehmen. Die Blutprobe wird dann auf die Gewebemerkmale, die sogenannten HLA-Werte, untersucht. Benötigt ein Patient eine Transplantation, werden seine HLA-Werte mit denen in den Spenderdateien weltweit verglichen. Zehn von zehn Merkmale stimmen im Idealfall überein. Dann besteht Hoffung, dass eine Transplantation erfolgreich verlaufen kann.

Im Frühjahr 2013 ist es für Gröne soweit: Die Stefan-Morsch-Stiftung ruft ihn an. „Es war ein komisches Gefühl. Aber dann hatte sich die Typisierung ja gelohnt.“ Doch die Spende wird abgesagt. Wenn sich der Gesundheitszustand des Patienten ändert, ist eine Transplantation nicht möglich. Bei Gröne sollte es aber doch noch zur Entnahme kommen: „Im Winter wurde mir mitgeteilt, dass die Transplantation doch gemacht werden muss und ich wurde gefragt, ob ich noch zu einer Stammzellentnahme bereit wäre. – Das war ich!“ Dann geht alles schnell. Eine Woche später fährt er nach Birkenfeld zur Voruntersuchung, der Termin für die Entnahme findet zwei Wochen später statt. „Ich war während der zwei Wochen vor dem Termin nervös. Man weiß ja nicht genau, was auf einen zukommt. Im Nachhinein war es grundlos“, erklärt Gröne.

Viele im Bekanntenkreis von Thomas Gröne sind typisiert und wollen wissen, wie die eigentliche Stammzellentnahme funktioniert. Auch in der Firma herrschte großes Interesse daran. Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Die zweite Möglichkeit ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen (Apherese)aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation – wie bei der Stefan-Morsch-Stiftung – werden dann die Stammzellen herausgefiltert. Über die Art der Spende entscheidet der Stammzellspender.

Gröne entscheidet sich für die Apherese. In der Vorbereitungszeit achtet er auf sich: „Wäre es zu einem Feuerwehreinsatz gekommen, wäre ich nicht mitgekommen.“ Er will nicht riskieren, dass er durch eine Verletzung oder eine Krankheit als Spender ausfällt. Thomas Gröne hat die Apherese gut überstanden: „Es geht mir gut! Ich hab ein leichtes Kribbeln gespürt, aber das war es schon. Ich kann nur jedem raten, sich typisieren zu lassen. Ich würde es immer wieder tun!“