Hoffen – Helfen – Heilen

„Hilfe für Maurice“ hieß vor mehr als zehn Jahren der Aufruf für einen leukämiekranken Jungen in Dortmund: Fast 5000 Menschen haben sich damals als StammzellStammzellenspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren lassen. Thomas Nimptsch war einer derjenigen, der hoffte Maurice helfen zu können. Maurice hat damals einen anderen Stammzellenspender gefunden – einen Lebensretter. Jetzt hat aber Thomas Nimptsch die Chance bekommen, das Leben eines Menschen mit einer Stammzellspende zu retten.
Thomas Nimptsch ist heute 33 Jahre alt und hat eine kleine Tochter: „Johanna“ ist noch kein Jahr alt. Für den Medienberater bei „Der Bote“ im Märkischen Zeitungsverlag war es keine Frage, dass er sich als StammzellStammzellenspender zur Verfügung stellt: „Ich wollte Maurice helfen.“ Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland mehr als 10 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Diese Stammzellen finden sich im Knochenmark. Stimmen die Gewebemerkmale eines Stammzellenspenders mit denen eines Patienten überein, gibt es zwei Verfahren, um diese überlebenswichtigen Stammzellen zu transplantieren: Durch eine Punktion des Beckenkamms wird Knochenmark entnommen – niemals aus dem Rückenmark. Das zweite Verfahren ist die Stammzellgewinnung aus dem Blut. Dabei wird dem Stammzellenspender wenige Tage vor der Entnahme ein körpereigener Botenstoff verabreicht. So reichert sich das Blut mit Stammzellen an und kann dann in einer Entnahmestation (Apherese) ähnlich wie bei einer Dialyse entnommen werden.

Thomas Nimptsch hat seine Meinung nicht geändert. Er will helfen: „Ich war davon ausgegangen, dass das Knochenmark aus dem Beckenkamm punktiert wird. Von der Apherese wusste ich noch nichts. Trotzdem war klar, dass ich diese Spende mache.“ Die Frage nach dem „Warum?“ findet er überflüssig: „Man weiß doch, dass es um einen Menschen geht, den man zwar nicht kennt, aber dessen Leben von dieser Spende abhängt. Und man kann sich doch vorstellen, wie es der Familie dieses Menschen geht“, sagt der junge Vater, der von seiner Frau Katharina voll unterstützt wird.

Mit der Transplantation der Stammzellen bekommt der Patient ein neues, gesundes blutbildendes System. Eine solche Übertragung ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. KnochenmarkStammzellenspender zur Verfügung stellt. Deshalb wirbt die Stefan-Morsch-Stiftung für eine „Typisierung“ – eine Registrierung in der Stammzellenspenderdatei.
Das bedeutet: Nach entsprechender Aufklärung muss ein Stammzellenspender schriftlich sein Einverständnis zur Blutabnahme und Registrierung seiner Daten geben. Aus der Blutprobe(knapp ein Fingerhut voll Blut) werden die Gewebemerkmale des Stammzellenspenders im hauseigenen Labor der Stiftung bestimmt und bei der Stammzellenspenderdatei gespeichert. Denn für den Erfolg der Übertragung ist eine nahezu vollständige Übereinstimmung der HLA-Gewebemerkmale (Humane Leukozyten-Antigene) von Empfänger und Stammzellenspender notwendig. Mit jedem Unterschied steigt beim Patienten das Risiko, dass es zu bedrohlichen Komplikationen kommt. Nur für etwa ein Drittel der Patienten werden Stammzellenspender in der eigenen Familie gefunden. Deswegen muss bei der überwiegenden Anzahl der Patienten nach einem nicht verwandten Stammzellenspender gesucht werden. Die Stefan-Morsch-Stiftung speist die Daten ihrer Stammzellenspender anonymisiert in das Zentralregister in Ulm eint, wo sie für weltweite Suchanfragen zur Verfügung stehen. Mit jedem neu gewonnenen Stammzellenspender erhöht sich somit die Chance, dass einem leukämiekranken Patienten das Leben gerettet werden kann.
So trägt die Aktion “Hilfe für Maurice“ heute noch Früchte. Und für Thomas Nimptsch ist klar: „Wenn man einem Menschen so leicht helfen kann, sollte man das auch machen.“