Hoffen – Helfen – Heilen

„Die Möglichkeit zu bekommen, vielleicht ein Leben zu retten, wann hat man das schon?“ Für Thomas Repetiuk aus Werl, der seit sechs Jahren bei der Stefan-Morsch-Stiftung als Stammzellspender registriert ist, war die Nachricht, dass er einem leukämiekranken Patienten helfen kann, eine richtig frohe Botschaft. Er und seine Frau Jacqueline wissen aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn man um das Leben eines geliebten Menschen hofft und bangt. „Man ist froh um jeden Hoffnungsschimmer.“
Gemeinsam sind sie nach Birkenfeld in Rheinland-Pfalz zur Stefan-Morsch-Stiftung gereist, damit der gelernte Werkzeugmechaniker die Stammzellentnahme machen kann: „Ich wünschte jeder würde sich automatisch typisieren lassen“, sagt der 33 Jährige, der leidenschaftlich gerne Fußball spielt. Als Kapitän seiner Mannschaft hat er es damals initiiert, dass sich das ganze Team Blut abnehmen ließ. „Typisierung“ lautet der Fachbegriff für die Registrierung als Stammzellspender: Nach einer entsprechenden Aufklärung muss ein Spender schriftlich sein Einverständnis zur Blutabnahme und Registrierung seiner Daten geben. Aus einer Blutprobe – kaum ein Fingerhut voll wird benötigt – werden die Gewebemerkmale des Spenders im Labor bestimmt und in der Datei der Stefan-Morsch-Stiftung gespeichert. Diese Daten werden anonymisiert in das Zentrale Knochenmarkspender-Register für die Bundesrepublik Deutschland (ZKRD) eingespeist. 30 Dateien – wie die Stefan-Morsch-Stiftung – tragen die Daten der Spender dort ein, damit sie für weltweite Suchanfragen zur Verfügung stehen. Mit jedem neu gewonnen Spender erhöht sich somit die Chance, dass Menschen mit Blutkrebs geholfen werden kann.

Im Fall von Thomas Repetiuk geht das Transplantat in die Niederlande zu einem Patienten: „Ich hoffe, dass meine Stammzellen gut arbeiten, wir uns vielleicht irgendwann einmal sogar kennenlernen können.“ Rein rechtlich ist das erst nach zwei Jahren möglich. Bis dahin muss sich Thomas Repetiuk wegen des Datenschutzes damit zufrieden geben, dass er erfahren durfte, in welches Land das Transplantat gegangen ist, wie alt der Patient ungefähr ist und ob es ein Mann oder eine Frau war, für die er gespendet hat.

Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. So wird für jeden Patienten muss ein persönlicher Therapieplan erstellt. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung aber nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Diese Stammzellen finden sich im Knochenmark. Stimmen die Daten eines Spenders mit denen eines Patienten überein, gibt es zwei Verfahren, um diese überlebenswichtigen Stammzellen zu transplantieren: Durch eine Punktion des Beckenkamms wird Knochenmark entnommen – niemals aus dem Rückenmark. Das zweite Verfahren – und mittlerweile das am häufigsten angewandte (90 Prozent) – ist die Stammzellgewinnung aus dem Blut. Dabei wird dem Spender wenige Tage vor der Entnahme ein körpereigener Botenstoff verabreicht. So reichert sich das Blut mit Stammzellen an und kann dann in einer Entnahmestation (Apherese) ähnlich wie bei einer Dialyse entnommen werden.

Genau mit Hilfe dieses Verfahrens wurden jetzt bei Thomas Repetiuk angewandt worden. Der Botenstoff kann als Nebenwirkung grippeähnliche Symptome hervorrufen. „Ich hatte ein bisschen Husten und Schnupfen, aber wenn man dadurch jemandem helfen kann, ist das völlig nebensächlich“, sagen Thomas Repetiuk und seine Frau. Einen geliebten Menschen zu verlieren – dieses Schicksal möchten sie anderen Menschen ersparen: „Jetzt vielleicht zum Lebensretter werden zu dürfen. Das ist einfach schön.“