Hoffen – Helfen – Heilen

Über 3000 Menschen haben sich im Herbst 2003 unter dem Motto „Hilfe für Achim“ im Westerwald typisieren lassen. Thomas Weyand war einer von ihnen. Seit dem hat er einen Stammzellspenderausweis der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld, der ältesten Stammzellspenderdatei Deutschlands. Damals wurden seine Gewebemerkmale analysiert – für den Fall, dass ein Leukämiepatient mit den gleichen Daten seine Hilfe braucht. Jetzt stimmten die Gewebemerkmale des 44 Jährigen aus Salz (Westerwaldkreis) mit denen, eines Patienten überein und das Versprechen von damals, Hilfe zu leisten, wurde eingelöst.
„Einfacher kann man nicht helfen“, sagte sich Thomas Weyand damals, als im Nachbarort zur „Typisierung“ für einen Familienvater aufgerufen wurde. Die Stefan-Morsch-Stiftung ist die älteste Stammzell-Spenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Helfen – Hoffen – Heilen“ leistet sie schnelle und persönliche Hilfe für Krebskranke und ihre Familien. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung aber nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Deshalb wirbt die Stefan-Morsch-Stiftung für eine „Typisierung“ – eine Registrierung in der Spenderdatei. Das bedeutet: Nach entsprechender Aufklärung muss ein Spender schriftlich sein Einverständnis zur Blutabnahme und Registrierung seiner Daten geben. Aus einer Blutprobe(knapp ein Fingerhut voll Blut) werden die Gewebemerkmale des Spenders im hauseigenen Labor der Stiftung bestimmt und bei der Spenderdatei gespeichert. Von dort werden sie anonym dem Zentralregister in Ulm übermittelt, wo sie mit denen der Patienten weltweit verglichen werden können. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich somit die Chance, dass einem leukämiekranken Patienten das Leben gerettet werden kann.

Als nun die Stefan-Morsch-Stiftung bei Thomas Weyand anfragte, ob er sich als Stammzellspender für einem ihm völlig fremden Patienten zur Verfügung stellt, war für den Büroangestellten die Antwort klar: „Keine Frage. Das mach ich!“ Nach entsprechenden Voruntersuchungen, Check-Ups und Aufklärungsgesprächen kam er nach Birkenfeld in die hauseigene Entnahmestation der Stefan-Morsch-Stiftung: Bei der Blutstammzell-Transplantation gewinnt man die Stammzellen nicht aus dem Knochenmark des Beckenknochens, sondern aus dem Blut des Spenders. Vorher muss jedoch die Zahl der zirkulierenden Stammzellen im Blut erhöht werden. Denn Blutstammzellen sind üblicherweise nur im Knochenmark vorhanden.
Hierzu wird der Spender maximal eine Woche lang ambulant vorbehandelt: Ihm wird der Wachstumsfaktor G-CSF unter die Haut gespritzt. Dieser Botenstoff wird natürlicherweise vom menschlichen Organismus gebildet und sorgt unter anderem dafür, dass Stammzellen vom Knochenmark ins Blut übertreten. Als Nebenwirkungen können Knochen-, Muskel-, bzw. Kopfschmerzen und – in seltenen Fällen – Fieber auftreten. Diese möglichen Beschwerden verschwinden jedoch unmittelbar nach dem Absetzen der G-CSF-Gaben. Bei der Spende von Stammzellen aus dem Blut ist weder eine Narkose noch eine Operation erforderlich. In einer Entnahmestation (Apherese) – wie die der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld – können dann ähnlich wie bei einer Dialyse die Stammzellen entnommen werden.

Genau dieses Verfahren wurde jetzt auch bei Thomas Weyand angewandt: Ich hatte vorher leichte Kopfschmerzen, aber die Entnahme ist weniger dramatisch als ich es erwartet hatte. Ich würde es in jedem Fall wieder tun. Schließlich kann man so einem Menschen vielleicht das Leben retten.“