Hoffen – Helfen – Heilen

Wo ist Platz für eine Spielfläche? Passt der Neubau in die Umgebung? Wie schafft man ein ausgeglichenes Verhältnis von Naturflächen und versiegeltem Boden? – Die Entwicklung von räumlichen und sozialen Strukturen der Gemeinde Jüchen in Nordrhein-Westfalen ist das Alltagsgeschäft des Stadtplaners Tim Stein aus Düsseldorf. Doch dieser Tage mussten Pläne und Konzepte warten: Der 33-Jährige möchte ein Leben retten. Dafür fuhr er nach Birkenfeld zur Stefan-Morsch-Stiftung, einer Hilfeorganisation für Leukämie- und Tumorkranke, wo er Stammzellen spendete. Damit gibt er einem fremden Leukämiepatienten, der aber – genetisch gesehen – ihm sehr ähnelt, eine Chance, den Blutkrebs zu besiegen.
„Mit ein paar Klassenkameraden haben wir die freie Zeit zwischen den Abiturprüfungen genutzt. Einer hatte die Idee, zur Typisierungsaktion in Menden zu gehen. Da sind wir dann gemeinsam hin“, erzählt der gebürtige Sauerländer über den Tag im Jahr 1999, an dem er sich als potenzieller Lebensretter bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren ließ. Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz in Birkenfeld ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die gemeinnützige Stiftung seit fast 30 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist, Menschen zu werben, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. 2013 wurden so mehr als 17 000 neue Spender in die Datei aufgenommen.

Knapp 11 000 Menschen erkranken jährlich an Leukämie – allein in Deutschland. Wenn Chemotherapie und Bestrahlung nicht helfen, kann nur noch eine Stammzelltransplantation helfen. Durch sie wird dem Patienten ein neues blutbildendes System eingepflanzt. Dazu braucht der Patient aber einen Spender, dessen Gewebemerkmale weitestgehend mit den eigenen übereinstimmen. Diese Suche erfolgt in den weltweit vernetzten Spenderdateien. In diesen Knochenmark-und Stammzellspenderdateien wie der Stefan-Morsch-Stiftung sind weltweit mehr als 20 Millionen Menschen registriert und trotzdem ist es immer noch ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein passender Spender findet.

2005 erhielt Tim Stein zum ersten Mal die Nachricht von der Stefan-Morsch-Stiftung, dass er als Spender für einen Leukämiepatienten in Frage kommt. Doch nach der Untersuchung einer weiteren Blutprobe schied er als Spender für diesen Patienten aus. „Vielleicht gab es einen anderen Spender in der Auswahl, der mit dem damaligen Patienten stärkere Überreinstimmungen aufwies“, erklärt eine Sprecherin der Stefan-Morsch-Stiftung warum es damals nicht zur Spende kam.

Als er dann vor zwei Monaten wieder einen Brief von der Stiftung erhielt, dachte er sich nichts dabei: „Das hab ich locker hingenommen, weil es ja schon mal so war.“ Doch diesmal sollte es für den Fußballfan ernst werden. Nach vier Wochen bekam er den Anruf: Er war der am besten geeignete Spender für einen Leukämiepatienten: „Da hab ich erstmal schlucken müssen. Ich hab mich gefragt, was das für mich bedeutet. Aber Andrea Schmidt, Leiterin der Spenderbetreuung bei der Stefan-Morsch-Stiftung hat am Telefon den Ablauf für mich gut umrissen.“

Kurz vor Weihnachten kam er zum ersten Mal nach Birkenfeld, zur Voruntersuchung. „Meinen ersten Urlaubstag hatte ich mir zwar anders vorgestellt“, gibt er lächelnd zu, „aber es hat sich gelohnt. Die Ärztin hat mir während dem Aufklärungsgespräch die Angst nehmen können.“ Hinzu kam, dass seine Vorgesetzten ihn unterstützten. Schon einmal hatte ein Angestellter der Gemeinde Jüchen Stammzellen gespendet.

Und wie das funktioniert kann Tim Stein nun ziemlich genau erklären. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Die zweite Möglichkeit ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse. Das nennt man Apherese. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In der Entnahmestation der Stefan-Morsch-Stiftung werden dann die Stammzellen herausgefiltert. Über die Art der Entnahme entscheidet der Spender.

Stein entschied sich für die Apherese-Methode. „Es zwickt und zwackt überall ein bisschen, aber es ist kein so großer Aufwand!“ Tim Stein hat sein bestes getan, um dem Patienten zu helfen. Jetzt hofft er, dass die Transplantation erfolgreich verlaufen ist und der Empfänger ein gesundes Leben führen kann.