Hoffen – Helfen – Heilen

Das Leben eines wildfremden Menschen retten, der an Blutkrebs erkrankt ist. Diese Chance bekommt man nur, wenn man den genetischen Zwilling dieses Patienten findet. Tobias Abel aus St. Ingbert ist der passende Stammzellspender eines Leukämiepatienten. Jetzt spendete der 24 Jährige, damit dieser Mensch vielleicht den Kampf gegen die Leukämie gewinnt. Tobias Abel ist inzwischen fast ein Experte in Sachen Stammzellspende. Bevor er Lebensretter wurde, wurde er bei der Stammzellspenderdatei der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld gründlich untersucht und aufgeklärt. Leukämien werden auch als Blutkrebs bezeichnet. Die Krankheit geht von Zellen im Knochenmark aus, wo das Blut gebildet wird. Man unterscheidet verschiedene Formen von Leukämien. Akute Leukämien können in jedem Lebensalter auftreten. Jährlich erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen dieser Krankheit. Davon sind etwa fünf Prozent Kinder unter 15 Jahre. Wenn Chemotherapie und/oder Bestrahlung nicht helfen, ist die Transplantation von Stammzellen eines gesunden Spenders die einzige Hoffnung, das Leben des Patienten zu retten. Doch nur etwa ein Drittel der Patienten finden einen geeigneten Spender in der eigenen Familie. Für alle anderen beginnt die Suche nach einem fremden Spender, der die gleichen genetischen Merkmale – die so genannten HLA-Merkmale – besitzt. Genau diese wurden analysiert als Tobias Abel sich vor fast vier Jahren bei der Bundeswehr in Merzig typisieren ließ.
Abel hat sich damals wenige Milliliter Blut abnehmen lassen. Im Labor der bundesweit agierenden Stefan-Morsch-Stiftung wurden dann die Gewebemerkmale des 24 Jährigen analysiert und anonymisiert in ein weltweites Netz eingespeist, das dazu dient, für Menschen mit Leukämie einen passenden Lebensretter zu finden. Fast 20 Millionen Menschen sind heute in den verschiedensten Dateien weltweit registriert. Anfang des Jahres konnte gerade die eine Millionste Stammzelltransplantation durchgeführt werden. Nichts desto trotz ist es immer noch ein Glücksfall, für einen Patienten einen passenden Stammzellspender zu finden.
Tobias Abel der gerade eine Ausbildung zum Kaufmann im Gesundheitswesen macht, ist so ein Glücksfall. Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Oder die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse oder Blutplasmaspende. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Diese Spritzen können als Nebenwirkungen grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen auslösen. Sie verschwinden nach der Entnahme wieder.
Bis es aber jetzt zur Stammzellentnahme kam, vergingen Wochen und Monate. Immer wieder wurde der Termin verschoben. Voraussetzung dafür, dass die Entnahme stattfinden konnte, ist ein koordinatorischer Drahtseilakt: Die Mitarbeiterinnen der Stefan-Morsch-Stiftung mussten einen mit der Transplantationsklinik des Patienten genau abgestimmten Zeitplan mit dem Spender absprechen. Denn der Patient, der dringend auf die Stammzelltransplantation angewiesen ist, muss zum exakt vorbestimmten Zeitpunkt diese Transplantation bekommen. Entscheidend ist dabei auch, dass sein Gesundheitszustand die Übertragung der Stammzellen erlaubt. Denn seine Therapie läuft parallel zur Vorbereitung des Spenders. Sein Immunsystem wird komplett ausgeschaltet – durch Bestrahlung oder/und Chemotherapie. Eine Therapiephase, die sehr belastend ist. Wenn der Patient sich jetzt mit einem Virus infiziert oder es aus irgendeinem Grund mit der Stammzell-Spende nicht klappt, ist sein Leben massiv gefährdet.

Vor wenigen Tagen war es dann soweit. Tobias Abel konnte mit den Spritzen beginnen, die seine Stammzellen in das Blut übergehen lassen. „Man macht sich Gedanken, wie es dem Patienten geht. Aber ich bin froh, dass es ihm jetzt soweit gut ging, dass die Transplantation überhaupt stattfinden konnte.“ Die Spende liegt nun hinter Tobias Abel: „Ich finde es gut, dass es die Möglichkeit gibt, irgendwo auf der Welt jemanden zu helfen.“