Hoffen – Helfen – Heilen

Tobias Reinhardts Humor ist trocken: „Das Spiel meines FC Schalke 04 gegen den schwarz-gelben Reviernachbarn zu verpassen hat mich mehr geschmerzt als die Spritzen!“ Für einen Fußball-Fan wie ihn braucht es schon einen triftigen Grund, um beim Revierderby nicht ins Stadion zu gehen. Den hatte der 32-Jährige aus Hamm: Er wollte das Leben eines wildfremden Mannes retten. Die Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands erste Stammzellspenderdatei hat ihn gebeten, seine Geschichte zu erzählen.

Blutspende wird Lebensretter

Rückblick: Vor mehr als 10 Jahren macht Reinhardt gerade seine Ausbildung bei der Sparkasse. Bei der Blutspende lässt er sich einfach ein Röhrchen mehr Blut abnehmen, um sich als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren zu lassen. Die bietet seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke an und arbeitet mit dem DRK-Blutspendedienst West zusammen, wenn es darum, geht Menschen zu finden, die sich typisieren lassen.

Patient aus England

Warum ist eine solche Typisierung so wichtig? Wer an Leukämie erkrankt, hat oft nur eine Chance, den Blutkrebs zu überleben, wenn Chemotherapie oder Bestrahlung das Leben nicht retten können: Die Transplantation von Stammzellen eines gesunden Menschen – wie Tobias Reinhardt – der die fast identischen DNA-Merkmale besitzt wie der Patient.

Stammzellspender aus Hamm

Seit damals hat sich für Tobias Reinhardt viel verändert. Er ist verheiratet und noch junger Vater von Zwillingen, deren Start ins Leben alles andere als einfach war. „Ich habe von den Errungenschaften der modernen Medizin profitiert, da möchte ich auch gerne etwas zurückgeben“, erklärt er. Vor einigen Monaten bekam er über seine Eltern die Nachricht, dass die Stefan-Morsch-Stiftung versucht ihn, zu kontaktieren. In den 10 Jahren hatte er beim Umzug vergessen, seine Daten bei der Spenderdatei zu aktualisieren.

Kontaktdaten aktualisieren

Doch die Stiftung hat Glück. Denn im Ernstfall ist es wichtig, den Spender schnell zu erreichen. Tobias Reinhardt ist sofort bereit zu helfen. Unterstützung bekommt er auch von seiner Familie. Er will sich zwar über die Risiken einer Stammzellspende informieren, aber seine Entscheidung ist gefallen.

Stammzellspeende rettet Leben

Er will helfen. Also spendet er Stammzellen. Das funktioniert ähnlich wie bei einer Dialyse. Den Nebenwirkungen im Vorfeld sind Kopf- und Gliederschmerzen. Die vergehen schnell wieder. Jetzt weiß er, dass er einem Mann, der etwa 50 Jahre alt ist und in England lebt, die Chance gegeben hat, den Blutkrebs zu überwinden. „Wer nimmt, der sollte auch geben“, sagt Tobias Reinhardt. Mit Blick auf seine beiden kleinen Töchter, weiß er, dass er mit der Stammzellspende sein Bestes gegeben hat und das war ihm wichtig. (dji)