Hoffen – Helfen – Heilen

Tom Colling aus Otzenhausen (Kreis St. Wendel) ist seit fünf Jahren bei der Stefan-Morsch-Stiftung als Stammzellspender registriert. 2015 hat der 27-Jährige für eine junge Frau in Deutschland Stammzellen gespendet. Vor wenigen Wochen hat er erfahren: ihr geht es besser. Jetzt möchte er andere dazu aufrufen, ebenfalls Lebensretter zu werden und sich in der Datei der Birkenfelder Stiftung typisieren zu lassen, damit mehr Patienten mit Blutkrebs eine Chance auf Leben bekommen.   
Leukämie ist nur eine der bösartigen Erkrankungen, die eine Übertragung gesunder Blutstammzellen erfordern kann. Mit einer solchen Spende bekommt der Patient ein neues blutbildendes System – seine einzige Überlebenschance, wenn Chemotherapie oder Bestrahlungen allein nicht mehr helfen. Das ist aber nur möglich, wenn sich ein genetisch passender Spender zur Verfügung stellt. Seit 30 Jahren klärt die Birkenfelder Stiftung über die Chancen der Stammzellspende auf und bietet jungen Menschen, wie Tom Colling an, sich als mögliche Spender zu registrieren.

Tom Colling ist grundsätzlich da, wo andere Hilfe brauchen. In der Gemeinde Nonnweiler kennt man ihn: als stellvertretenden Ortsvorsteher von Otzenhausen, als Fußballer auf der Außenbahn beim VfR Otzenhausen, als Blutspender und als Feuerwehrmann. Den Piepser hat er immer dabei. Wenn die Alarmierung erfolgt, fährt er los: „Egal wann, auch um drei Uhr nachts“, erzählt er.

Als er 2011 zum Sommerfest der Tiefkühlpizza Firma Nestlé Wagner in Otzenhausen ging, war auch die Stefan-Morsch-Stiftung vor Ort, um über die Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke aufzuklären. „Ich kam mit den Mitarbeitern der Stammzellspenderdatei ins Gespräch und wurde gefragt, ob ich mich typisieren lassen möchte“, erinnert er sich. „Ich habe keine Angst vor Nadeln.“ Aber dass er tatsächlich als Spender in Frage kommt, damit hatte er nicht gerechnet, als ihn im Frühjahr 2015 eine Mitarbeiterin der Stefan-Morsch-Stiftung anrief. Auf die Frage, ob er noch zur Spende bereit wäre, antwortet er mit: „Ja, selbstverständlich.“

Unterstützung von der Familien

Bevor er Stammzellen spenden durfte, wurde er bei einer gründlichen Untersuchung über alles genau informiert. „Die Ärztin hat mir alles sehr gut erklärt. Ich hab mich sehr wohl gefühlt. Sie war sogar am Wochenende für mich erreichbar, als ich noch eine Frage hatte“, betont er. Seine Familie – Eltern, zwei ältere Schwestern und ein älterer Bruder – stehen hinter seinem Plan. „Besonders meine Mutter hat das mitbegleitet. Sie hatte vor ein paar Jahren Darmkrebs und weiß als Krankenschwester und Heilpraktikerin, was eine solche Diagnose bedeutet“, erzählt der Fußballer bei seinem ganz persönlichen Lebensretter-Projekt. Auch die Arbeitskollegen bei Nestlé Wagner in Otzenhausen, wo er als Vertriebscontroller arbeitet, fiebern mit: „Die haben die Daumen gedrückt und gehofft, dass alles gut geht.“

Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Knochenmarkspende als klassische Methode. Unter Vollnarkose entnehmen Mediziner Knochenmark aus dem Beckenknochen – niemals aus dem Rückenmark. Die periphere Blutstammzellspende ist die zweite und weitaus häufigere Methode. Sie verläuft ähnlich wie eine Dialyse. So hat auch Tom Colling gespendet.

2015 hat Feuerwehrmann Tom Colling aus Otzenhausen mit seiner Stammzellspende bei der Stefan-Morsch-Stiftung einer jungen Frau das Leben gerettet. Foto: Stefan-Morsch-Stiftung

2015 hat Feuerwehrmann Tom Colling aus Otzenhausen mit seiner Stammzellspende bei der Stefan-Morsch-Stiftung einer jungen Frau das Leben gerettet. Foto: Stefan-Morsch-Stiftung

In den Tagen vor der Spende musste sich der Sportler einen körpereigenen Botenstoff spritzen, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Das war für ihn kein Problem: „Nur bei der ersten Spritze wurde mir etwas schummrig. Das lag vielleicht daran, dass mir bewusst wurde – es geht jetzt los.“ Gespendet hat er in der Entnahmestation der Stiftung in Birkenfeld. Seine Freundin hat ihn dorthin begleitet.  Die Entnahme hat er gut überstanden, auch wenn das lange Liegen für den Sportler anstrengend war. Das hat er aber gerne getan: „Die zwei, drei Stunden kann man auf die Zähne beißen, denn man rettet so ein Leben.“

Seit wenigen Wochen hat er darüber auch Gewissheit. Denn er hat bei der Datei nachgefragt, wie es seiner Empfängerin geht, einer 25-jährigen Frau irgendwo in Deutschland. „Besser! Alles okay. Sie ist nicht mehr im Krankenhaus“, freut er sich. Ganz oft hat er an sie gedacht. Wie wichtig seine Hilfe war, ist ihm erst nach seiner Spende klar geworden: „Als ich mittags alleine zuhause war. Das Gefühl ist schwer zu beschreiben“, gesteht er und wechselt das Thema: Er möchte ihr einen Brief schreiben. „Das will ich schon die ganze Zeit, aber ich habe noch gezögert.“

Tom Colling möchte mit seiner Erfahrung andere dazu bewegen, sich ebenfalls typisieren zu lassen: „Damit gibt man einem Menschen den letzten Strohhalm, nach dem er greifen kann.“ Warum man sich typisieren lassen soll? „Damit kann man Leben retten und mir fällt kein Grund ein, was dagegen spricht.“ (az)