Hoffen – Helfen – Heilen

„Verantwortlich leben, solidarisch handeln“, ist einer der Leitsätze des Kolpingwerkes, der wohl auch für Wolfgang Heppelmann aus Warstein gilt. Schließlich ist der 49 Jährige Diplom-Informatiker nicht nur in der Kirche und bei der Kolpingfamilie engagiert. Er ist auch Blutspender und hat sich bei einem der Blutspendetermine auch in die Stammzellspenderdatei der Stefan-Morsch-Stiftung aufnehmen lassen. Somit hat er 2003 den ersten Schritt auf dem Weg zum Lebensretter getan. Jetzt, zehn Jahre später, konnte er auch den zweiten gehen: Er spendete Stammzellen für einen an Leukämie erkrankten Menschen – für den Patienten die letzte Chance im Kampf gegen den Blutkrebs.Wolfgang Heppelmann programmiert für ein Sägewerk. Vor zehn Jahren hat er sich bei einer Blutspende dazu entschlossen, durch die Abgabe einer weiteren Blutprobe sich auch als Stammzellspender bei der ältesten Stammzellspenderdatei Deutschlands registrieren zu lassen. Seit mehr als 25 Jahren bietet die Stefan-Morsch-Stiftung konkrete und schnelle Hilfe für Leukämie und Tumorkranke an. Leukämie ist nur eine der bösartigen Erkrankungen, die eine Übertragung gesunder Blutstammzellen erfordern können. Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System – seine einzige Chance auf Leben, wenn Chemotherapie oder Bestrahlungen nicht geholfen haben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn es Menschen gibt, die sich typisieren lassen – sprich: als Stammzellspender in der Datei erfasst sind. Um diese Zellen übertragen zu können, müssen die Gewebemerkmale von Spender und Patient übereinstimmen. So sind in den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien wie der Stefan-Morsch-Stiftung zwar weltweit über 20 Millionen Menschen registriert – trotzdem ist es immer noch ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein passender Spender findet.
Wolfgang Heppelmann ist so ein Glücksfall. Als die Stefan-Morsch-Stiftung ihn jetzt informierte, dass er der passende Spender für einen Patienten in Not ist, war klar: „Ich mache das. Das hatte ich schon entschieden, als ich mich typisieren ließ.“ Nur für etwa ein Drittel der Leukämiekranken werden Spender in der eigenen Familie gefunden. Deswegen muss bei der überwiegenden Anzahl der Patienten nach einem nicht verwandten Spender gesucht werden. Diese Abfragen laufen weltweit bei allen Spenderdateien auf – in Deutschland hat Emil Morsch 1986 als erster eine solche Datei aufgebaut. Benannt ist die Stefan-Morsch-Stiftung nach seinem Sohn, der 1984 als erster Europäer eine solche Stammzelltransplantation bekam. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich die Chance, dass einem leukämiekranken Patienten das Leben gerettet werden kann.
„Ich musste zwar erst einmal schlucken, als ich die Nachricht bekam, dass ich als Spender passe. Aber mir war sofort klar, dass ich auch spende“, so Heppelmann. Bis es jetzt zur Entnahme kam, musste der 49 Jährige noch eine Reihe von Voruntersuchungen absolvieren. Dabei wurde er auch gründlich über die Chancen und Risiken der Stammzellspende aufgeklärt. Um die Stammzellen beim Spender zu entnehmen gibt es heute zwei Varianten: Bei der klassischen Methode der Knochenmark-Entnahme entnehmen Mediziner etwa 0,8 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die zweite Methode ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein

körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Spender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen aus. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen. Wolfgang Heppelmann wurde von seiner Familie, seinen Freunden und Arbeitskollegen unterstützt. Er plädiert dafür, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen: „Es ist nicht schlimm. Die paar Unannehmlichkeiten, die ich in Kauf genommen habe, sind nicht der Rede wert. Stammzellspende ist schließlich eine Art humanitärer Hilfe.“