28. April 2016

Hilfe für englischen Leukämiepatienten

Tischtennis spielen ist die Leidenschaft von Thomas Trippen. Der Koblenzer lebt auf, wenn er – leicht nach vorn gebeugt – am Tisch steht, den Schläger in der Hand und bereit fürs schnelle Ping-Pong. Ein guter Partner auch fürs Doppel. Seine Zuverlässigkeit ließ ihn nun zum Lebensretter werden: als Stammzellspender für einen an Leukämie erkrankten Engländer.
„Wenn der Mann das doch braucht“, lautet der lapidarer Kommentar des 30-Jährigen. Große Worte sind nicht sein Ding. Gleich zwei Mal war sein Einsatz gefragt, damit der ihm unbekannte 52-jährige Patient dank der Transplantation neue Hoffnung schöpfen kann. An so ein Match in zwei Sätzen hat Thomas Trippen gewiss nicht gedacht, als er sich während seines Wehrdienstes auch als Stammzellspender verpflichten ließ.

11.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an Leukämie. Ohne eine Stammzellspende hätten sie kaum eine Chance gesund zu werden. Für sie sucht die Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands älteste Stammzell-Spenderdatei aus Birkenfeld, geeignete Spender für Knochenmark oder Stammzellen. Denn oft ist die Transplantation die einzige Chance fürs Überleben der Krebspatienten. Deshalb ist die Stiftung täglich in ganz Deutschland unterwegs, um Menschen dazu zu motivieren, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. „Typisierung“, lautet der Fachbegriff dafür.

„Ich zieh` das durch!“

Die Stiftung wird dabei vom Sanitätsdienst der Bundeswehr unterstützt, die bei ihren Blutspendeterminen auch die Typisierung anbietet. 2008 nahm der junge Wehrdienstleistende Thomas Trippen eine solche Gelegenheit wahr: „Blutspende und Typisierung in Idar-Oberstein“. In den folgenden Jahren dachte er nicht mehr daran. Bis zu dem Anruf fast acht Jahre später. „Volltreffer“, sagt Trippen. „Ich erfuhr, dass ich unter den Top 5 bin, dass meine genetischen Merkmale für einen Patienten passen.“

Der 30-Jährige ist heute im Sicherungsteam der Bahn AG im Einsatz und an den Gleisen im Mittelrheintal unterwegs. Den Ausgleich zum Job findet Trippen beim Tischtennisspielen. Neben der Gemeinschaft im Team bieten die sportlichen Erfolge mit der TTSG Weißenthurm-Kettig echte Lichtblicke und er kann sich „schön auspowern“.

Nachdem sich die Überraschung gelegt hatte, dass er als Stammzellspender infrage kommt, war für den Koblenzer klar: „Ich zieh` das durch!“ Die Voruntersuchung brachte grünes Licht und so legte sich Trippen in der Entnahmestation in Birkenfeld in einen bequemen Sessel und los ging’s: Bei der so genannten peripheren Blutstammzellspende – der Apherese – werden die Stammzellen aus dem venösen Blut herausgefiltert. Es ist die heute gängigste Entnahme-Methode. Eine Narkose oder gar eine Operation sind nicht erforderlich.

Zuvor musste sich der Koblenzer vier Tage lang ein Medikament spritzen, das seine eigenen Stammzellen dazu verleitete sich zu vermehren. Das kann vorübergehend zu kleineren Einschränkungen führen. „Ich hatte Augenweh und konnte nicht pennen“, erinnert sich Trippen. Doch die Beeinträchtigungen gingen mit der Spende vorbei.

Ganz spannend findet der Tischtennis-Crack, was danach mit seiner Spende passiert: Die gewonnenen Stammzellen werden nach der Entnahme von einem Kurier sofort zur Klinik des Patienten gebracht, wo es diesem in Form einer Transfusion übertragen wird. In Trippens Fall handelt es sich um einen 52 Jahre alten Mann in England. Die Stammzellen siedeln sich im Knochenmarkraum des Patienten an – als neues blutbildendes System. Dort beginnen sie sich zu vermehren und bereits zwei bis drei Wochen nach der Transplantation sind die neuen Zellen im Blut des Patienten nachweisbar – wenn alles optimal läuft.

Als Spender bleibt man für den jeweiligen Empfänger einige Zeit reserviert, denn gelegentlich ist einer erneute Übertragung erforderlich. Thomas Trippen wurde tatsächlich im April noch einmal zu Nachspende gebeten – „dieses Mal ohne Spritzen, das war gut“, grinst er. Vom Tischtennis her weiß der 30-Jährige, wie wichtig es ist, einen verlässlichen Partner zu haben. Emil Morsch, Vorstandsvorsitzender der Stefan-Morsch-Stiftung, lobt dieses Engagement des Koblenzers: „Der 52-jährige Patient in England hat in Thomas Trippen einen Partner gefunden, der ihn auf einzigartige Weise unterstützt hat – einen Lebensretter!“

In Kooperation mit dem DRK-Blutspendedienst West organisiert die Stefan-Morsch-Stiftung gemeinsame Blutspende- und Typisierungstermine. Motto: 1 mal Stechen, 2 mal Helfen. Foto: Stefan-Morsch-Stiftung

In Kooperation mit dem DRK-Blutspendedienst West organisiert die Stefan-Morsch-Stiftung gemeinsame Blutspende- und Typisierungstermine. Motto: 1 mal Stechen, 2 mal Helfen. Foto: Stefan-Morsch-Stiftung

TYPISIERUNG:

Wer sich wie Thomas Trippen als potenzieller Lebensretter in die Datei der Stefan-Morsch-Stiftung aufnehmen lassen möchte, kann dies bei den gemeinsamen Blutspende- und Typisierungsterminen tun, die die Stefan-Morsch-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem DRK-Blutspendedienst West und den DRK-Ortsvereinen bzw. Kreisverbänden anbietet:

Donnerstag, 12. Mai 2016, 16.30 bis 20 Uhr, 56294 Münstermaifeld, Stadthalle, An den Gärten

Dienstag, 31. Mai 2016, 16 bis 20 Uhr, 56220 Urmitz, Peter-Häring-Halle, Kaltenengerser Str. 5

Mittwoch, 8. Juni 2016, 16.30 bis 20.30 Uhr, 56751 Polch, In der Maifeldhalle, Dechant-Riegel-Straße

Prinzipiell kann jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren Stammzellen spenden. Informationen über Ausschlussgründe lassen sich auf der Internetseite der Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de) nachlesen. Die Typisierung ist für alle Spender kostenlos, jedoch werden Spenden zur Finanzierung der Blutuntersuchungen gerne entgegen genommen – da jede Spenderregistrierung mindestens 40 Euro kostet. Falls Sie Fragen zu den Ausschlusskriterien haben, rufen Sie einfach unsere gebührenfreie Hotline (08 00 – 766 77 24) an.